Niederspannungs-Schaltanlagen

Konfigurations-Software unterstützt das Planen nach DIN EN 61439

23.08.2011 | Autor / Redakteur: Michael Schell, Hans-Robert Koch / Reinhard Kluger

Schaltanlagen, die mit dem Systembaukasten Ri4Power realisiert werden, lassen sich einfach auch gemäß der neuen DIN EN 61439 planen und dokumentieren. Bilder: Rittal

Der Anlagenbauer muss Umdenken: Das erfordert eine neue Normenreihe für Niederspannungs-Schaltanlagen, die vom 1. November 2014 an gilt. Eine Konfigurationssoftware bietet Hilfe. Sie erleichtert dem Planer schon heute das normgerechte Arbeiten.

Der Schutz von Personen und Anlagen spielt bei elektrischen Betriebsmitteln eine große Rolle. Für Niederspannungs-Schaltanlagen war hier seit 1993 die DIN EN 60439, Teil 1, gültig, die jetzt durch die neue Normenreihe DIN EN 61439 abgelöst wird. Die alte Norm darf nur noch während der Übergangsfrist bis zum 1. November 2014 angewendet werden. Es ist also höchste Zeit für Schaltanlagenbauer, die Anforderungen der neuen Norm in ihren Anlagen umzusetzen. Unterstützung dabei bietet die Planungssoftware Power Engineering von Rittal, die jetzt in Version 6.0 erschienen ist.

Neue Norm definiert die Anforderungen klarer

Die bisher gültige DIN EN 60439 unterscheidet zwischen typgeprüften Schaltgerätekombinationen (TSK) und partiell typgeprüften Schaltgerätekombinationen (PTSK). Diese Unterscheidung führte zu Diskussionen, nach welchen Voraussetzungen Schaltanlagen als TSK oder PTSK auf den Markt kommen. Die neue Normenreihe, die aus einem allgemeinen (DIN EN 61439-1) und aus produktspezifischen Teilen (DIN EN 61439-2 bis -6) besteht, soll die Anforderungen klarer definieren. Gleichzeitig entfallen die Begriffe TSK und PTSK und werden durch „PSC-Energie-Schaltgerätekombination“ ersetzt. Die bisher zum Nachweis verwendeten Typprüfberichte werden durch den Bauartnachweis ersetzt.

Das Prinzip der Black Box

In der neuen Norm sind einige konzeptionell neue Ansätze eingeflossen. Dies betrifft unter anderem die Behandlung einer Energie-Schaltgerätekombination (PSC-Power Switchgear Combination). Diese PSC ist nun in einem so genannten Black-Box-Modell dargestellt, deren Schnittstellen explizit definiert werden müssen. Neu dabei ist, dass für alle Stromkreise der tatsächlich erforderliche Strom Inc seitens der Planer vorgegeben wird und der Schaltanlagenhersteller den Nachweis zu erbringen hat, dass die ausgewählte Gerätezusammenstellung unter den Einbaubedingungen in der Schaltanlage (Schutzart, Umgebungstemperatur, Klimatisierung, etc.) den geforderten Strom führen kann. Dabei dürfen die zulässigen Grenzübertemperaturen an den Teilen der Schaltgerätekombination nicht überschritten werden.

Begriff des Herstellers ist neu definiert

Den Begriff des Herstellers definiert die DIN EN 61439 neu: Unterschieden wird nun zwischen dem ursprünglichen Hersteller und dem Hersteller der Schaltgerätekombination. Der ursprüngliche Hersteller ist dabei definiert als: „Organisation, die die ursprüngliche Konstruktion und den zugehörigen Nachweis der Schaltgerätekombination nach der zugehörigen Schaltgerätekombinationsnorm durchgeführt hat.“ Der Hersteller der Schaltgerätekombination ist dagegen die „Organisation, die die Verantwortung für die fertige Schaltgerätekombination übernimmt.“

Ströme optimal bemessen

Neu ist auch die Definition des Bemessungsstroms der Schaltgerätekombination InA. Dieser Bemessungswert entspricht der Summe der parallel eingespeisten Ströme bzw. dem Gesamtstrom, der über das Hauptsammelschienensystem verteilt wird. Da der Strom eines Sammelschienensystems als separater Strom Inc eines Stromkreises zu definieren ist, ist es zulässig, z. B. bei einer Mitteneinspeisung einer Schaltanlage, aufgrund der nach links und nach rechts verteilten Ströme den Bemessungsstrom des Sammelschienensystems darauf anzupassen und kleiner als den Bemessungsstrom der Schaltgerätekombination InA zu dimensionieren.

Bauartnachweis statt Typprüfung

An die Stelle der nach der alten Norm geforderten Typprüfung sind in der neuen Norm Bauartnachweise vorgesehen. Dieser wird erbracht, indem an Mustern einer Schaltgerätekombination gezeigt wird, dass die Bauart die Anforderungen der zutreffenden Schaltgerätekombinationsnorm erfüllt. Die Bauartnachweise können durch Prüfung, Berechnung oder die Anwendung von Konstruktionsregeln erbracht werden. Die Festlegung, über welche Methode der Nachweis erbracht wird, obliegt dem ursprünglichen Hersteller. Dabei ist zu beachten, dass nicht jedes Merkmal mit jeder Methode nachgewiesen werden kann. So muss zum Beispiel die Wärmebeständigkeit eines Isolierstoffes immer durch Prüfung nachgewiesen werden, während beispielsweise Luft- und Kriechstrecken auch berechnet werden können.

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