Industrial Vision Days 2008

Podiumsdiskussion über Bildverarbeitung und Sicherheitstechnik

07.10.2008 | Redakteur: Ines Näther

Wie weit könnte man kommen, wenn man Leistungen und Anforderungen von Sicherheitstechnik und Bildverarbeitung gegenüberstellte und aufeinander abgliche? Dieser Frage mit ihren unterschiedlichen Facetten geht die diesjährige Podiumsdiskussion im Rahmen der Fachmesse Vision, die vom 4. bis 6. November 2008 in Stuttgart stattfindet, mit Experten beider Fachrichtungen nach.

Big Brother? In Anlehnung an Orwells dystopischen Roman „1984“ ein Synonym für den Überwachungsstaat, der seine Bürger auf Schritt und Tritt mit Kameras beobachtet. Betrachtet man die schiere Zahl an CCTV-Kameras, die heute für die Verkehrskontrolle, die Sicherung öffentlicher Einrichtungen, den öffentlichen Personenschutz und den Schutz von Unternehmen und Privatgrundstücken im Einsatz sind, könnte man glauben, das Bild träfe zu.

Allein, hinter den Tausenden von Kameras gibt es keinen Big Brother, sondern viele Brüder und Schwestern, die aus schier endlosem Bildmaterial Informationen herauszufiltern versuchen. Denn die Auswertung des vielfach gewonnenen Bildmaterials ist nach wie vor dem menschlichen Betrachter vorbehalten. Diese Tätigkeit ist nicht nur mühsam und langsam, sie ist natürlich wie alle Beobachtungsvorgänge, die von Menschen ausgeführt werden, fehleranfällig. Untersuchungen haben ergeben, dass die verlässliche Aufmerksamkeitsspanne eines Menschen bei etwa 20 Minuten im Durchschnitt liegt.

Wachsende Leistungsfähigkeit bei sinkenden Investitionskosten

Mit dieser Herausforderung hat nicht nur die Sicherheitstechnik zu kämpfen. Auch in der Qualitätskontrolle in der Industrie besteht der Bedarf an kontinuierlicher, verlässlicher Beobachtung von Vorgängen zur umgehenden Detektion von Qualitätsproblemen und zur Vermeidung von Produktionsstörungen. Auch hier weiß man seit vielen Jahren, dass Mitarbeiter diese visuellen Kontrollen nicht zuverlässig ausführen können. In der Produktion werden für diese Aufgaben seit nun gut 20 Jahren und mit wachsender Leistungsfähigkeit bei sinkenden Investitionskosten, Bildverarbeitungssysteme eingesetzt. Hier übernimmt ein Rechner und eine Bildverarbeitungssoftware die Analyse und Informationsgewinnung aus jedem einzelnen aufgenommenen Kamerabild.

Hohe Leistungsfähigkeit und robuste Industrietauglichkeit

Wie wäre es, wenn man die hohe Leistungsfähigkeit und robuste Industrietauglichkeit dieser Verfahren und Systeme nutzen würde für die Auswertung der Bilder aus Überwachungskameras? Sicher, die Umgebungsbedingungen sind meist nicht die einer Produktionshalle, aber auch die Bildverarbeitung wird open air eingesetzt, zum Beispiel bei der Steuerung von Containerkränen in großen Umschlagshäfen. Die Bildinhalte sind wenig determiniert, aber dies ist auch so bei der Qualitätskontrolle von Naturprodukten, wie Eiern und Fischen.

Wie weit könnte man also kommen, wenn man Leistungen und Anforderungen beider Bereiche – Sicherheitstechnik und Bildverarbeitung – gegenüberstellte und aufeinander abgliche? Dieser Frage mit ihren unterschiedlichen Facetten geht die diesjährige Podiumsdiskussion im Rahmen der Fachmesse Vision, die vom 4. bis 6. November 2008 in Stuttgart stattfindet, mit Experten beider Fachrichtungen nach. Im Rahmen der von der Fachabteilung Industrielle Bildverarbeitung im VDMA veranstalteten Industrial Vision Days, während der weltweiten Leitmesse für industrielle Bildverarbeitung, diskutieren miteinander:

Klaus Baumgartner, Siemens Building Technologies

Klaus Baumgartner befasst sich seit nunmehr 15 Jahren mit dem Bereich der Videotechnik. Nach zehn erfolgreichen Jahren als Produktmanager für digitale Videoprodukte bei Siemens, hat Klaus Baumgartner nun die Leitung der Entwicklungsabteilung für CCTV übernommen. Die Siemens-Division Building Technologies verbindet Angebote für energieeffiziente Gebäudeautomation, Brandschutz, elektronische Sicherheit und elektrische Installationstechnik sowohl als Dienstleister und Systemintegrator wie auch als Hersteller entsprechender Produkte. Durch die einmalige Kombination dieser Aktivitäten nimmt die Building Technologies weltweit eine Spitzenposition auf dem Markt für Gebäudeautomation ein.

Volkhard Delfs, Panasonic Systems Solutions

Volkhard Delfs ist seit über 18 Jahren im Unternehmen Panasonic tätig und betreut als technischer Produktmanager für den deutschen Markt den Bereich der Videoüberwachung mit Schwerpunkt auf netzwerkbasierende Systeme und Lösungen.

Als eines der größten Unternehmen der Welt im Bereich Elektronik & Elektrogeräte bietet die Matsushita Electric Industrial unter dem Markennamen Panasonic seinen Kunden seit über 80 Jahren Produkte höchster Qualität. Unter dem Dach der PSS EU befinden sich als größter Bereich auch die Videoüberwachung/CCTV mit den Produktsparten Iriserkennung und Digital Signage System.

