Best-Cost-Sourcing

Entwicklungsarbeit auslagern: Russisch gut programmiert

| Autor / Redakteur: Ellen-Christine Reiff und Alex Homburg* / Sariana Kunze

Outsourcing für die Industrie 4.0 liegt im Trend.
Outsourcing für die Industrie 4.0 liegt im Trend. (Bild: © zothen/Fotolia.com)

Im Rahmen fortschreitender Digitalisierung quer durch alle Branchen entsteht zwangsläufig immer mehr Bedarf an leistungsfähiger Software. Die hierfür notwendige Entwicklungsarbeit auszulagern, kann sich für viele Unternehmen lohnen, zumal hierzulande der Fachkräftemangel im IT-Bereich spürbar ist. In Russland finden immer mehr Unternehmen die gesuchten Spezialisten.

Eine Stadt, die für eine länderübergreifende deutsch-russische Zusammenarbeit bei der Entwicklung leistungsfähiger Software besonders gute Voraussetzungen bietet, ist Sankt Petersburg. Die Weltstadt mit knapp fünf Mio. Einwohnern ist eines der wichtigsten kulturellen, wissenschaftlichen und industriellen Zentren Russlands und nur etwa 2,5 Flugstunden von Deutschland entfernt. Dank der starken Gewichtung, die IT-Wissenschaften heute an den St. Petersburger Universitäten haben, scheint die Stadt heute gute Voraussetzungen für ein „Best-Cost-Sourcing“ im Bereich Software zu entwickeln. Jürgen Schell, geschäftsführender Gesellschafter von GR Software Engineering ist jedenfalls davon überzeugt: „Am Anfang denkt zwar jeder, dass es schwierig sei, externe Ressourcen aus St. Petersburg in Entwicklungsaufgaben einzubinden. Unsere Erfahrungen aus ganz unterschiedlichen Branchen haben aber gezeigt, dass solche Bedenken unbegründet sind. Die deutsch-russische Zusammenarbeit hat sich offensichtlich für alle unsere Kunden gelohnt, denn jeder, der es einmal gewagt hat, ist dabei geblieben – ohne Ausnahme und das mittlerweile über etliche Jahre.“

Russische Ingenieure mit ähnlicher Arbeitsmoral

Die Lebenskosten sind in Russland deutlich niedriger als in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Auch anspruchsvolle Ingenieurleistungen haben daher attraktive Preise. Außerdem gestaltet sich durch den ähnlichen kulturellen Hintergrund und nahezu identische Arbeitsmoral die Zusammenarbeit mit russischen Ingenieuren recht einfach. Ein hoher Ausbildungsstand ist selbstverständlich, gutes Englisch ebenfalls. „Schätzenswert ist zudem das Arbeitsverständnis, das dem unseren im deutschsprachigen Raum sehr gleicht“, fährt Schell fort. „Qualität, gute Organisationsstrukturen sowie Liefertreue sind obligatorisch, der Preis stimmt und auch sonst hat dieses Modell der Near-Shore-Programmierung viele Vorteile. Wer beispielsweise nur fünf oder zehn externe Programmierer braucht, für den sind Länder wie Indien keine Alternative. Zeitverschiebung und eine völlig andere Kultur sind schwierig zu handhaben. Eigentlich ist eine solche Off-Shore-Programmierung nur für Unternehmen interessant, die dort eine eigene Firma gründen können.“

Ein deutsch-russisches Gemeinschaftsprojekt zu starten ist dagegen einfach und wesentlich weniger riskant, da es für jede Konstellation ein passendes Angebot gibt. „Eine Spezifikation welche wir zusammen in Workshops mit unseren Kunden erarbeiten, genügt, um danach einen fixen Preis abzugeben. Das reduziert die Risiken für Kunden und Anbieter und beschleunigt die Entwicklung“, erläutert Schell. Wenn über einen längeren Zeitraum immer wieder Entwicklungsaufgaben anstehen, ist es sinnvoller das sogenannte „Embedded Nearshore Development“ zu nutzen. Die externen Entwickler werden dann in die eigene Entwicklungsabteilung „eingebettet“. Um Kommunikationsfehler zu minimieren, steht zudem für jedes Projekt ein Ansprechpartner in Deutschland zur Verfügung, der das Entwicklungsteam in St. Petersburg koordiniert. „Wenn sich die Zusammenarbeit nach typischerweise ein, zwei Monaten eingespielt hat, rechnet sich dieser deutsch-russische Kostenmix dann sehr schnell“, ergänzt Schell.

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