Open Source

Sercos goes Linux und ermöglicht innovative Automation mit Industrial Ethernet

08.05.2009 | Autor / Redakteur: Daniel Grimm / Reinhard Kluger

Sercos International will eine Treiber-Bibliothek für Sercos III unter Open Source-Bedingungen zur Verfügung stellen
Sercos International will eine Treiber-Bibliothek für Sercos III unter Open Source-Bedingungen zur Verfügung stellen

Eine kleine Revolution erreicht den Maschinenbau: Open Source Software hat den Computer-Markt aufgewirbelt, weil kostenlos verfügbare und für jeden einsehbare Programme qualitativ mit kommerziellen Angeboten konkurrieren können. Ist diese Idee angesichts der harten Anforderungen auf Lösungen für die Industrieproduktion übertragbar? Erste Angebote wollen den Beweis dafür antreten.

Als der finnische Student Linus Torvalds am 17. September 1991 ein Projekt veröffentlichte, an dem er seit ein paar Monaten aus Spaß gearbeitet hatte, konnte er nicht ahnen, welche Ausmaße es annehmen würde. Eigentlich wollte er nur ein Feedback von anderen Programmierern und fragte, welche Wünsche die Benutzer hätten. Aus dem Hobby wurde Linux, ein Betriebssystem, das die Gesetze des Computermarktes auf den Kopf stellte. Linux ist kostenlos, wird von tausenden Experten weiterentwickelt und ist völlig offen. Jeder Benutzer kann den kompletten Code einsehen; er darf und soll Änderungen vornehmen, solange diese bei Weitergabe der Software offengelegt werden. Damit werden Verbesserungen und Erweiterungen wieder der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt.

Die Idee der Open Source Software, bei der nicht ein Hersteller die technischen Grundlagen als Geschäftsgeheimnis behandelt und alleine für die Verbesserung und das Funktionieren verantwortlich ist, hat auf viele Bereiche übergegriffen. Datenbanken, Web-Browser, Textverarbeitungen, Programmierumgebungen, Content-Management-Systeme und E-Mail-Programme sind als Open Source verfügbar. Und sie können qualitativ mit kommerziellen Lösungen mithalten, weil die Gemeinschaft im offenen System Fehler schneller findet und Innovationen aus Eigeninteresse vorantreibt.

Kostenfreie Software als Basis für eine Industrie

Trotz der nachweisbaren Erfolge, die Branchengrößen wie IBM, SAP oder Intel dazu gebracht habe, Open Source Projekte offiziell zu unterstützen, bleiben berufliche Anwender oft skeptisch. Zum einen wegen der Haftungsfrage. Da es keinen offiziellen Hersteller gibt, gibt es auch niemanden, an den man sich formal bei Problemen wenden kann. Diese Lücke schließen Dienstleister, die auf Basis der kostenlosen Software Lösungen anbieten und für das Funktionieren auch eintreten. Zum anderen wird befürchtet, dass eine Gruppe von Freiwilligen das Interesse an ihrem Hobby auch verlieren kann. Dann stünde ein kommerzieller Anwender vor einem Problem, wenn er auf die Technologie angewiesen ist. Diese Befürchtung ist allerdings inzwischen weitgehend gegenstandslos; denn viele Projekte werden überwiegend von angestellten Ingenieuren betreut. Im Falle von Linux ist dies bei über 95 Prozent der Entwickler der Fall.

Carsten Emde vom Open Source Automation Development Lab (OSADL) kennt diese Bedenken. OSADL ist eine eingetragene Genossenschaft, die Open Source Software im Maschinenbau und in der Fabrikautomation fördern und koordinieren möchte. „Anwender und Hersteller haben einen extrem ausgeprägten Qualitätsanspruch“, sagt Carsten Emde, „wir sprechen von Anlagen, die rund um die Uhr fehlerfrei funktionieren müssen. Das ist nicht nur eine Frage der Profitabilität der Maschinen, sondern auch der Sicherheit der Mitarbeiter und Erzeugnisse.“

Allgemeingut vs. kommerzielle Interessen

Doch genau das spricht laut Emde für den Einsatz von Open Source Software: „Das Linux-Betriebssystem weist eine bisher unerreichte Qualität und Stabilität auf. Grund dafür ist unter anderem die Open Source Softwarelizenz und die dadurch bedingte große Anzahl an Entwicklern und Testern.“ Fortschritte sind nicht von den Ressourcen eines einzigen Unternehmens abhängig. Denn wer die kostenlose Software einsetzt, verpflichtet sich umgekehrt, seine Innovationen offenzulegen und damit anderen Nutzern zur Verfügung zu stellen. Das erscheint zunächst wirtschaftlichen Interessen zu widersprechen, weil kommerzielle Unternehmen auf das geistige Eigentum an ihrer Arbeit verzichten sollen. Tatsächlich überwiegt aber der Nutzen der gemeinschaftlichen Arbeit die Kosten und Risiken. Denn wenn jeder sein eigenes Autobahnnetz baut, ist der Gesamtaufwand höher als bei einem Gemeinschaftsprojekt, auch wenn die Konkurrenz dabei notwendigerweise über Abschnitte fahren muss, die sie nicht selbst gebaut hat.

Inhalt des Artikels:

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 301289 / Feldkommunikation)