Industrielle Kommunikation – Eine aktuelle Bestandsaufnahme

Marktstudien prognostizieren Wachstum

12.04.2010 | Autor / Redakteur: Michael Volz / Ines Näther

Die Automobilindustrie erweist sich wie bereits vor zehn Jahren bei den Feldbussen, mit dem zunehmenden Einsatz der Industrial-Ethernet-Technologien, auch heute wieder als Innovationstreiber

Während die Automobilindustrie mit dem zunehmenden Einsatz von Profinet sich als Technologietreiber alle Ehre macht, entdeckt die eher konservative Prozessautomatisierung nun auch die Vorteile der industriellen Netzwerke. Trotz unterschiedlichster Bewertung einzelner Systeme, prognostizieren alle renommierten Marktstudien dem Markt für industrielle Kommunikationssysteme ein überdurchschnittliches Wachstum.

Es gibt derzeit wohl kaum eine andere Branche, in der talentierte Ingenieure ihre Kreativität besser entfalten können und in der so viele unterschiedliche Lösungen für ein und dasselbe Grundproblem entstehen. Weitgehende Stabilität gibt es bei den Standardfeldbussen wie Profibus, DeviceNet, CANopen und CC-Link. Viel Bewegung hingegen gibt es einerseits bei den Industrial-Ethernet-Netzwerken und andererseits bei den Sensor-Aktuator-Netzwerken in der untersten Feldebene. Bild 2 zeigt anschaulich, wie aus anfangs zwei Grundtechnologien (Feldbus und Ethernet) heute ein breit diversifizierter Markt wurde. Mit der bevorstehenden Einführung der Industrial-Wireless-Kommunikationssysteme und der Sensor-Aktor-Netzwerke dürfte sich die rasante technische Entwicklung und die Diversifizierung auch in Zukunft weiter fortsetzen. Bei Industrial-Ethernet dreht sich vieles um die Performance

Ausgehend von nur zwei Kommunikationssystemen im Jahre 1975 hat sich die Anzahl der marktrelevanten Kommunikationssysteme bis heute verzehnfacht
Ausgehend von nur zwei Kommunikationssystemen im Jahre 1975 hat sich die Anzahl der marktrelevanten Kommunikationssysteme bis heute verzehnfacht

Während die einen sich mit immer höherer Performance brüsten, erfinden die anderen munter immer neue Industrial-Ethernet-Lösungen. Die internationale Standardisierung (IEC) nimmt jeden und alles in ihre Standards auf und macht diese damit wertlos, da es die einheitliche Norm nicht mehr gibt. Der Wettstreit um eine immer höhere Performance macht mittlerweile auch vor der Gigabit-Grenze nicht mehr Halt. Die Performance-Messlatte hat Beckhoff mit der Ethercat-Technologie vorgelegt. Die Profibus Nutzerorganisation zieht mit einem auf mehr Performance optimierten Profinet nach und in Japan hat Mitsubishi mit CC-Link/IE Field nun auch die Gigabit-Grenze überschritten.

Offensichtlich ist, dass sich nicht alle 28 der derzeitigen Industrial-Ethernet-Systeme am Markt durchsetzen werden. Aber welche werden es sein – und warum? Verschiedene Kriterien werden derzeit diskutiert: Performance, Preis und die Marktmacht der hinter den Lösungen stehende Firmen und Organisationen dürften die ausschlaggebenden Faktoren sein. Man darf davon ausgehen, dass sich die Zahl der marktrelevanten Realtime-Ethernet-Lösungen bei etwa zehn einpendeln wird. Zweifellos werden in Europa und Nordamerika mit Profinet und EtherNet/IP unterschiedliche Lösungen die Marktführerschaft übernehmen. In Asien dagegen setzt man auf CC-Link/IE Field, die neue Industrial-Ethernet-Variante aus dem Hause Mitsubishi. Wenn es um die Antriebstechnik geht, spielen Sercos III und Ethercat eine wichtige Rolle. Ethercat hat sich auch im Maschinenbau eine gute Marktposition erobert.

Weiteres Wachstum bei den Standard-Feldbussen

Marktanteile der industriellen Netzwerke in der Fertigungsautomation. Entgegen allen früheren Annahmen, haben die etablierten Feldbusse ihren Zenit noch lange nicht überschritten Quelle: IMS Research, 2008
Marktanteile der industriellen Netzwerke in der Fertigungsautomation. Entgegen allen früheren Annahmen, haben die etablierten Feldbusse ihren Zenit noch lange nicht überschritten Quelle: IMS Research, 2008

In der Feldebene haben die etablierten offenen Feldbussysteme wie Profibus, DeviceNet, CANopen, CC-Link und Modbus ihre Bedeutung weiter ausgebaut. Lediglich bei speziellen Netzwerken wie FIPIO sowie bei den properitäten Netzwerken sind rückläufige Stückzahlen zu beobachten. Dies zeigt auch eine Marktstudie von IMS Research, die die Marktanteile der industriellen Netzwerke in der Fertigungstechnik untersucht hat. Trotz stark zunehmenden Knotenzahlen bei Industrial-Ethernet, werden auch sechs Jahre nach dessen Einführung die Vielzahl der Anlagen auf Basis der etablierten Feldbusse vernetzt. Auch die aktuellen Meldungen der Feldbus-Nutzerorganisationen machen deutlich, dass die Standard-Feldbusse ihren Zenit noch nicht überschritten haben. Entgegen aller früherer Annahmen steigt bei den etablierten Feldbussen die Anzahl der installierten Knoten weiter moderat an. Die allgemein angenommene schnelle Verdrängung der Feldbussysteme durch Industrial-Ethernet vollzieht sich viel langsamer als erwartet. Alle etablierten Feldbusse verfügen seit einiger Zeit über stabile Spezifikationen: Es gibt eine sehr große Anbietervielfalt und Endanwender sowie Systemintegratoren beherrschen die Systeme sicher bei Installation, Wartung und Fehlersuche. Fast alle Feldbusse verfügen heute über integrierte Lösungen für die Übertragung sicherheitsrelevanter Daten (z.B. Profibus: Profisafe und DeviceNet: CIP-Safety) und erlauben so die Übertragung von Standarddaten und sicherheitsrelevanter Daten über dieselbe Busleitung. Dadurch werden weitere Anwendungsbereiche erschlossen, die bisher häufig noch diskret verkabelt wurden.

Anybus-CC: Flexibilität im CompactFlash-Format

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