Dr. Stefan Gehlen, L-1 Identity Solutions

Dr. Stefan Gehlen ist ein weltweit anerkannter Experte für Biometrie, Gesichtserkennung, Identity Management, Bildverarbeitungs- und Sicherheitssysteme. Von 2004 bis April 2008 wirkte er als Vorstand der L-1 Identity Solutions AG und Vice President Facial Recognition R&D der L-1-Gruppe. Er dient der Europäischen Kommission als Experte für biometrische Systeme. Zur Zeit berät Herr Dr. Gehlen die L-1 Identity Solutions AG und andere Unternehmen in technologischen, strategischen und operativen Fragen.

Katharina Geutebrück, Geutebrück

Katharina Geutebrück ist Diplom-Wirtschaftsingenieurin Elektrotechnik und übernahm im Juli 1999 die Geschäftsleitung der Geutebrück GmbH in Windhagen. Frau Geutebrück ist Vorsitzende des BHE-Fachausschusses Videotechnik und Vorstandsmitglied des VSW-NW. Geutebrück ist ein modernes Hightech-Unternehmen mit Familientradition. Gegründet 1970 durch Thomas Geutebrück und seither zügig aber kontrolliert auf heute 200 Mitarbeiter und einen Umsatz von 36 Mio. Euro (2007) gewachsen, finanziell unabhängig, realitäts- und kundennah und stets pragmatisch in seinen Lösungen, hat es sich in der Spitze des Videoüberwachungsmarktes etabliert.

Prof. Dr. Jörg Krüger, Innovationscluster Sichere Identität

Prof. Dr.-Ing. Jörg Krüger leitet seit 2003 als geschäftsführender Direktor das Fachgebiet Industrielle Automatisierungstechnik der Technischen Universität Berlin am Institut für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb. Prof. Krüger ist zudem Direktor des Bereichs Automatisierungstechnik am IPK und geschäftsführender Gesellschafter der reCognitec GmbH. Seit 2008 leitet Prof. Krüger den Fraunhofer Innovationscluster ‚Sichere Identität’, in dem sich fünf Fraunhofer-Institute, vier Universitäten sowie elf Unternehmen zusammengeschlossen haben. In diesem Forschungsverbund werden Methoden und Systeme der Bildverarbeitung und Mustererkennung zur Fälschungssicherung von Dokumenten wie auch zur mobilen Identitätsprüfung von Personen und Objekten entwickelt.

Dr. Dietmar Ley, Basler Vision Technologies

Dr. Dietmar Ley ist seit Februar 2000 Vorstandsvorsitzender der Basler Vision Technologies. Er ist zuständig für die operativen Geschäftsbereiche, Produktentwicklung, Finanzen und Personal. Seit 2003 ist er ehrenamtlich im Vorstand der Fachabteilung Industrielle Bildverarbeitung im VDMA tätig und seit 2005 Vorstandsvorsitzender dieser Gruppe. Die Basler AG ist eines der führenden Unternehmen aus dem Bereich Vision Technology. Das 1988 gegründete Unternehmen hat in 2007 mit weltweit mehr als 300 Mitarbeitern einen Umsatz von 51,5 Mio. Euro erwirtschaftet. Das Geschäftssegment Basler Components entwickelt und vertreibt Standardkomponenten. Kernbestandteil des Portfolios sind digitale Kameras zum Einsatz in industriellen Prozessen und in der Videoüberwachung.

Michael von Foerster, Bosch Sicherheitssysteme

Der Jurist Michael von Foerster leitet seit 2006 bei Bosch Sicherheitssysteme den Bereich Association Government & Public Affairs. Als stellvertretender Vorsitzender des ZVEI-Fachverbands Sicherheitssysteme vertritt von Foerster die Interessen der Sicherheitstechnik-Branche. 2008 wurde er zum Vizepräsidenten von Euralarm gewählt, darüber hinaus ist er Vorsitzender des BITKOM-Fachausschusses Biometrie.

Bosch Sicherheitssysteme bietet innovative Produkte und Lösungen für Sicherheit und Kommunikation. Die Produktpalette umfasst modernste Videoüberwachungssysteme sowie Zutrittskontroll-, Sicherheitsmanagement- und Evakuierungssysteme. Als Teil der Bosch-Gruppe beschäftigt Bosch Sicherheitssysteme rund 10.800 Mitarbeiter in über 50 Ländern. Der Umsatz betrug 2007 rund 1,4 Mrd. Euro.

Die Experten nehmen Stellung zu folgenden Fragekomplexen:

  • Big Brother is watching you: Wie weit sind wir technisch heute noch von Orwells Zukunftsszenario entfernt?
  • Überwachung von Produktionsprozessen und Überwachung von Personen und Infrastruktur: Was ist der Unterschied?
  • Bildverarbeitungs-Software zur Automatisierung der Überwachung – Security-Kamera-Netzwerke in der Qualitätssicherung der Produktion: Win-Win oder Utopie?
  • Security-Kameras mit Bildverarbeitungs-Algorithmen: Schutz vor Gefahr bei gleichzeitigem Schutz der Persönlichkeitsrechte?
  • Bildverarbeitungssysteme mit Überwachungskamera-Netzwerken: Völlig neue Dimensionen für den Kameraeinsatz?
  • Zukunftsvisionen für Kameraüberwachung: Wo geht die Reise hin?

Die Veranstaltung findet statt am 5. November 2008, von 14.00 bis 15.00 Uhr während der internationalen Leitmesse für Bildverarbeitung Vision im Forum Industrial Vision Days in der Neuen Messe Stuttgart und ist für alle Besucher der Fachmesse offen.

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