Kawasaki Robotics

Spezialist für Robotertechnik vereint japanische Technologie und deutsche Mittelstandstugenden

25.09.2009 | Redakteur: Wolfgang Leppert

Handhabungs- und Palettieraufgaben sind eine große Domäne der Roboter von Kawasaki — und ein ideales Feld für neue, zusätzliche Automatisierungsapplikationen

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Als Robotikexperte für kleinere und mittelgroße Industriekunden hat sich Kawasaki Robotics klar positioniert. In der Europazentrale in Neuss denkt und handelt man wie ein echter Mittelständler, profitiert aber auch von der technologischen Vorreiterrolle des japanischen Mutterkonzerns.

Im Mutterland des Roboters tickt die Welt einfach anders. Automaten gelten schon sehr lange eher als nützliche Helfer denn als potenzielle Jobkiller. In keinem anderen Land der Erde ist die Roboterdichte deshalb so groß wie in Japan – dort kommen aktuell 310 Industrieroboter auf 10.000 Beschäftigte in der verarbeitenden Industrie. Ein idealer Nährboden auch für Unternehmen wie Kawasaki, das vor gut 40 Jahren seine ersten Industrieroboter gebaut hat – zunächst auf hydraulischer Basis, denn Servoantriebe gab es noch nicht. Die eigentliche Pionierarbeit folgte dann in den 1980er Jahren, als Kawasaki die ersten elektrischen Roboter auf den Markt brachte.

Viele Boomjahre schlossen sich an, gerade in Japan, die Hersteller wuchsen, die Konkurrenz aber auch. Der Schritt nach Europa lag also nicht fern und manifestierte sich schließlich 1995 mit der Gründung der Kawasaki Robotics GmbH in Neuss als Europazentrale des Mutterkonzerns Kawasaki Heavy Industries. Schließlich ist Deutschland der Schrittmacher am europäischen Robotermarkt.

Fuß zu fassen und eine klare Positionierung zu entwickeln, war zunächst jedoch alles andere als einfach. Verschiedentlich gab es Ressentiments gegen die Zusammenarbeit generell mit Japanern, so wie es etwa bei europäischen Autoherstellern lange als ungeschriebenes Gesetz galt, keine japanischen Roboter einzusetzen. Zugleich wurde und wird das gesamte Geschäft mit dem Hauptabnehmer Fahrzeugbau – überwiegend fernöstlicher Provenienz – direkt von der Mutter abgewickelt. Und schließlich stand der Name Kawasaki hierzulande fast ausschließlich für Motorräder. Der Weg zum Generalisten für industrielle Anwendungen querbeet – also alles außer Autoindustrie – war praktisch vorgezeichnet.

Die Kompetenzgrenzen sind klar abgesteckt

Dabei konzentriert sich Kawasaki Robotics in Europa allerdings auf den mehr oder minder „nackten Roboter“, wie Vertriebsleiter Johannes Rolf erklärt: „Wir bauen keine Anlagen und bieten keine Systeme.“ Vielmehr arbeitet man eng mit Systemintegratoren zusammen, die als Experten für bestimmte Branchen oder Anwendungsfelder eine kundenspezifische Komplettlösung erstellen – mit Industrierobotern von Kawasaki, versteht sich. Dazu gehören auch viele Maschinenbauer, die Roboter in ihre Anlagen integrieren. „Es ist unsere Philosophie, diesen Firmen keinen Wettbewerb zu machen. Deshalb halten wir uns strikt aus dem Anlagengeschäft heraus“, so Rolf. „Aber wir unterstützen die Inbetriebnahme und übernehmen Service und Schulungen, so dass die Anlagen später von den jeweils eigenen Mitarbeitern unserer Partner oder Kunden betreut werden können.“

Vertriebsleiter Johannes Rolf: „Wir unterscheiden uns von anderen Anbietern vor allem dadurch, dass wir keine Anlagen bauen, sondern uns auf den nackten Roboter konzentrieren.“
Vertriebsleiter Johannes Rolf: „Wir unterscheiden uns von anderen Anbietern vor allem dadurch, dass wir keine Anlagen bauen, sondern uns auf den nackten Roboter konzentrieren.“

In Neuss beschäftigen sich aktuell gut 40 Mitarbeiter mit unterstützenden Funktionen wie Applikationsengineering, Machbarkeitsstudien, Robotersimulationen, Vertrieb und Marketing, Schulung und Dokumentation, Service und Ersatzteilgeschäft sowie Wartung und Inbetriebnahmeunterstützung. Zudem laufen in der Europazentrale die Fäden der eigenen Büros in München und Osnabrück, Frankreich und Tschechien, der Niederlassung in Großbritannien sowie europaweit verteilter Distributoren zusammen – wobei das Netzwerk noch weiter ergänzt werden soll. „Wir sind in Europa inzwischen gut aufgestellt“, betont der Vertriebschef. Besonders positiv sei die Entwicklung in Italien, dem zweitgrößten europäischen Robotermarkt sowie in Benelux, Spanien, den skandinavischen Ländern und auch in Russland.

Selbstständige Division bläst zum Angriff am deutschen Robotermarkt

In Deutschland selbst wiederum hat Kawasaki noch reichlich Wachstumspotenzial für sich ausgemacht und auch organisatorisch die Weichen entsprechend gestellt. So wurde 2005 eine neue Vertriebsstruktur etabliert – mit einem eigenständigen, inzwischen achtköpfigen Team. Und Anfang April dieses Jahres wurde die Robotersparte aus dem Bereich Consumer Products und Machinery Company herausgelöst und zur selbständigen Division erhoben. Das stärkt nicht nur das Selbstbewusstsein, sondern signalisiert auch eine höhere strategische Bedeutung im Gesamtkonzern: „Unser Stellenwert ist deutlich gestiegen. Wir sind zugleich aber auch eine deutsche Firma, die hier ihre Steuern zahlt“, betont Johannes Rolf.

Weitere Schubkraft brachte dann 2007 die Einführung etlicher neuer Produkte, wodurch bislang verschlossene Märkte angegangen werden konnten. So verfügt Kawasaki Robotics heute über ein breites Sortiment an Industrierobotern mit Traglasten von drei bis 700 kg und deckt damit wesentliche Einsatzfelder wie Schweiß-, Handhabungs- und Montageanwendungen ab. Ein deutlicher Schwerpunkt liegt dabei auf der Palettiertechnik, „weil wir als einer der ersten Hersteller einen typischen Palettierroboter im Programm hatten und zugleich mit Systemhäusern zusammenarbeiten konnten, die auf diesem Sektor sehr aktiv sind“. Dieser typische Automat braucht nur vier Achsen und ist damit vergleichsweise kostengünstig, was den Robotereinsatz für so manchen Kunden interessant macht. „Pick-and-place-Aufgaben, schnelle Bewegungen bei schweren Lasten – eine unserer großen Stärken“, freut sich der Vertriebsmann.

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