Ingenieure sind Problemlöser, die sich mit Herausforderungen komplexer Systeme auskennen. Beruflich eng zusammen zu arbeiten ist keine neue Idee, ein gemeinsamer Ansatz hat jedoch reale Auswirkungen. Hier kommt Unified Engineering ins Spiel.
Unified Engineering Platform: Durch den Einsatz von Unified Engineering lassen sich Kosten im gesamten Projektzyklus senken – von der Inbetriebnahme bis zum vollständigen Betrieb.
(Bild: Adel & Link für Aveva)
In den 1930er Jahren gewann das Konsortium Six Companies Inc. eine Ausschreibung zum Bau eines Staudamms mit einem Auftragsvolumen von knapp 49 Mio. Dollar – das entspricht heute rund 900 Mio. Dollar. Kritiker glaubten, das Projekt sei nicht zu realisieren, die Auftragnehmer würden pleitegehen. Doch der Staudamm wurde schon nach fünf Jahren fertiggestellt – zwei Jahre schneller als veranschlagt – und blieb unter der Budgetgrenze. Der Hoover Damm ist ein Meilenstein in Design und Konstruktion. Heute laufen Projekte jedoch selten so erfolgreich ab.
FEED und Detail Engineering endlich verbinden
In vielen Kapitalprojekten klafft eine große Lücke zwischen Front End Engineering Design (FEED) und Detailed Design. Die Produktivität ist seit Jahrzehnten nicht mehr gestiegen. Im Durchschnitt werden Kapitalprojekte 20 Monate später als geplant abgeschlossen und übertreffen das Budget um 80 % [1].
Unified Engineering wird daher immer interessanter: Multidisziplinäre Teams können weltweit gemeinsam an Projekten arbeiten – gleichzeitig und in einer datenzentrierten Umgebung, in der sie Veränderungen im gesamten Projektverlauf überwachen und kontrollieren können. Die Simulationsdaten aus dem FEED können auch im Detailed Design genutzt und in Echtzeit validiert werden. Dies erhöht die Effizienz, minimiert das Risiko und steigert den Return of Investment (ROI) des Projekts.
Mit Unified Engineering können multidisziplinäre Teams weltweit gemeinsam an Projekten arbeiten – gleichzeitig und in einer datenzentrierten Umgebung, in der sie Veränderungen im gesamten Projektverlauf überwachen und kontrollieren können.
(Bild: Aveva)
Die wahren Kosten von Engineering und Design
Die Kosten für Engineering und Design betragen zwar nur rund zehn Prozent des Auftragswertes, die Arbeit in diesen Bereichen hat aber einen großen Einfluss auf Beschaffung und Bau. Die Hauptursache für spätere Nacharbeiten sind Designfehler und Versäumnisse. Forschungen haben ergeben, dass diese Fehler 5,4 % der Projektkosten ausmachen [2]. Fehler im Engineering machen sogar 14,2 % des gesamten Auftragswertes aus [3].
Es ist daher essenziell Fehler in Engineering und Design zu vermeiden, um die Projektkosten, also Budgetüberschreitungen und Verspätungen, zu senken. Maßnahmen müssen in der Engineering-Phase ergriffen werden, um diese Risiken zu minimieren und die Gesamtkosten zu senken.
Silos endlich aufbrechen
Das Unified Engineering bricht die Grenzen zwischen FEED und Detailed Design auf. Trotzdem behält jede Disziplin die Hoheit über ihre Daten und die Gewissheit, dass diese korrekt sind. In frühen Phasen des FEED müssen Daten häufig mehrmals eingegeben werden – im Unified Engineering ist das nur einmal notwendig. Die Simulationsdaten aus dem FEED können einfach im Detailed Design genutzt werden. Die Effizienz des Projektes wird erhöht, während Fehler und Verzögerungen in der Beschaffung sowie Nacharbeiten aufgrund schlechter Arbeitsleistungen vermieden werden.
Beim Unified Engineering geht es jedoch nicht nur um das Erfassen von Simulationsdaten in einer Datenbank. Das Team bekommt die volle Kontrolle über das Management seiner Daten. Wenn es Veränderungen im Projekt gibt, können diese durch das Unified Engineering validiert werden. Wenn Teams ihr Wissen teilen, treffen sie schneller Entscheidungen und verbessern ihre Arbeitsabläufe.
Fünf Tipps, um das Unified Engineering besser anzuwenden:
1. Die digitale Strategie nutzen: Unternehmen investieren zunehmend in die Digitalisierung, finden passende Anwendungen und erzielen einen größeren ROI. Die Herausforderungen des Marktumfeldes (wie Angebot und Nachfrage oder Kosten und Preise) sind zwar nicht verschwunden, der Wettbewerbsdruck macht eine digitale Transformation jedoch notwendiger denn je.
2. Von Excel zu einem datenzentrierten Ansatz: Dies wird Realität im Unified Engineering – die EPC 4.0 Strategie kann wirksam umgesetzt und der Projektzyklus dauerhaft unterstützt werden. So wird vermieden, dass Daten mehrfach eingegeben und überprüft werden müssen. Das spart Zeit bei der Arbeitsleistung – Zeit, die in die Innovation des Unternehmens gesteckt werden kann.
3. Den Digitalen Zwilling nutzen: Der Digitale Zwilling sollte bei der Projektübergabe ebenfalls übergeben werden. Durch das Unified Engineering ist das Modell korrekt und up-to-date im ganzen Projektzyklus. Der Digitale Zwilling der Anlage bietet die Möglichkeit einer hohen Marge für EPCs sowie eine einfache Inbetriebnahme und Bedienung für den Betreiber.
4. Die Kollaboration lohnt sich, auch finanziell: Ein Projekt, in dem alle Engineering-Abteilungen reibungslos zusammenarbeiten und die neuesten Informationen für alle Projektdisziplinen sofort verfügbar sind – das wäre ein idealer Projektablauf! Die Technologie kann dabei helfen, das Teilen von Ideen und die Kommunikation zu verbessern. Mit einer ausgewogenen Work-Life-Balance erzielen Unternehmen nicht nur smartes Arbeiten, sondern ziehen auch die besten Talente an – eine starke Formel für den Erfolg.
Stand: 08.12.2025
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Fazit: Durch den Einsatz von Unified Engineering werden Kosten im gesamten Projektzyklus gesenkt, besonders von der Inbetriebnahme bis zum vollständigen Betrieb. Mit den verbesserten Gewinnmargen können Unternehmen ihr Geschäft in eine stärkere Wettbewerbsposition bringen sowie neue Aufträge gewinnen und sichern.
Literaturhinweis:
[1] Reinventing Construction - a route to higher productivity, McKinsey, Rice Global E&C Forum
[2] Measuring the Impact of Rework on Construction Cost Performance, Bon-Gang Hwang 1; Stephen R. Thomas, M.ASCE 2; Carl T. Haas, M.ASCE3; and Carlos H. Caldas, M.ASCE4
[3] Probabilistic Assessment of Design Error Costs Love et al., 2014.
* Amish Sabharwal, Global Head of Engineering, Aveva