Antriebsautomation

Überwachung und Fernsteuerung macht MTU-Schiffsantriebe effizienter

07.08.12 | Autor / Redakteur: Dr. Stefan Ihmor, Cornelius Müller / Wolfgang Leppert

Ob Yachten oder Arbeitsschiffe: Von einer neuen Automatisierungsplattform können alle MTU-Schiffsantriebe profitieren.
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Ob Yachten oder Arbeitsschiffe: Von einer neuen Automatisierungsplattform können alle MTU-Schiffsantriebe profitieren.

 Blue Vision New Generation ist ein Automatisierungssystem für Antriebsanlagen von Yachten und Arbeitsschiffen mit MTU-Motoren, das in einer einfachen, nicht-klassifizierbaren (Basic) sowie einer erweiterten, klassifizierbaren Version (Advanced) verfügbar ist. In einer späteren Ausbaustufe folgt eine umfangreichere Premium-Version.

Die Verschiedenartigkeit von Kunden und Märkten in der Schiffsautomation steht scheinbar in Widerspruch zu Themen wie einem produktlinien-übergreifenden Einsatz von Geräten oder einem Gleichteilekonzept auf der Ebene von Baugruppen oder Bauteilen. Produktabkündigungen bei Elektronikbauteilen finden heute deutlich vor Ende des Produktlebenszyklus statt, manchmal sogar noch während der Prpoduktentwicklung selbst. Eine weitere Herausforderung ist der Einsatz komplexer Technologien und umfangreicher Entwicklungsprozesse auf aktuellem Stand der Technik bei gleichzeitiger Verfügbarkeit über viele Jahre. Zugleich steigen die Anforderungen durch die Klassifikationsgesellschaften nicht nur an die Qualität der Produkte, sondern auch an die zugehörigen Entwicklungsprozesse.

Diesen Trends folgend hat die Tognum-Tochter MTU Friedrichshafen eine neue Technologieplattform für MTU-Automationssysteme geschaffen: MCS-6 – das Monitoring and Control System der sechsten Generation. Es löst die bisherige Automationsplattform MCS-5 ab, ein seit 20 Jahren bestehendes modulares Baukastensystem. Der Fokus liegt dabei auf hochspezialisierten Komponenten, die in Kombination mit Commercial-off-the-Shelf-Produkten (COTS) zu einer modularen und skalierbaren Lösung werden. MCS-6 definiert anwendungsübergreifende Eigenschaften, die besonders die Schnittstellen und Software betreffen. Eine effiziente Wiederverwendung von Software einschließlich deren Testfälle auf Basis von Testfall-Bibliotheken als qualitätssichernde Maßnahme spielt hier ebenso eine Rolle wie das dezentrale Projektieren von Anlagen.

Alle Parameter sind zukunftssicher ausgelegt

Die von MTU entwickelten Geräte der Plattform MCS-6 werden anwendungs- und kundenspezifisch ausgelegt. Bei den Umweltbedingungen wie Temperaturen, elektromagnetische Verträglichkeit oder Schock erfüllen alle Kernkomponenten die Maximal-Anforderungen, um produktübergreifend einsetzbar zu sein. Und für die langjährige Verfügbarkeit wurde Wert auf ein durchgängiges Gleichteile- und Ersatzteilkonzept gelegt. Anwendungsspezifische Peripherie-Komponenten wie Fahrhebel und Instrumente werden, wo sinnvoll, zugekauft und über Standardschnittstellen angebunden. Neben der bewährten CAN-Bus-Technologie wird Ethernet als Standard für die Daten-Kommunikation und Servicetätigkeiten eingesetzt. Eine vorkonfektionierte Plug-and-Play-Verkabelung reduziert Inbetriebnahmezeiten und minimiert Verkabelungsfehler.

Als Open Architecture erlaubt MCS-6 das Hinzufügen, den Upgrade sowie den Austausch von Komponenten. Schlüsselfaktoren dazu sind standardisierte Schnittstellen sowie ausreichend Leistungsfähigkeit zur Erweiterung des Systems. Einheitliche Software-Schnittstellen erleichtern die Portierung von Code und beschleunigen die Integration von Zukauf-Software. Einheitliche Kommunikations-Schnittstellen wiederum ermöglichen den Austausch ganzer Komponenten, etwa bei Produktabkündigungen. Und einheitliche mechanische Schnittstellen erlauben es, noch im Feld ein Upgrade der Produkte durchzuführen.

Der erste Schritt gehört dem Antrieb

Blue Vision New Generation ist der erste Vertreter der neuen Technologiegeneration MCS-6 mit Fokus auf das Automationssystem für die Antriebsanlage von Schiffen. Mittelfristig werden die MTU-Automationssysteme für alle Anwendungen auf MCS-6 umgestellt. Blue Vision New Generation mit MTU-Motoren der Baureihen 2000 oder 4000 wird in mehreren Schritten eingeführt, ersetzt in der ersten Phase die Produkte Smartline sowie Blueline und verfügt über folgende Eigenschaften: Überwachung der Antriebsanlage auf Fahrständen und lokal (Motor, Getriebe sowie antriebsspezifische Peripherie); Steuerung der Antriebsanlage auf Fahrständen und lokal (Motor und Getriebe); 1 bis 4 Wellen; 1 bis 6 Fahrstände; Festpropeller; Schnittstelle für Fernsteuersysteme von Fremdherstellern; klassifizierbar. Das Paket besteht aus einem Monitoring Control- und einem Remote Control-System, wird durch ein Engineering-System projektiert und ist über Schnittstellen mit dem Engine Control-System, dem Getriebe- und dem Vortriebssystem sowie den Hilfssystemen verbunden.

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Diese Vorteile verspricht Blue Vision New Generation

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