Buchtipp

Generation Burnout – Mit Vollgas vor die Wand

03.07.12 | Autor / Redakteur: Dr. Constantin Sander* / Ines Näther

Constantin SanderChange – Bewegung im KopfIhr Gehirn wird so, wie Sie es benutzen.3. Auflage, Januar 2012249 Seiten, zahlreiche Abbildungen.24,80 Euro ISBN-13: 978-3-869800-77-3
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Constantin SanderChange – Bewegung im KopfIhr Gehirn wird so, wie Sie es benutzen.3. Auflage, Januar 2012249 Seiten, zahlreiche Abbildungen.24,80 Euro ISBN-13: 978-3-869800-77-3 (BusinessVillage)

Burnout hat Konjunktur. Es ist mehr als ein psychisches Syndrom und mittlerweile zur Lebensweise einer ganzen Generation geworden, meint Businesscoach und Trainer Constantin Sander und hilft das Dickicht zwischen Banalisierung und Symptombehandlung etwas zu lichten.

Viele Mediziner tun sich mit Burnout schwer. Kürzlich berichtete ein Psychiater in einem großen deutschen Magazin, dass Burnout an sich gar keine Krankheit sei, weil es in keine der internationalen Klassifizierungssysteme passe. Er spricht stattdessen von Erschöpfungs-Depression. Wohl denn, was in keine Schublade passt, wird passend gemacht. Dabei ist Depression nur eine mögliche Ausprägung eines Burnout. Und das Symptom sagt wenig über die Ursachen und gar nichts über die nötige Therapie aus – wenn man mehr als nur Symptome behandeln will.

„Burnout ist eine Kompetenz“

Burnout ist ein Zustand der völligen Erschöpfung, ausgelöst durch permanenten Stress. Es ist eine Folge nicht mehr kontrollierbarer Belastung, eben dann, wenn Menschen Dinge aus dem Ruder laufen. Warnsignale sind körperliche Symptome wie Kopfschmerz, Konzentrationsstörungen, innere Unruhe, das Gefühl des völlig Ausgebranntseins als auch psychische Anzeichen, wie Sinnleere, gepaart mit dem Gefühl des Getriebenseins, so Gunther Schmidt, Arzt für Psychotherapie. Schmidt bezeichnet Burnout allerdings als Kompetenz. Es ist die Kompetenz des Körpers den Stecker zu ziehen, bevor es endgültig zu spät ist. Wir wissen seit langem, dass ein großer Teil der Herz-Kreislauferkrankungen stressbedingte Ursachen haben.

Durchdrehen bis es qualmt

Aber ursprünglich ist Burnout eine Fahrtechnik. Mit durchdrehenden Reifen, bis die qualmen. Danach ist Auswechseln angesagt. Diese Metapher ist recht passend und viel besser als jede medizinische Klassifizierung, finde ich. Wer ständig überdreht, immer auf Hochtouren fährt, der überhitzt irgendwann allerdings nicht nur die Reifen, sondern auch den Motor. Jeder Formel-1-Fan weiß das. Bei uns ist das nicht viel anders. Unser Körper (zu dem auch unser Gehirn gehört) kann auch heißlaufen. Nur auswechseln können wir ihn nicht. Und doch meinen wir, im Zeitalter des Multitasking, die Beschleunigung immer weiter vorantreiben zu müssen. Jede technische Revolution wälzt auch die Anforderungen an uns Menschen um.

Digitale Revolution: Burnout wird zur Lebensweise.

Selbst die digitale Revolution hat sich diesbezüglich nicht gerade als hilfreich erwiesen. Sie führt Dank Internet und Smartphone dazu, dass Menschen immer mehr Online sind, ständig Informationen aufnehmen und austauschen. Unser Körper braucht aber auch Ruhezeiten, in denen er sich wieder regenerieren kann. Bekommt er die nicht, wird Burnout zur Lebensweise.

Gutes Zeitmanagement hilft oft nicht

Gutes Zeitmanagement ist übrigens zu dessen Vorbeugung nicht unbedingt das probate Mittel. Ein effektiver Umgang mit Zeit kann exakt die gegenteilige Wirkung entfalten: Eben noch mehr Aufgaben in noch kürzerer Zeit zu erledigen. Klassisches Zeitmanagement ist ein Tool des Maschinen-Zeitalters, mit dem die Taktung optimiert wird. Aber es dient nicht dazu, auf den eigenen, inneren Takt zu hören. Dieses Gespür haben immer mehr Menschen verloren. Darauf kommt es aber an, wenn wir nicht unsere inneren Ressourcen ausbeuten, sondern unsere Potentiale entwickeln wollen.

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