Vertrauen in der Arbeitswelt

Erfolgsfaktor: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

| Redakteur: Sariana Kunze

Nicht nur beim Bergsteigen und Klettern entscheidet das Vertrauen in die Weggefährten über den Erfolg der Unternehmung, auch in der Arbeitswelt gehört Vertrauen zu den Erfolgsfaktoren.
Nicht nur beim Bergsteigen und Klettern entscheidet das Vertrauen in die Weggefährten über den Erfolg der Unternehmung, auch in der Arbeitswelt gehört Vertrauen zu den Erfolgsfaktoren. (Bild: © crazymedia/Fotolia.com)

Ob in der Führungsetage, im Projektteam oder in der Kaffeeküche: Vertrauen ist ein brisantes Thema. Denn wenn es mal richtig schwierig wird, vertraut doch jeder nur sich selbst. Dabei hat Vertrauen das Potenzial zum Schmiermittel der Wirtschaft.

Haben wir in der Arbeitswelt verlernt zu vertrauen? Denn viele folgen dem Motto: „Nur wenn ich es selbst mache, wird es richtig gemacht.“ Nach einer repräsentativen Studie von Ernst & Young setzen die Beschäftigten weltweit kein großes Vertrauen in die eigene Firma oder den direkten Vorgesetzten: 44 Prozent vertrauen hierzulande ihrem Unternehmen und 47 Prozent ihren Vorgesetzten. Im Umkehrschluss heißt das: Die Mehrheit aller Arbeitnehmer ist gegenüber ihrem Arbeitgeber skeptisch oder sogar misstrauisch eingestellt. „Das kann fatale Folgen haben. Vertrauen ist eine zu wenig genutzte Ressource. Letztlich verschenktes Potenzial“, weiß Martin Beims, geschäftsführender Gesellschafter von Aretas. „Vertrauen ist das vielleicht wichtigste Schmiermittel der Wirtschaft. Ohne Vertrauen kann sich kein Unternehmenserfolg einstellen. Wenn jeder nur vor sich hin arbeitet und keinem vertraut, entsteht keine echte Zusammenarbeit. Führungskräfte und Mitarbeiter müssen den enormen Wert ‚Vertrauen‘ erkennen und endlich wertschätzen.“ Nur so lässt sich ein gutes Betriebsklima schaffen. Wenn Mitarbeiter und Führungskräfte sich gegenseitig vertrauen, ist die gemeinsame Zusammenarbeit von einer erhöhten Produktivität geprägt. Untersuchungen zeigen: Wer vertraut, ist motiviert und auch bereit, mehr zu leisten. Ein Mangel an Vertrauen bildet dagegen den idealen Nährboden für Angst.

Warum fehlt das Vertrauen in der Arbeitswelt?

Als Hauptgrund für das Misstrauen nennen die Befragten der Studie vor allem das Gefühl der Ungerechtigkeit. Über die Hälfte stört die als unfair empfundene Bezahlung, 48 Prozent bemängeln fehlende Chancengleichheit. Von den Befragten, die das Vertrauen in ihren Arbeitgeber verloren haben, arbeiten 30 Prozent nicht mehr, als von ihnen explizit verlangt wird. Mit Folgen für das Unternehmen: 28 Prozent sagen, die Enttäuschung führe generell dazu, dass sie weniger engagiert und produktiv seien. Für ein Viertel der Beschäftigten wird Qualität zur Nebensache und knapp ein Viertel spricht negativ über das Unternehmen gegenüber Kollegen oder Bewerbern. „Diese Erkenntnisse sollten jeden Arbeitgeber aufrütteln. Fehlt das Vertrauen auf beiden Seiten, halten Mitarbeiter und auch Führungskräfte im schlimmsten Fall Leistungen zurück“, warnt Beims. „Die Beschäftigten ziehen sich zurück – sie machen Dienst nach Vorschrift und hören auf, sich mit Ideen und besonderer Leistungsbereitschaft in das Unternehmen einzubringen.“ Das ist aber gerade im digitalen Wandel problematisch für Unternehmen. Denn in einer sich wandelnden Arbeitswelt mit globalem Wettbewerb und wachsender Dynamik brauchen Unternehmen leistungsbereite und loyale Belegschaften, die ihre Kreativität und ihre Ideen einbringen.

Vertraust du schon oder kontrollierst du noch?

Vertrauen kann sich nur in der Zusammenarbeit und der damit verbundenen Kommunikation entwickeln. Drei wesentliche Grundlagen fördern den Aufbau von Vertrauen: selbst Vertrauen schenken, eine klare Ausdrucksweise und Authentizität. „Voraussetzung für den Aufbau ist die Glaubwürdigkeit. Diese kann am ehesten erlangt werden, wenn Denken, Sprechen und Handeln aller Beteiligten übereinstimmen, also kongruent sind“, so Beims. Es ist die Klarheit im Handeln insbesondere der Führungskraft, die absolut von Nöten ist, damit sich alle beteiligten Akteure sicher orientieren können. Für die Beschäftigten ist es von äußerster Wichtigkeit, dass Führungskräfte Versprechen einhalten und der Job als sicher wahrgenommen wird. Nur so ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich. Außerdem wichtig: gegenseitigen Respekt nicht nur einzufordern, sondern auch jeden Tag zu leben.

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