Technik von damals

Im Computermuseum Kiel lebt Rechner-Romantik auf

25.07.2011 | Redakteur: Reinhard Kluger

Sieht geheimnisvoll aus, ist es aber nicht: Relais des legendären elektromechanischen Zuse-Rechners Z11 von 1958. Zu sehen im Computermuseum Kiel
Sieht geheimnisvoll aus, ist es aber nicht: Relais des legendären elektromechanischen Zuse-Rechners Z11 von 1958. Zu sehen im Computermuseum Kiel

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Computer, das klingt nach Fortschritt, aber die Ikonen der frühen Jahren sind längst im Museum. In Kiel gibt es viel zum Thema Zuse & Co zu sehen: Für die jüngeren Besucher zum Staunen, für die älterem zum Erinnern.

Mit Kiel assoziiert man nicht gerade den Computer, aber vielleicht ändert sich das. Hat doch in der Fördestadt vor kurzem ein Computermuseum seine Pforten geöffnet, von wo aus man zu einer spannenden Zeitreise in die Welt der Bits und Bytes aufbrechen kann. Und wie sich das für das Ausstellen von Rechnern gehört, gibt es nicht nur erklärende Texttafeln und Fotos zu sehen, auch moderne Mikroelektronik muss ran: Ein eigens produzierter 3D-Film stimmt den Besucher auf den Rundgang ein, versetzt ihn in vergangene Zeiten. Zahlreiche Multimediastationen veranschaulichen, wie Rechner von früher arbeiten und was schon Pacmans Ahnen zu leisten vermochten.

Und auch das Selbermachen kommt nicht zu kurz: Wer will, kann in die Programmierwelt eines Commodore C64 oder anderer alter Rechner eintauchen. Dank einer Emulationssoftware verhalten sich moderne PCs exakt wie ihre Veteranen. Man lernt schnell, warum die Fehlermeldung der frühen Jahre „Syntax error“ zum „Syntax terror“ verballhornt wurde.

Vom Zuse-Rechner bis zum PC

„Unser Museum lässt die Herzen derjenigen höher schlagen, die hier Geräte entdecken können, die unmittelbar mit ihrer eigenen Geschichte verbunden sind. Die 70- und 80-Jährigen, die noch an Zuse-Rechnern gearbeitet haben, die 60-Jährigen, die ihren Arbeitsalltag mit den riesigen raumfüllenden Mainframe-Rechnern geteilt haben und die 40- und 50-Jährigen, die als Kinder Pacman gespielt und später als Erste einen PC zu Hause oder im Büro stehen hatten“, ist sich Klaus-Michael Heinze sicher. Der Kanzler der Fachhochschule Kiel ist die treibende Kraft des Projekts Computermuseum.

Aber auch für die heutige Generation – die 16- bis 18-jährigen Schülerinnen und Schüler – sei der Besuch ein echtes Erlebnis. Klaus-Michael Heinze: „Sie können sehen, wie das funktioniert, was sie heute im Kleinstformat mit ihren Smartphones in Händen hielten.“ Und weiter: „Vielleicht bekommt die Eine oder der Andere Lust, an der FH Kiel Informatik oder Multimedia Production zu studieren.“

Z22, eine Rechner-Ikone im Original

Was immer man vom Computer versteht, einen Namen kennen wohl alle: Konrad Zuse. Seine legendäre Entwicklung Z1 gilt als der erste Rechner, der mit binären Zahlen arbeitete, der Urahn heutiger Computer. Dass Kieler-Museum ist stolz auf seinen originalen Zuse-Computer vom Typ Z11, der seine Berechnungen und Speicherungen mit rund 2200 elektrischen Relais erledigte. Ebenso als Original zu sehen ist der Großrechner Z22. Er ist der einzige Röhrenrechner, den die Zuse KG jemals baute – in einer Zeit, in der kaum jemand daran glaubte, dass Computer irgendwann eine nennenswerte weltweite Verbreitung erlangen könnten. So ist der Z22 der Kieler Ausstellung nicht nur ein denkmalgeschütztes Technik- und Zeitdokument, sondern mit dem Design seiner Röhrenfelder, Trommelspeicher und Gehäuse schon optisch so beeindruckend, dass Technikfans ihn vermutlich zum schönsten Rechner des Museums wählen würden.

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