Maschinensicherheit

Industrie 4.0 verändert die Anforderungen an die Maschinensicherheit

| Redakteur: Jan Vollmuth

Was bedeutet Industrie 4.0 für die Maschinensicherheit? Experten diskutierten die Auswirkungen für Funktionale Sicherheit, Normung und Sicherheitstechnik.
Was bedeutet Industrie 4.0 für die Maschinensicherheit? Experten diskutierten die Auswirkungen für Funktionale Sicherheit, Normung und Sicherheitstechnik. (Bild: Vogel Business Media / Johannes Untch)

Am runden Tisch diskutieren ein Anwender, ein VDMA-Normenexperte und ein System-Entwickler mit Fachleuten von ABB, welche Auswirkungen aktuelle Technologieentwicklungen für die Maschinensicherheit haben.

„Funktionale Sicherheit ist immer ein Thema“, so stellt Sebastian Franz gleich zu Beginn der Roundtable-Diskussion klar. Er leitet die Konstruktion bei der KBA-Notassys AG in Würzburg, einem Hersteller von Maschinen für den Druck unter anderem von fälschungssicheren Banknoten. Dabei kann Sebastian Franz auf ein umfangreiches Normenwerk rund um das Thema Maschinensicherheit zurückgreifen. „Die ISO 12100 ist sicherlich die Bibel für das Thema Maschinensicherheit, auf dieser Grundlagennorm basiert auch die ISO 13849“, so Dr. Gerhard Steiger, seit elf Jahren Leiter der Abteilung Normung beim VDMA. „Zudem haben wir aber auch die IEC 61508, aus der dann für verschiedene Anwendungsbereiche wie Maschinenbau oder Prozessindustrie entsprechende Normen abgeleitet wurden, wie zum Beispiel die IEC 62061.“

Kommunikation zwischen Maschinen im Mittelpunkt

Doch mit der Diskussion rund um Industrie 4.0 ändern sich die Voraussetzungen für die Maschinensicherheit und ihrer Normung: „Bisher war es in der Regel so, dass es sich bei der Sicherheitstechnik um autarke, in sich geschlossene Systeme handelte“, so Sven Glöckler, Segment Manager Maschinenbau bei ABB Stotz-Kontakt in Heidelberg. „Mit der Industrie 4.0 steht aber die Kommunikation zwischen Maschinen und über Unternehmensgrenzen hinweg im Mittelpunkt. Hinzu kommt eine steigende Flexibilität von Produktionsanlagen.“ Als Beispiel nennt er die Möglichkeit des Format Change und damit auch Recipe Change, bei dem durch den Austausch eines Anlagen- oder Maschinen-Moduls eine andere Produktvariante gefertigt werden kann.

Spezifische „Typ C“ Normen stoßen hier an ihre Grenzen, so Dr. Steiger: „Bei maschinenspezifischen Normen wird es schwierig, wechselnde oder während der Entwicklungsphase noch unbestimmte Konstellationen abzudecken.“ Doch genau das ist für den Maschinenbauer wichtig, wie Sebastian Franz betont: „Wir fertigen unsere Maschinen in Baureihen. Für die jeweiligen Kunden werden dann Optionen an den einzelnen Anlagen ergänzt. Das hat auch Auswirkungen auf die Sicherheitstechnik, denn sie muss eventuell entsprechend neu konfiguriert werden.“

Schutz vor Hackern

Außerdem, so ergänzt Franz, müssen die Druckmaschinen unter Umständen auch aus der Ferne „upgedatet“ werden, also neue Projekte hochgeladen oder die Sicherheitsfunktionen aktualisiert werden. „Wir diskutieren dazu gewisse Ansätze: Zum Beispiel könnten wir eine Sicherheitssteuerung über eine VPN-Verbindung neu laden. Ein Inbetriebnehmer vor Ort könnte dann explizit noch einen Zustimmungsschalter im Schaltschrank drücken, um die upgedatete Steuerung scharf zu schalten.“ So ließe sich nicht nur sicherstellen, dass das richtige Projekt am richtigen Ort aufgespielt wird, sondern man hätte auch einen wirkungsvollen Schutz, falls jemand sich in die VPN-Leitung gehackt hätte.

Eine Maßnahme, die auch ABB-Fachmann Glöckler sinnvoll findet: „Es sind immer wieder die gleichen Motivatoren, die unsere Kunden und damit auch uns voran treiben, nämlich Flexibilität, Effizienz, Time to Market. Nur so können Use Cases wie Condition Monitoring, Traceability, Parameterization, Recipe Changes, Format Changes, Predictive Maintenance und damit auch Preventive Maintenance bedient werden. Genau das sind die Use Cases im Sinne von Industrie 4.0. Und ohne sinnhafte Use Cases wird die technische Evolution nur schleppend voranschreiten. Man darf sich jedoch nicht nur über das Können Gedanken machen, sondern man muss auch über das Dürfen nachdenken. Die Sicherheits-SPS Pluto von ABB verfügt zwar bereits über ein Optionshandling, bei dem benötigte Optionen an- oder abgewählt werden können. Doch stellt sich die Frage, wer das darf und kann.“

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