Maschinensicherheit

Direkte Auswirkungen auf die Sicherheitstechnik

| Redakteur: Jan Vollmuth

Sven Glöckler, Segment Manager Maschinenbau bei ABB Stotz-Kontakt
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Sven Glöckler, Segment Manager Maschinenbau bei ABB Stotz-Kontakt (Bild: Vogel Business Media / Johannes Unsch)

Um Automatisierungskomponenten im Zeitalter von Industrie 4.0 sicher betreiben zu können, sind zwei Dinge wichtig: Die Weiterentwicklung von Normen und Standards vor dem Hintergrund einer vernetzten Industrie sowie der Wissenstransfer vom Komponenten-Hersteller zum Kunden, meint ABB-Segment Manager Sven Glöckler.

Welche Auswirkung hat Ihrer Meinung nach die Industrie 4.0 auf die Funktionale Sicherheit?

Bei der Industrie 4.0 geht es sehr stark um das Thema Kommunikation und Datenaustausch – in der Vergangenheit und auch heute noch ist die Maschinensicherheit dagegen meist komplett autark gewesen. Das wird sich in der Zukunft ändern. Die Vernetzung aller an der Wertschöpfungskette beteiligten Komponenten wird direkte Auswirkungen auf die Sicherheitstechnik haben. Das erfordert die Weiterentwicklung der entsprechenden Komponenten und Systeme.

Was bedeutet das denn konkret für die Entwicklung von Maschinen?

Zukünftig wird die Maschinensicherheit nicht nur aus dem Thema Safety, sondern auch aus dem Feld Security bestehen. Wir alle kennen den Performance Level nach der EN ISO 13849 oder auch das SIL Safety Integrated Level nach der EN IEC 62061. In Zukunft wird man aber auch einen Security Level betrachten müssen.

Ein Kern der Industrie-4.0-Idee ist die flexible Umparametrierung von Anlagen und Maschinen. Wie verträgt sich das mit der Maschinensicherheit – und ist das heute schon realisierbar?

Das ist jetzt ja nichts völlig Neues für uns. Wir wurden auch in der Vergangenheit immer wieder mit solchen Anforderungen konfrontiert. Dabei denke ich auch an unsere Sicherheits-SPS Pluto – hier gibt es die Möglichkeit des Optionshandlings. So können je nach Maschinengattung einzelne Anlagenteile entnommen oder auch hinzugefügt werden. Dabei muss nicht eine komplett neue Software erstellt werden, sondern einzelne Anlagenteile oder Funktionen können über das Optionshandling einfach an- und abgewählt werden.

Reichen die heutigen Normen zur Funktionalen Sicherheit für die Anforderungen der Industrie 4.0 aus?

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Aus meiner Sicht reichen sie nicht aus – es ist notwendig, dass das Feld erweitert und auf die nächste industrielle Revolution vorbereitet wird. Nur so kann systemübergreifende Durchgängigkeit auch für die Sicherheitstechnik gewährleistet werden. Die entsprechenden Gremien haben aber bereits die Problematik erkannt. Der IEC-Arbeitskreis TC 44 zum Beispiel ist dabei, eine Technische Spezifikation zu erarbeiten, die ergänzend zu der EN IEC 62061 und EN ISO 13849 mehr Informationen zum Thema Security enthalten soll. Außerdem wird mit großer Wahrscheinlichkeit die EN ISO 12100 entsprechend angepasst. Es existiert zudem eine Normungs-Roadmap zum Thema Industrie 4.0 von DIN, DKE und VDE, und auch die Plattform Industrie 4.0 der Wirtschaftsverbände BITKOM, VDMA und ZVEI beschäftigt sich unter anderem mit Normung und Standardisierung. Auf internationaler Ebene arbeitet die ISO-Strategiegruppe zu Industrie 4.0 daran, fehlende Normen und Standards zu identifizieren.

Reicht es nicht, funktional sichere Cyber-Physical-Systems zu entwickeln, um eine betriebssichere Fabrik zu erhalten?

Es gehört sicherlich mehr dazu. Schnittstellen müssen exakt definiert und explizite Aussagen getroffen werden, wie was bedient werden darf. Zudem sind auch andere, neue Schutzziele zu bestimmen, um ein sicheres Produzieren in der Industrie 4.0 zu gewährleisten. Ein Beispiel ist die Mensch-Maschine-Kollaboration: Mitarbeiter müssen sich in einer neuen Arbeitswelt zurecht finden. Auch wenn der Roboter beispielsweise inhärent sicher ist, so muss dennoch geprüft werden, ob der Mensch aus ergonomischen Gesichtspunkten die Tätigkeit langfristig ausüben kann. Das heißt, wir werden mit ganz neuen Themen konfrontiert, die selbstverständlich auch mit einbezogen werden müssen.

Welchen Beitrag können Komponenten-Hersteller bieten, um die Funktionale Sicherheit einer Anlage im Rahmen der Industrie 4.0 zu erhöhen?

Grundsätzlich ist es einmal selbstverständlich, dass ein Unternehmen wie ABB sichere und zuverlässige Komponenten produziert. Darüber hinaus gewinnen vor allem auch Wissenstransfer und Engineering-Unterstützung an Bedeutung. Gerade bei dem letzten Punkt bieten die Maschinensicherheitsspezialisten von ABB eine Reihe von Schulungen. Auch auf der Maschinen-Bau-Info 2016 in Pforzheim sprechen wir über das Thema Industrie 4.0 und in dem Zusammenhang auch über Safety und Security.

Vielen Dank Herr Glöckler.

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