MICA und RFID

„Wir haben den Spieß umgedreht“

| Autor / Redakteur: Karin Pfeiffer / Robert Weber

Die RFID-Technologie feierte ihre ersten Erfolgen in der Logistik. Mit MICA ergeben sich ganz neue Anwendungsszenarien.
Die RFID-Technologie feierte ihre ersten Erfolgen in der Logistik. Mit MICA ergeben sich ganz neue Anwendungsszenarien. (Bild: Christian Colen, Flickr.com / CC BY-SA 2.0)

Wie holt man noch mehr aus einer Technologie wie RFID heraus? Indem man erst einmal eine offene Plattform für alle baut – und dann einen leistungsstarken Reader draufsetzt. RFID-Experte und Product Manager Olaf Wilmsmeier von Harting erklärt, warum das Konzept der Ident-Anwendungsvielfalt des neuen RFID-Readers auf Basis der MICA kaum noch Grenzen setzt.

Embedded PC und RFID - zwei Technologien, die scheinbar wenig mit den Steckverbindern von Harting zu tun haben. Was steckt dahinter?

Vielleicht auf den ersten Blick. Tatsächlich hat Harting ja schon seit Jahren eine starke RFID-Kompetenz aufgebaut. Wir haben fast zehn Jahre Erfahrung im UHF-Bereich, arbeiten auch im AIM e.V. an den Fragen der Standards mit. Im Kern geht es uns darum, möglichst stabile Verbindungen zu schaffen: zwischen Maschinen und anderen Objekten, für Infos und Daten. Nicht nur mit RFID. Wie könnte OPC-UA künftig beispielsweise als Schnittstelle für Auto-ID genutzt werden? Das sind Bausteine, um die Digitalisierung und Automatisierung voranzutreiben. Stand heute: Jeder Hersteller hat ein proprietäres Interface, als Anwender muss ich jedes Mal neu die SPS ansprechen. Wie kann ich da eine leistungsstarke Middleware dazwischen bringen?

Und da kommt MICA ins Spiel?

Ja, ein Grund. Zudem braucht die Industrie keine RFID-Lösung von der Stange. Das haben uns unsere Kunden und Partner wie die Systemintegratoren stets widergespiegelt. Wir konnten schon immer Individualisierung. Aber wenn es um Technologien mit höchsten Anforderungen und strengen Regularien geht wie im Funk, funktionierte das oft nur graduell. Irgendeine Komponente ist immer mit Beschränkungen behaftet.

Das hat Ihnen nicht gereicht...

Oft hapert es beispielsweise an Gateway-Funktionalitäten. Ein Beispiel: SPS, Drucker, Eingabe-Terminal und SAP-Waage – um diese Komponenten zu verheiraten, müssen Sie schlaue Verbindungen schaffen. Wir haben also etwas entwickeln wollen, mit dem wir völlig frei und flexibel auf die Anforderungen beim Kunden eingehen können. Und so ist dann die Idee gereift, die MICA zu konzipieren – eine offene Plattform, auf der wir eben auch eine flexible, robuste RFID-Lösungen realisieren konnten. Wir haben also den Spieß umgedreht und erst ein Computing System eigens konzipiert und gebaut, das sich frei bestücken lässt. RFID ist nur eine Anwendungsmöglichkeit dieser offenen Plattform. Und genau die haben wir mit dem Reader Ha-VIS RF-R300 realisiert, den wir nun in unserem UHF-Produktportfolio vermarkten.

Was macht die RFID-Technologie gerade immer spannender für die Industrie?

RFID ist ein wichtiger Baustein, um Industrie 4.0 zu realisieren, weil man damit Objekten eine Identität und ein Gedächtnis verleihen kann.

Objekten also gewissermaßen eine eigene Persönlichkeit verleihen?

Sie auf jeden Fall gezielt ansprechbar und ihre Eigenschaften, ihre Historie, ihre Aufgaben abrufbar machen. Dies nicht durch IP Adressbasierte Kommunikation mit dem Objekt. Denn geben Sie mal einem Bremssatz an der Bahn oder einer Elektronikplatine, auf die Bauteile draufgesetzt werden, eine IP-Adresse...

Und da setzt RFID an?

Genau. Mittels RFID kann ich Objekte mit einer eigenen ID versehen. Darauf lässt sich während des Produktionsprozesses bidirektional eine Kommunikation aufbauen. Nicht nur Daten abfragen und empfangen, ich kann Daten, die ich sehe, auch verändern.

Wie sieht das ganz praktisch in einer Produktion aus?

Ich kann beispielsweise einem Produkt in der Fließfertigung die Info mitgeben, ob es schon an Station eins oder zwei war. Da lässt sich auch hinterlegen, ob der Fertigungsschritt vollständig ist, ob etwas nicht funktioniert hat oder wie überhaupt die Behandlung aussehen soll. Nächster Schritt Lackiererei und wenn ja, in Grün-Metallic oder in Senatorengrau? Oder wegen Mangel ausschleusen? Ich kann das nicht nur bei Bedarf abfragen, das Produkt oder Teil weiß auch selbst, welche Station es schon durchlaufen hat und hat sogar Einfluss auf seinen eigenen Produktionsprozess, weil es weiß, wenn beispielsweise seine Prüfung fehlgeschlagen ist.

Wo lässt sich der flexible Ha-VIS RF-R300 noch einsetzen?

Damit lassen sich die vielen Vorteile von RFID praktisch überall an Maschinen und in den Prozessen nutzen, auch über lange Wertschöpfungsketten hinweg. Aber auch in definierten Abschnitten und in der Inselfertigung. RFID wird überall eingesetzt, etwa auch für die Werkzeugerkennung in einer Maschine, weil man damit einen Fertigungsprozess anstoßen kann. Passt das Werkzeug zum Auftrag? Wir setzen Tool Ident beispielsweise selbst an einer Spritzgussmaschine mit Bearbeitungszentrum und Roboter-Handling für die Werkzeugerkennung ein.

Der RF-R300 ist neu, lässt sich seine Anwendungsvielfalt überhaupt schon skizzieren?

In einem Satz? Alles, was RFID kann kombiniert mit Trendthemen wie Industrie 4.0 oder Internet der Dinge. Vielleicht geben eine paar Stichworte eine Idee davon, was alles machbar sein könnte: Tracking und Tracing, Transponder mit externer Sensorik, Verbesserung von Prüf- und Wartungsprozessen, Erfassen von bewegten Objekten wie Züge, Positionierung, Ortung, Dokumentation, Verknüpfung verschiedener Ident-Verfahren, von RFID bis zum MES/ERP und in die Cloud …

Auch interessant: Verbesserung der Infrastruktur in den Städten durch Elektromobilität. RFID an den Trams, Transponder an Stationen auf der Wegstrecke - und die Tram weiß, wo sie Strom aufnehmen kann. Das lässt sich auch auf die Intralogistik übertragen, auf Wartungsprozesse. Kurz: Die Anwendungsvielfalt von RFID kennt wirklich kaum Grenzen, mit der MICA als Basis lässt sich davon bereits vieles zukunftsfähig realisieren.

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