25.01.2012 | Redakteur: Ines Näther

Seit Mitte der Neunziger Jahre lässt ein Kamera-Seilbahnsystem das Fernsehpublikum bei Sport- und Kulturveranstaltungen hautnah am Geschehen teilnehmen. Mit Hilfe von Gustav Schindler Mechatronik bringt CamCat-Systems die Anlagen steuerungs- und antriebstechnisch mit B&R-Technik ins 21. Jahrhundert - und gewinnt durch Modularisierung, Flexibilisierung und Gewichtsersparnis.
Heute finden wir es bereits fast selbstverständlich: Per Fernsehen begleiten wir die Skispringer über den Schanzentisch, die Reiter in Ascot über die Ziellinie und die Balletttänzerinnen auf der Balustrade von Schloss Schönbrunn. Wir schweben durch entlegene Schluchten und über die Gärten und Vorplätze barocker Schlösser. Besser als die Besucher vor Ort sehen wir alle Details und genießen atemberaubende Blickwinkel, in die jene nicht kommen können. Wettergeschützt und in der erste Reihe im eigenen Wohnzimmer nehmen wir hautnah an Sportveranstaltungen oder kulturellen Anlässen teil.
Mit konventionellen Möglichkeiten der Kameraführung könnten uns die Kameraleute diese Bilder nicht liefern. Daher wurde Mitte der 1990er Jahre ein Seilbahnsystem als Träger für ferngesteuerte Kameras entwickelt. Der eigentliche Kameraträger läuft auf zwei Tragseilen und wird mittels eines umlaufenden Zugseiles bewegt. Obwohl sich das CamCat genannte System bereits in der Grundausführung für schnelle Kamerafahrten und unorthodoxe Winkel eignet, entstanden im Lauf der Jahre Varianten für Spitzengeschwindigkeiten von 130 km/h und eine Streckenlänge von 1.000 m, für Vertikalfahrten sowie als 2D-System mit der Möglichkeit, die Kamera gegenüber der Seilebene abzusenken.
Die Kamera kann über den Köpfen des Publikums hinweg fahren und unverstellte Bilder liefern, sie kann an schwer zugänglichen Stellen eingesetzt werden. Billiger als Aufnahmen aus Luftfahrzeugen und besser auch für Nahaufnahmen geeignet als diese, kam CamCat auch für Werbefilme und Kinoproduktionen - etwa zwei der Harry Potter Streifen - zum Einsatz.
An die jeweiligen Produktionsunternehmen vermietet und vor Ort zum Einsatz gebracht werden die portablen, TÜV-zertifizierten Systeme von CamCat-Systems mit Sitz in Rekawinkel nahe Wien. Dieses 2009 von Thomas Schindler und Alexander Brozek gegründete Unternehmen übernahm das Geschäft von Riha und stellte es sowohl kommerziell wie auch technisch auf neue Beine. „Wichtig war, die Anlagen im Zuge einer umfassenden Forschungs- und Entwicklungsoffensive technologisch auf heutigen Stand zu bringen“, sagt CamCat Geschäftsführer Thomas Schindler. „Jetzt wurde die gesamte Steuer-, Regel- und Antriebstechnik aller Systeme neu entwickelt.“
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