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Biomasse 64.000 Tonnen Gehacktes bitte

Redakteur: Carina Schipper

Um den Energiebedarf langfristig zu decken, müssen Alternativen zu fossilen Energieträgern her. Eine Möglichkeit ist der Rohstoff Holz. Die Holzenergiewerke von Prolignis versorgen unter anderem B. Braun in Melsungen mit jährlich ca. 112.000 MWh Wärme und Strom.

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Das Holzenergiewerk in Leipzig versorgt eine Porsche-Niederlassung mit 10,0 MW Wärme im Jahr.
Das Holzenergiewerk in Leipzig versorgt eine Porsche-Niederlassung mit 10,0 MW Wärme im Jahr.
(Bild: Prolignis)

Wenn Andreas Baumer in den Wald geht, hat er eine Schnittschutzhose und Sicherheitsschuhe an und die Motorsäge im Gepäck. Der Franke heizt sein Einfamilienhaus mit Holz. Für Heizung und Warmwasser braucht Baumer im Jahr ungefähr 22 Ster. In Zeiten der Energiewende ist die Verfeuerung des regenerativen Rohstoffs auch im großen Stil auf dem Vormarsch. Ein Holzhackschnitzelkraftwerk produziert pro Jahr etwa 80.000 MWh Wärme und gleichzeitig 40.000 MWh Strom ─ so viel wie 20 große Windräder. Die Ingolstädter Prolignis Gruppe baut Holzenergiewerke für die Industrie, die Lebensmittelproduktion und Kommunen oder Stadtwerke auf Grundlage des Prinzips von Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung. Zu den Kunden gehören zum Beispiel der Pharmakonzern B. Braun und Porsche.

Importunabhängigkeit und Klimaneutralität

Im Wald liegt mehr Potential, als bisher ausgeschöpft wird, so Ernst Haile, Geschäftsführer bei Prolignis. Bäume sind ein nachwachesender Rohstoff, der weltweit zur Verfügung steht. Das bedeutet für den Betreiber, nicht auf Materialimporte über weite Strecken angewiesen zu sein. Kurze Beschaffungswege gewährleisten die Versorgung der Anlage. Statt Pellets kommen in den Kraftwerken von Prolignis nur Holzhackschnitzel zum Einsatz. Diese stammen von Eigenholz aus der Umgebung, das von mindestens zwei bis drei Lieferanten aus der Region, wie Staatsforsten oder Gemeinden, kommt. So ist für Liefersicherheit gesorgt, erklärt Haile. Die Verträge laufen in der Regel zehn oder mehr Jahre, da ein Holzenergiewerk eine Laufzeit von circa 40 bis 50 Jahren erreicht. Ein weiterer Pluspunkt für die Energiegewinnung aus Forstrohstoff ist die CO2-Neutralität. Der Einsparungswert liegt bei rund 38.000 t pro Jahr. Bei der Umwandlung des organischen Materials in elektrische oder thermische Energie entsteht genauso viel Kohlenstoffdioxid wie bei dessen natürlicher Zersetzung im Wald. Bäume und Pflanzen benötigen für ihr Wachstum CO2 aus der Luft. Bei der Photosynthese entstehen aus Mineralien aus dem Erdboden und Sonnenlicht neues Holz und Sauerstoff. So entsteht ein Kohlendioxid-Kreislauf. Große Anteile der Asche, die beim Verbrennungsprozess übrig bleibt, wird dem Waldboden wieder zugeführt, was einen ökologischen Zyklus garantiert. Haile denkt bei seinem Biokraftwerken aber nicht nur an Holzhackschnitzel. In südlichen Ländern wie Österreich, Italien, Spanien oder der Schweiz kann er sich auch beispielsweise Abfallprodukte wie Nussschalen als Verbrennungsmaterial vorstellen.

Zielgruppen in der Industrie

Prolignis betreut seine Kunden über den gesamten Prozess hinweg, von der Planung und Bedarfsberechnung über die Umsetzung bis hin zur Überwachung und Beratung über die gesamte Lebensdauer des Holzhackschnitzelkraftwerks. Eines der Werke der Oberbayern versorgt seit 2009 die Niederlassung des Automobilherstellers Porsche in Leipzig. Am Güterverkehrszentrum der sächsischen Großstadt betreibt Prolignis eine Holzenergieanlage, die den sächsischen Porsche-Standort mit Anschlussleistungen von 4,995 MW Strom und bis zu 10,0 MW Wärme beliefert. Im nordhessischen Melsungen entsteht derzeit ein Holzenergiewerk für B. Braun. Um ausreichend Wärme- und Prozessdampf für den Pharmakonzern zu erzeugen, benötigt die Einrichtung laut Investor Prolignis 64.000 t Holz aus Ast- und Gipfelresten und Strauchschnitt. Die Leistungszahlen belaufen sich im Bereich der thermischen Energie auf 21,0 MW und auf 3,5 MW für den Sektor Elektrizität. Nach Aussage von Prolignis soll die Biomasseverbrennungsanlage in Melsungen bis Januar nächsten Jahres in Betrieb gehen.

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