Lastenverschiebung

Die intelligenten Öfen aus Pocking

| Autor: Robert Weber

Hitze: In den Lichtbogenöfen herrschen Temperaturen von bis zu 2000 Grad.
Hitze: In den Lichtbogenöfen herrschen Temperaturen von bis zu 2000 Grad. (Bild: Weber)

Harsche Kritik mussten sich einige EEG-befreiten Unternehmen in den letzten Wochen gefallen lassen, denn nicht jeder genehmigte Antrag war für die Öffentlichkeit nachvollziehbar. Anders die RW Silicium GmbH. Die Bayern könnten die Werkstore schließen, wenn sie die Umlage bezahlen müssten. Gleichzeitig ist der Siliziumproduzent aber Vorbild für intelligente Lastverschiebung in der Energiewende.

Die Südostbayernbahn zuckelt gemütlich durch die Landschaft von Passau Richtung Mühldorf am Inn – Bayern wie es ursprünglicher kaum sein kann. Ein Bedarfshalt folgt dem nächsten, der Zugführer warnt mit dem Signalhorn an den Bahnübergängen und die Bauern warten mit ihren tuckernden Traktoren. Vor dem Fenster ziehen im Wechsel Weizen-, Mais- und Photovoltaikfelder vorbei. Kaum eine Stallung hat hier kein kleines Solarkraftwerk auf dem Dach – Bayern wie es moderner kaum sein kann.

Stefan Bauer ist hier daheim, ist ein Teil des Ursprünglichen und Modernen. Der Verfahrensingenieur lebt mit seiner Familie in der Nähe von Pocking. Bunte Wiesen und schattige Wälder dominieren die Grenzregion zu Österreich. Montagsmorgens taucht Bauer in eine andere Welt ein. Mit Helm und Mundschutz steigt er über einige Stufen hinauf in die Produktion, wo glühende Öfen, Staub, Hitze, Qualm und Lärm den Alltag bestimmen. In den Schmelzöfen der RW Silicium GmbH im Pockinger Gewerbegebiet herrschen Temperaturen von bis zu 2.000 Grad und Produktionsleiter Bauer flüchtet sich in den kühlen Kontrollraum. Von dort überwachen die Kollegen den Betrieb und Verbrauch.

Das Unternehmen ist mit seinen vier Lichtbogenöfen Großverbraucher in der Region. Bis zu 16 MW schlucken die Öfen, 45 % der Kosten der Gesellschaft entfallen auf Strom. Kein Wunder: Für 1 t Silizium aus Quarz fließen rund 13.000 kwh durch die Leitungen. Zum Vergleich: Ein Vierpersonenhaushalt verschlingt im Jahr im Durchschnitt etwa 4.800 kwh. „Ohne EEG-Befreiung hätten wir keine Chance“, erklärt Bauer. Doch der Rohsiliziumproduzent ist nicht nur Nutznießer der Befreiung durch die Politik. Bauer und sein Vorgänger trimmten den Zulieferer der Chemie- und Aluminiumindustrie zum Vorreiter für die Energiewende. Das Zauberwort heißt Regelleistungsmarkt und das Prinzip klingt einfach. Bauer und seine Mannschaft drosseln die Leistung der Öfen, wenn im Netz der Strom durch die Hinzunahme erneuerbarer Energien schwankt, knapp wird und dafür entlohnt der Energieversorger das Unternehmen.

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