Größe ist kein Kriterium

Netzwerke und Ressourcen in der Mechatronik noch stärker bündeln

23.11.2009 | Autor / Redakteur: Reinhard Kluger / Reinhard Kluger

Unter der Moderation von Prof. Dr.-Ing Klaus Feldmann diskutierten vier Experten auf dem Clustertreffen in Nürnberg das Thema Mechatronik und Automation. Ihr Fazit: Um mechatronische Systeme optimal einsetzen zu können, sollte man Partnerschaften eingehen, Clustertreffen nutzen und Netzwerke noch stärker bündeln. Gemeinsam ist man schneller im globalen Wettbewerb.

Mechatronik fasziniert. Nicht nur, weil sie als Wachstumsbranche der Zukunft gilt, sondern auch, weil man mit der Kombination aus Maschinenbau, Elektronik und Informationstechnologie die Produkte von morgen fertigen kann – schneller und damit preiswerter. Für Professor Klaus Feldmann ist das Handy ein gutes Beispiel. Verglichen mit der Wählscheibenversion lässt es sich zu 90 Prozent automatisiert herstellen. „Mechatronik vereinfacht die Fertigungsautomatisierung“, sagt der Sprecher des Clusters Mechatronik & Automation.

Welches Potenzial man mit Mechatronik heben kann, welche hervorragenden unternehmerischen Perspektiven sich bieten, Dr.-Ing. Rolf Pfeiffer, Geschäftsführender Gesellschafter, Deprag Schulz GmbH & Co., Amberg, bringt sie auf den Punkt: „Mehr denn je wird der künftige Markterfolg für unsere Serienprodukte davon abhängen, wie gut es uns gelingt, die Integration von bewährter und ausgereifter Mechanik mit innovativer Elektronik zu gestalten.“ Deprag produziert rein mechanisch arbeitende Druckluftwerkzeuge, in die man immer mehr elektronische Komponenten einbaut, um die Werkzeuge intelligenter zu machen. Dr. Pfeiffer: „Aus dieser intelligenten Verknüpfung entstehen völlig neue Produkteigenschaften mit einer Reihe von Alleinstellungsmerkmalen.“

Stark auf Mechatronik setzt Siemens und erklärt mit dem Einsatz dieser Technik seinen Erfolg in mechatronischen Systemen, wie Windkraft, Energie, Medizin und Antriebe. Dr.-Ing. Siegfried Russwurm, Mitglied des Vorstands, Leiter Corporate Human Resources und Arbeitsdirektor der Siemens AG, München: „Wir setzen auf das Thema – sowohl als Anwender als auch als Innovationspartner mit unseren mechatronischen Automatisierungs- und Antriebslösungen. Für ihn bietet die Mechatronik besondere Perspektiven für die Automation. So ließe sich die komplette Wertschöpfungskette durchgängig digital simulieren: „ ... von der virtuellen Idee bis zum fertigen Produkt.“

Letztendlich kommt man allein mit Mechanik, Elektronik und Informationstechnik nicht aus. Man muss weitere Funktionsbereiche in mechatronische Systeme integrieren, wie Optik und Fluidtechnik, rät Prof. Jörg Franke, Inhaber des Lehrstuhls für Fertigungsautomatisierung und Produktionssystematik (FAPS), Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), Erlangen. Seine Sicht ist, dass die unterschiedlichen Domänen meist jedoch auf separate funktionstragende Komponenten verteilt werden, die dann in getrennten Prozessen entwickelt und gerfertigt werden. „Mechatronische Produkte entstehen damit erst in der Montage“, sagt Professor Franke: „Um weitere Potenziale zur Verbesserung der Produktfunktion und zur Steigerung der Herstellungseffizienz zu erschließen, müssen die beteiligten Funktionsbereiche über den gesamten Produktlebenszyklus integriert bearbeitet werden.“

Als Königsklasse in der Mechatronik sehen sich die Hersteller von Robotern. Kräftig investieren sie in diese Disziplin, erwartet man hier doch für die Zukunft noch rasantere Weiterentwicklungen als schon in der Vergangenheit. Manfred Gundel, Vorsitzender der Geschäftsführung, KUKA Roboter GmbH, Augsburg, forciert bei Forschung und Entwicklung vehement den Bereich Mechatronik: „Im Bereich Industrierobotik legen wir momentan die Schwerpunkte auf die Bereiche Mechanik und Steuerungen. Es wird in der Industrie künftig auch um das Thema Barrierefreiheit und Assistenz bei Produktionsaufgaben gehen. Dabei setzen wir auf die in Zukunft besonders relevante Thematik Safetechnologie. Hier arbeiten wir intensiv an wegweisenden Lösungen für eine bessere Mensch-Maschine-Interaktion.“ Laut einer Statistik der International Federation of Robotics wird der Markt der Serviceroboter deutlich stärker wachsen als für Industrieroboter. Eine Entwicklung, die KUKA wesentlich mitbestimmen will. „Ein wichtiger Schritt war die Entwicklung des Leichtroboters aus CFK. Das Ziel: Ein leichter Roboter benötigt weniger Bewegungsenergie und ist für den Menschen auch eine geringere Gefahr. Die Sicherheitstechnik ist die Brücke von der Industrie- zur Servicerobotik. Wir werden den eingeschlagenen Weg weiterverfolgen“, beschreibt Manfred Gundel den Weg in die KUKA-Zukunft.

Wer immer auf Mechatronik setzt, die Erfahrungen zeigen, dass er dies meist nicht im Alleingang schaffen kann. Kooperationen helfen, Synergien zu nutzen. Auch die Großen stemmen das nicht immer allein. Man sollte dabei offen sein für Partner, die ihren eigenen Mehrwert mitbringen, rät Siegfried Russwurm. Der Siemens-Manager weiß: „Größe ist kein Kriterium, gemeinsam ist man schneller im globalen Wettbewerb.“ Für ihn sind Clustertreffen eine gute Gelegenheit neue Partner kennzulernen: „Cluster weiter pflegen“, sein Tipp. Auch Professor Jörg Franke nutzt den Cluster als Katalysator. Sein Lehrstuhl für Fertigungsautomatisierung kooperiert gern mit Industrieunternehmen: „Forschung im Elfenbeinturm gilt nicht mehr.“ Auf gute Partnerschaft setzt Manfred Gundel. Sein Modell beschreibt der Kuka-Manager mit drei Schritten: „Lösung für den Kunden suchen, Realisierung mit Partnern, Zusammenarbeit mit Hochschule.“ Dabei gelt es, die Kompetenz in „unserem Umkreis zusammenzuführen.“ Beim Thema Kooperation will auch Dr. Rolf Pfeiffer nicht in die Ferne schweifen: „Wir müssen auf vorhandene Ressourcen zugreifen, wir müssen die Netzwerke noch stärker bündeln.“

Netzwerke und Ressourcen in der Mechatronik noch stärker bündeln

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