Schiffbau- und Offshore-Zulieferer

Mit Systemkompetenz zu energieeffizienten Lösungen

20.08.12 | Redakteur: Wolfgang Leppert

Optimistischer Blick nach vorn: die Vorstandsmitglieder der VDMA-Arbeitsgemeinschaft Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie (von links) Prof. Gerhard Jensen, Christoph Daum und Dr. Christian Schliephack
Bildergalerie: 7 Bilder
Optimistischer Blick nach vorn: die Vorstandsmitglieder der VDMA-Arbeitsgemeinschaft Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie (von links) Prof. Gerhard Jensen, Christoph Daum und Dr. Christian Schliephack

Ein Umsatzplus von zuletzt vier Prozent sowie steigende Auftragseingänge verbessern die aktuelle Produktionsauslastung der deutschen Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie. Dabei passen sich die Unternehmen permanent besser an die neuen Anforderungen veränderter Märkte an.

„Wir sind auf den Weltmärkten erfolgreich aktiv, indem wir neue Kundengruppen und Marktsegmente erschließen. Während unsere Stammkunden momentan sehr wenig im Schiffsneubau ordern, verzeichnen wir mehr Aufträge im Offshore-Markt, aber auch im Retrofit-Bereich und im Service“, so Dr. Christian Schliephack, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der VDMA-Arbeitsgemeinschaft Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie. Insgesamt sei die Fertigung in den meisten Betrieben 2011 wieder gut ausgelastet gewesen, was die gesteigerte Produktion verdeutliche. Die Unterschiede in den einzelnen Unternehmen seien dabei aber sehr groß, je nach Abhängigkeit von einzelnen Teilmärkten. Der Personalbestand konnte gehalten werden.

Die Branche erwartet dem Verband zufolge eine langsame aber stetige Erholung der Auftragslage insgesamt; im Handelsschiffbau sollen die nächsten Jahre allerdings schwierig bleiben. Die neu und flexibel gesetzten Schwerpunkte in den Bereichen F+E, Service und Vertrieb hätten dagegen ihre positive Wirkung gezeigt. Gleichzeitig werde aber der globale Wettbewerb stärker. "Wir müssen die neuen sowie auch die traditionellen Marktsegmente ausbauen und die Kunden durch unsere Verlässlichkeit und Schnelligkeit überzeugen“, erläutert Dr. Schliephack. „Qualität ist gut, das ist aber kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Der Kunde verlangt Lieferanten mit Lösungs- und Systemkompetenz sowie kurzen Reaktionszeiten." Während die Absatzmärkte im Offshore-Segment so noch viel Potenzial für die deutsche Zulieferindustrie böten, sei im Schiffbau der enorme Preisdruck bei immer kürzeren Lieferzeiten eine große Herausforderung.

Aus eigener Kraft zu neuen Ufern

2011 erwirtschaftete die Branche mit rund 70.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 11,5 Mrd. Euro, das sind vier Prozent mehr als im Vorjahr. Die Exportquote lag bei 71 Prozent. Die Auslastung in der Produktion hat sich wieder verbessert, Kurzarbeit ist in den meisten Betrieben Vergangenheit. Das Offshore-Zuliefergeschäft im Öl- und Gas-Markt war von den Umsatzschwankungen nicht betroffen: Hier setzte sich das zweistellige Wachstum der vergangenen Jahre unvermindert fort.

Nach dem dramatischen Rückgang der Schiffbauaufträge ab Oktober 2008 und dem Einbruch bei den Zulieferern 2009 stiegen die Auftragseingänge nun wieder um sechs Prozent (2010 plus 8 Prozent). Daraus schließt der VDMA auf eine stabile Geschäftsentwicklung 2012 insgesamt. Die Branche habe die tiefgreifende Schiffbaukrise bisher gut bewältigt und zeige sich daher sehr zuversichtlich, auch mögliche künftige Störungen aus eigener Kraft überwinden zu können.

Neben den langsam zunehmenden Aufträgen aus den etablierten Märkten haben die Unternehmen schwerpunktmäßig neue Exportmärkte erschlossen. Dabei rücken neben den großen drei asiatischen Schiffbau-Nationen China, Korea und Japan neue Wachstumsregionen in den Vordergrund – beispielsweise Brasilien und Russland, deren Wachstum auf der Nachfrage aus dem Öl & Gas-Segment basiert.

China und Korea bleiben die größten Exportmärkte

Dr. Christian Schliephack, VDMA: "Der Kunde verlangt Lieferanten mit Lösungs- und Systemkompetenz sowie kurzen Reaktionszeiten."
Dr. Christian Schliephack, VDMA: "Der Kunde verlangt Lieferanten mit Lösungs- und Systemkompetenz sowie kurzen Reaktionszeiten."

Weltweit wurden im vergangenen Jahr 1940 Seeschiffe bestellt (Vorjahr 2523), davon 554 (928) in China, 351 (464) in Südkorea, 327 (385) in Japan, 42 (21) in Brasilien, 44 (38) in Russland sowie 173 (173) in der EU-27, davon wiederum 12 (21) in Deutschland. Dementsprechend war der Auftragsbestand 2011 an Schiffen weltweit von 7822 auf 6859 zurückgegangen. Die Auslandsgeschäfte der deutschen Zulieferer verteilen sich zu 38 Prozent auf Asien (+3) und zu 32 Prozent auf das europäische Ausland (-1). China ist mit 22 Prozent (+1) der Exporte größter Auslandsmarkt, vor Korea mit 10 Prozent (+1).

Sehr genau beobachtet die Branche die Bestrebungen in Asien und Südamerika, eine eigene Zulieferindustrie auszubauen. Ziel deutscher Zulieferer ist deshalb, den vorhandenen Vorsprung im technischen und logistischen Bereich zu halten und durch Innovationen weiter auszubauen. Dabei wird der Know-how-Schutz zunehmend wichtiger, auch innerhalb von Kooperationen mit lokalen Partnern – nicht nur in Asien.

Inhalt des Artikels:

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 34472050) | Archiv: Vogel Business Media