Suchen

Turck

Als Lösungspartner im globalen Maßstab ideal positioniert

| Redakteur:

Technologisch steht der Name Turck für ganzheitliche Automatisierungslösungen. Dahinter steckt ein erfolgreiches Familienunternehmen mit einem außergewöhnlichen Charakter, der die Menschen im Unternehmen prägt und antreibt. Als Erfolgsmodell gilt die langfristige Perspektive – und nicht selten ist Turck gerade deshalb den entscheidenden Schritt voraus.

Firma zum Thema

Kernprodukte fertigt Turck in Deutschland, und sie werden auch im eigenen Haus eingesetzt — wie etwa der Faktor1-Sensor in der Lagertechnik
Kernprodukte fertigt Turck in Deutschland, und sie werden auch im eigenen Haus eingesetzt — wie etwa der Faktor1-Sensor in der Lagertechnik
( Archiv: Vogel Business Media )

Wenn sich zwei Brüder beruflich zusammentun, ist es oft hilfreich, klare Grenzen abzustecken und einzuhalten. Bei den Brüdern Hans und Werner Turck jedenfalls war das so. Hans der Vertriebsmann und Werner der Tüftler, beides starke Persönlichkeiten, wären sich in einer einzigen, gemeinsamen Firma wohl des Öfteren in die Quere gekommen – in gesunder Distanz dagegen wurden und blieben sie ausgesprochen erfolgreich. Mit der Elektrotechnik als verbindendes Metier entstanden zwei selbständige Unternehmen, jeweils spezialisiert auf Produktion und Entwicklung sowie auf Vertrieb und Marketing. Und trotz unterschiedlicher Aufgaben und Standorte arbeiten beide Firmen in einer gewinnbringenden Symbiose.

Eine solche Konstellation hat durchaus ihre Vorteile: Jeder ist zuerst einmal für sich selbst verantwortlich, keiner kann sich hinter dem Anderen verstecken oder gar ausruhen. Um die nötige Balance zu finden, gehören ehrliche Gespräche und offene Debatten zwischen Entwicklern, Fertigungs- und Vertriebsleuten zum gewohnten Tagesgeschäft – was ja selbst „reinerbige“ Firmen manchmal verzweifeln lässt. Bei Turck wiederum hat sich auf diese Weise ein besonderer Charakter geformt, der das Miteinander betont, ohne die Eigenständigkeit zu verleugnen.

Mit Weitblick auf internationales Terrain vorgestoßen

Der lebendigen Gesprächskultur ist es auch zu verdanken, dass Turck sich permanent selbstkritisch prüft, am Markt spiegelt und – oft früher als andere – neu orientiert. So geschehen Mitte der 70er Jahre mit dem Sprung in die USA, zu einer Zeit, „als unsere Gründer noch kaum richtig Englisch gesprochen haben“, wie Geschäftsführer Christian Wolf schmunzelnd berichtet. „Trotzdem haben sie bei der Internationalisierung unglaublich weitsichtig agiert.“ Heute erwirtschaftet Turck in den USA gut 170 Mio. Dollar Umsatz und ist – als wohl einziges deutsches Unternehmen – mit seiner Sensorik und Anschlusstechnik dort Marktführer. Gleiches gelang später in China, wo sich der Umsatz inzwischen auf rund 40 Mio. Euro summiert.

Diese Marktposition bringt für Turck noch weit mehr als nur finanzielles Feedback: Sie sichert den technologischen Vorsprung. „Wer gleichzeitig am deutschen, amerikanischen und chinesischen Markt eine führenden Rolle spielt weiß, wohin sich die Automatisierungstechnik entwickelt“, erläutert Christian Wolf. „In diesen drei Ländern werden annähernd 90 Prozent aller Marktanforderungen transparent.“

Alfred Hack, Leiter Produktmanagement Sensortechnik: „Die Philosophie der Ingenieure in Europa und den USA ist einfach verschieden, beide sind jedoch gleichermaßen erfolgreich. Unsere Aufgabe ist es deshalb, die unterschiedlichen Anforderungen bestmöglich zu erfüllen.“ (Archiv: Vogel Business Media)

