Serviceroboter

In der Servicerobotik liegen Potenziale brach

28.02.2011 | Redakteur: Reinhard Kluger

Er gilt als Vordenker der Servicerobotik: Prof. Paolo Dario aus Italien testet den Einsatz von Servicerobotern bereits im öffentlichen Raum.
Er gilt als Vordenker der Servicerobotik: Prof. Paolo Dario aus Italien testet den Einsatz von Servicerobotern bereits im öffentlichen Raum.

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Noch gelten sie als teuer, bald aber sollen sie vermehrt in Anwendungen ihren Platz finden: Serviceroboter können die unterschiedlichsten Aufgaben übernehmen und arbeiten immer preiswerter.

Dass die Servicerobotik unter wirtschaftlichen Aspekten an Dynamik gewinnt, zeigt ein Blick auf das Programm der 4. Schunk ExpertDays: Neun der 18 Referenten kommen unmittelbar aus der Industrie. So setzt die Polysius AG auf ein vollautomatisches Laborautomationssystem zur Qualitätssicherung im Zementherstellungsprozess. Die Audi AG forscht intensiv an Servicerobotern für die Teilekommissionierung in der Automobilindustrie, die Harris Corp. nutzt Serviceroboter zur Bombenentschärfung und die Infineon Technologies AG überwacht mit Hilfe von Servicerobotern die Luftqualität in Reinräumen.

Gezielt für Anwendungen konstruieren

Zu häufig, so Professor Dr. Henrik I. Christensen, Inhaber des Robotiklehrstuhls „KUKA Chair of Robotics“ an der Technischen Hochschule Georgia Tech in Atlanta, sei bei bisherigen Entwicklungen der Markt ignoriert worden. Lösungen seien zwar technologisch ausgereift, für reelle Anwendungen jedoch schlicht zu teuer. Er plädiert daher für einen Wechsel von der technologiegetriebenen Forschung hin zu markt- und preisorientierten Entwicklungen. Wenn Kostendimensionen eingehalten würden, so Christensen, könnten Serviceroboter ihre Märkte umfassend erschließen. So seien für Haushaltsroboter 200 bis 300 $ realistisch, im Gesundheitswesen liege die Kostengrenze bei rund 10.000 $. Ebenso bedeutend seien anwender- beziehungsweise verbraucherorientierte Schnittstellen, über die sich die Roboter auch von Robotik-Laien bedienen ließen. Zudem empfiehlt er, Serviceroboter gezielt für spezielle Anwendungen zu konstruieren. So müsse im Gesundheitswesen der Fokus eher auf Manipulation und Navigation gelegt werden, in der Logistik hingegen seien Zykluszeiten kleiner 6 s sowie robuste und flexibel einsetzbare Greifer wichtig.

Wertschöpfung in der Systemintegration

Standardisierte Plattformen und Komponenten tragen dazu bei, sowohl wirtschaftlich als auch qualitativ ausgereifte Lösungen zu entwickeln. Das gilt für Leichtbauarme oder flexibel einsetzbare Greifer ebenso wie für mobile Plattformen oder Steuerungen. Verbindliche Standards, von der ISO-Norm, über die CE-Kennzeichnung bis hin zu nationalen Standards, wie sie derzeit in Südkorea entwickelt werden, sollen den Marktzugang für Serviceroboter erleichtern. Nach Ansicht von Prof. Alois Knoll von der Technischen Universität München seien zudem Systemintegratoren erforderlich, die auf einzelne Anwendungsgebiete spezialisiert sind. Sie sollen künftig die Lücke zwischen Hersteller und Anwender schließen. Seiner Ansicht nach steckt in der Systemintegration ein erheblicher Teil der Wertschöpfung, so dass die Funktion des Systemintegrators wirtschaftlich höchst interessant sein kann.

Der Roboter wird zum Click-Worker

Und es gibt auch visionäre Ansätze, so der von Dr. Amos Albert von der Robert Bosch GmbH. Er sieht ein erhebliches Potenzial in teilautonomen Servicerobotern. Fehlt ihnen eine eigene Lösungsstrategie, können sie von einem zentralen Support unterstützt werden. Sogenannte „Click-Worker“ ließen sich ähnlich einem Call-Center organisieren. Sie schalten sich bei Bedarf auf den Roboter auf, lösen das Problem und entlassen den Roboter anschließend wieder in seine Autonomie. Noch weiter geht ein Konzept von Dr. Markus Waibel von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Er forscht an einem zentralen Wissensspeicher, in dem unzählige Daten, Modelle, Anwendungen und Programme hinterlegt sind, die Roboter bei Bedarf selbständig abrufen können. Der Gedanke dahinter ist verblüffend einfach: Sämtliche angeschlossenen Roboter, Entwickler und Systemintegratoren nutzen gemeinsam einen Pool mit erfolgreichen Lösungsstrategien und stellen ihrerseits selbst entwickelte Strategien in das System ein.

 

Die 5. Schunk ExpertDays finden vom 19. 2. bis 1. 3. 2012 statt

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