Appstore der Industrie

Service statt Maschinenbau?

| Autor / Redakteur: Robert Weber / Robert Weber

Lernen von Apple? Die Industrie sucht nach neuen Geschäftsmodellen. Ein Appstore für die Blechverarbeitung könnte funktionieren, meinen Experten.
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Lernen von Apple? Die Industrie sucht nach neuen Geschäftsmodellen. Ein Appstore für die Blechverarbeitung könnte funktionieren, meinen Experten. (Bild: PhotoAtelier unter CC BY 2.0, Flickr.com)

Peter Leibingers Ideen für den Maschinenbauer Trumpf elektrisieren die Branche. Der schwäbische Konzern will nicht als Hardware-Hersteller marginalisiert werden. Wissenschaft und Berater unterstützen den Kurs des Unternehmens.

Rückblick: In einem Interview mit der Deutschen Presse Agentur skizzierte Leibinger Szenarien für den Maschinenbauer Trumpf. Von einer Cloud-Anwendung war die Rede und von einem Appstore für die Blechbearbeitung.

Aus den Visionen könnten Pläne entstehen, denn Berater und Wissenschaftler sehen durchaus Marktpotentiale. „Ehrlich gesagt hat mich die Story nicht überrascht. Ich dachte, dass die Unternehmen schon weiter sind“, gibt Prof. Dr. Ralph Sonntag von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden zu. Er forscht auf dem Gebiet Multimedia-Marketing. „Wenn sich diese Idee durchsetzt, wird Trumpf in einigen Jahren kein Maschinenbauer mehr sein, sondern ein auf Softwarekompetenz aufbauender Service-Anbieter. Da stecken Geschäftsmodelle drin, die heute noch in kein Raster passen, die aber sicher kommen werden“, ist Dr. Mathias Döbele von der Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner GmbH aus München überzeugt. Sonntag schränkt ein: „Die Chance ist hier, sich als Komplettdienstleister zu positionieren.“ Er sieht das Risiko vor allem darin, dass das Unternehmen möglicherweise eigene Geschäftsmodelle nicht kritisch genug hinterfragt. Aus Sicht der Berater muss vor allem der Kunde anspringen. „Es bedarf einer breiten Akzeptanz aller Teilnehmer einer solchen Multisided-Plattform.“ Beide Experten sind sich aber einig, dass die Entwicklung in der Industrie in diese Richtung gehen wird. „Es ist auf jeden Fall das Geschäftsmodell der heutigen und der nahen zukünftigen Zeit“, fasst Sonntag zusammen.

Keine Nachteile für die Trumpf-Wettbewerber

Allerdings braucht die Industrie mehr Zeit. „Das Sicherheitsrisiko oder die Haftungsansprüche sind deutlich höher als wir das aus der Welt der Smartphones kennen“, mahnt Döbele, dessen Arbeitgeber zusammen mit dem Frauhofer IPA die Studie „Geschäftsmodellinnovationen durch Industrie 4.0 im Maschinen- und Anlagenbau“ veröffentlichte.

Der Unternehmensberater hat für Leibingers-Idee auch noch einen Tipp: Die Plattform sollte offen sein. Das heißt, auch ein Wettbewerber von Trumpf darf keine Nachteile, sondern nur Vorteile haben, wenn er sich an der Plattform beteiligt. „Das ist das wichtigste, damit steht und fällt der Erfolg dieses Appstores.“ Denn: „Der Kunde schafft sich sowieso Transparenz, also wählt er die Plattform mit den geringsten Transaktionskosten“, ergänzt der Wissenschaftler Sonntag. Doch wie können Trumpf-Wettbewerber in einen Appstore der Blechbearbeitung eingebunden werden, wo muss der Anreiz liegen? „Das ist relativ einfach. Entweder die Wettbewerber haben einen unternehmerischen Vorteil durch die Teilnahme, der einen eventuellen strategischen Nachteil überwiegt. Oder aber die Kunden fordern die Teilnahme des Wettbewerbers massiv ein, sodass dieser sich nicht entziehen kann. Grundsätzlich muss ein Wettbewerber jedoch sein Geschäftsmodell hinterfragen, wenn sich so eine Plattform durchsetzt. Ansätze wie dieser werden die Branche verändern. Alle Player müssen sich darauf einstellen und sollte entweder mitmachen oder selbst mit einem innovativen Geschäftsmodell aufwarten“,erklärt Döbele.

Trumpfs Vorstoß ist zwar für den Maschinenbau neu, aber in anderen Branchen denken Unternehmen und Wissenschaftler schon seit mehreren Jahren an Cloud-Plattformen für Services oder Software. „Wenn wir die Entwicklung von Salesforce in den letzten Jahren sehen, dann gehe ich davon aus, dass auch andere App-Plattformen entsprechende Nachfrage und Akzeptanz generieren können“, meint Sonntag. Auch die Logistikbranche hat ihre Mall in der Cloud. Die Logistics Mall, mitentwickelt vom Fraunhofer IML aus Dortmund, will seinen Nutzern Softwarebausteine liefern, um Anwendungen schnell und flexibel zu entwickeln oder anzupassen. Mittlerweile engagieren sich 15 Unternehmen in dem virtuellen Einkaufszentrum. Für den Durchbruch der Mall braucht es aber mehr. Doch Sonntag ist optimistisch: „Wenn wir die Entwicklung von Salesforce in den letzten Jahren sehen, dann gehe ich davon aus, dass auch andere App-Plattformen entsprechende Nachfrage und Akzeptanz generieren können.“

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