Dabei kann man gerade in den USA viel verkehrt machen, schreibt doch die Automatisierung dort ihre eigenen Spielregeln. Alfred Hack, Leiter Produktmanagement Sensortechnik bei Turck, kennt ein einfaches aber prägnantes Beispiel: „Der Amerikaner will eine mechanische Lösung spüren können. Ein Steckverbinder muss ,knack’ machen, wenn er fest sitzt, sonst scheint er ihm irgendwie suspekt.“ Solch ungeschriebene Gesetze bestimmen letztlich sehr oft über Sieg oder Niederlage auf fremden Märkten. Und genau deshalb ist Turck in den USA ein „echtes amerikanisches Unternehmen“, in dem die US-Kollegen präzise vorgeben, wie ihre Kunden ticken und was sie brauchen. „Wir müssen uns an diese Märkte adaptieren, schließlich sind wir dort, um Geschäfte zu machen und nicht, um Reformen zu betreiben“, bringt Christian Wolf die Strategie auf den Punkt.

Wachstum braucht auch neue Strukturen

Der Erfolg gibt ihm Recht. Heute ist Turck international breit aufgestellt, produziert in fünf Ländern (Deutschland, Schweiz, USA, Mexiko und China), beschäftigt über 2800 Mitarbeiter an 27 Standorten und ist in weiteren 60 Staaten mit Vertretungen präsent. Der Umsatz stieg 2008 schon zum siebten Mal in Folge zweistellig. Dem folgend musste sich zuletzt auch die Organisation neu formieren. An der Spitze stehen nun vier Geschäftsführer: Werner Turck und sein Sohn Markus verantworten Produktion und Entwicklung, Hans Turcks Sohn Ulrich bestimmt mit Christian Wolf die Geschicke in Marketing und Vertrieb. Dabei ist der 36jährige Wirtschaftsingenieur Wolf, der 1997 als Diplomand zur Firma gestoßen ist, der erste Nichtgesellschafter in dieser Position.

Bildergalerie

Je ein Vertriebsleiter kümmert sich bei Turck um die weltweiten Aktivitäten in der Fabrik- sowie in der Prozessautomation, zudem gibt es für Kerngeschäfte wie Sensortechnik oder Feldbus und Systeme ein eigenes Produktmanagement. Christian Wolf: „Unsere neue Struktur ist vor allem vom Markt geprägt. Die Verantwortlichen müssen wissen, wohin sich Technologien und Märkte entwickeln. Und sie müssen als Mittler zwischen Markt, Vertrieb und Entwicklung die richtigen Prioritäten setzen, denn auch bei uns ist die technische Entwicklung immer eine limitierte Ressource.“

Den schwierigen Weg erfolgreich gemeistert

Dass diese Ressourcen offenbar an den richtigen Stellen eingesetzt wurden und werden, verdeutlicht die Produktstrategie eindrucksvoll. Erneut früher als andere hat das bis dahin als reiner Sensorspezialist ausgewiesene Unternehmen die Chancen im Umfeld der klassischen Sensorik erkannt und ergriffen. So entwickelte sich mit den Jahren ein tiefes Know-how in der Anschluss- und Feldbus-Technologie, das Turck zum Lösungsanbieter reifen ließ. „Wir haben uns in diese Welten hinein entwickelt weil wir glauben, unsere Kunden als breit aufgestellter Automatisierungspartner ganzheitlich – und damit einfach besser – beraten und unterstützen zu können“, erklärt der Geschäftsführer. Gerade in Zukunftsmärkten wie Brasilien, Russland, Indien oder China sei dies ein zentraler Erfolgsfaktor.

Das ist natürlich viel einfacher gesagt als getan. Auch im Hause Turck war dafür ein mehrjähriger Lern- und Entwicklungsprozess nötig, der viel Zeit, Energie und Geld kostete. „Das muss man durchhalten können“, kommentiert Christian Wolf, „und man braucht Mitarbeiter, die das verstehen und umsetzen wollen“. Zugleich rechnet sich der Aufwand nur, wenn die Lösungen weltweit auf Resonanz stoßen. Und hier kommen in der Automatisierungstechnik wieder sehr unterschiedliche Kundenbedürfnisse und Marktanforderungen ins Spiel – man denke nur an die abweichenden Philosophien in der Feldkommunikation. Dieser Problematik begegnet Turck mit einem Plattformkonzept, das im Prinzip Modifikationen gestattet, aber eben auf einer einheitlichen Architektur basiert.

12424680

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 292898)