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Energiepreise Analysten: Ukraine-Krise verteuert Strom

| Redakteur: Robert Weber

Die Industrie muss für Strom tiefer in die Tasche greifen. Der Preis stieg im Juli auf 4,25 Cent je Kilowattstunde. Der Gaspreis gibt nach. Sorgen vor Gas-Engpässen durch die Russland-Ukraine-Krise sind bereits eingepreist und die Speicher voll.

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Die Demonstrationen auf dem Maidan in Kiew forcierten die Konfrontation zwischen Europa und Russland und gelten aus Auslöser der Ukraine-Krise.
Die Demonstrationen auf dem Maidan in Kiew forcierten die Konfrontation zwischen Europa und Russland und gelten aus Auslöser der Ukraine-Krise.
(Bild: Amakuha unterCC BY-SA 3.0-Lizenz, wikipedia)

Der Preisanstieg für Strom geht einher mit den gestiegenen Preisen für Kohle und den steigenden Gaspreisen für die kommenden Jahre, heißt es in einer Analyse der Ispex AG. „Das ist sicher auch eine Folge der herrschenden Unsicherheit durch die politischen Entwicklungen in der Ostukraine und im Nahen Osten. Sobald sich diese Krisenherde beruhigen, wird auch der Strompreis wieder fallen“, ist Stefan Arnold, Vorstandsvorsitzender der Ixpex AG sicher. Im Markt seien Short-Positionen aufgebaut worden. Das heißt, es sind Geschäfte abgeschlossen worden, zu deren Erfüllung die entsprechenden Positionen benötigt und nun gekauft wurden.

Für den Einkauf von Strom lag der Ispex-Energiepreisindex als Durchschnittswert der besten Angebote aller bietenden Lieferanten für den Juli bei 4,25 Cent je Kilowattstunde. Dabei lagen die jeweiligen Auktionsgewinner wie üblich teilweise erheblich unter dem Durchschnittswert. Im Juni mussten noch lediglich 3,93 Cent je Kilowattstunde bezahlt werden. Das spiegelt den stärksten Anstieg der Börsenpreise seit Monaten wider sowie die traditionell im Laufe des Sommers steigende Beschaffung für das Frontjahr, das derzeit deutlich über den folgenden Jahren notiert.

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Nach der langen Seitwärtsbewegung seit April dieses Jahres stiegen die Strompreise an den Handelsplätzen im Laufe des Julis verhältnismäßig deutlich an. Erst in den letzten Tagen gaben sie wieder etwas nach, liegen aber dennoch über den Vormonaten. Weiterhin unverändert ist der erhebliche Preisunterschied zwischen den drei folgenden Lieferjahren: Der Unterschied zwischen 2015 und 2017 beträgt über zwei Euro je Megawattstunde.

Gasspeicher sind voll

Nachdem der Index für den Gaseinkauf von Unternehmen nach einem Zwischenhoch im Mai bereits im Juni auf 2,61 Cent je Kilowattstunde gefallen war, nutzten viele Einkäufer die Gelegenheit günstiger Beschaffungspreise für das Jahr 2015, um sich einzudecken. Demzufolge fiel der Index nochmals und ergab im Juli einen Wert von 2,55 Cent je Kilowattstunde. Das stellt den niedrigsten berechneten Wert seit dem Jahr 2011 dar.

Die niedrigen Gaspreise für das Lieferjahr 2015 zu Beginn des Monats nutzten viele Einkäufer, bevor diese im Juli deutlich anzogen. Demzufolge sank der Gaspreisindex für Juli, während der Index für den Stromeinkauf die Aufwärtsbewegung der Strompreise an den Energiebörsen nachzeichnete und höher als im Vormonat ausfiel.

„Die Preisentwicklung deutet darauf hin, dass auf den Märkten keine Sorge vor einer kurzfristigen Gasknappheit herrscht“, analysiert Stefan Arnold. Das zeige auch der Blick auf den Handel für das restliche Jahr 2014. Der jeweilige Frontmonat liegt derzeit rund fünf Euro je Megawattstunde unter dem Terminkontrakt für 2015. Ein Grund dürften die guten Speicherfüllstände in Europa sein. Die deutschen Speicher sind bereits zu 80 Prozent gefüllt, die Speicher in Großbritannien sogar zu knapp 90 Prozent. Hingegen scheinen Bedenken um die Lieferungen aus Russland in die Lieferjahre 2016 und 2017 bereits eingepreist.

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