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Analyse Andere EU-Staaten überholen Deutschland in der Effizienz

| Redakteur: Carina Schipper

Deutschland landet nur im EU-Mittelfeld bei Energieeffizienzfortschritten. Das Niveau der Energieeffizienz und Effizienzpolitik sei aber gut. Europäische Länder haben in den letzten 15 Jahren Deutschland in punkto Energieeffizienzfortschritten hinter sich gelassen, wie aus einer Studie des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) hervor geht.

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(Bild: Roadrunner38124, CC BY-ND 2.0, flickr.com)

(Bild: Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF))
Die Bundespolitik sah die Vorreiterrolle Deutschlands bei der Energieeffizienz lange als unumstößlich an. 2014 erhielt Deutschland vom amerikanischen Thinktank ACEEE den Titel „Weltmeister“. Tatsächlich stellt sich das Niveau der Energieeffizienz Deutschlands relativ gut dar, bringt im europäischen Vergleich aber nur Platz 4 ein (siehe Tabelle 1). An der Spitze steht Malta, gefolgt von Großbritannien und Litauen. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI).
(Bild: Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF))

Andere machen größere Fortschritte

Bei den Energieeffizienzfortschritten in den vergangenen Jahren belegen inzwischen andere europäische Länder die ersten Plätze (siehe Tabelle 2). Dazu zählen Großbritannien, die Niederlande sowie einige mittel- und osteuropäische Mitgliedstaaten. „Zwar waren auch Ausgangsniveau und Nachholbedarf vieler dieser Länder deutlich höher, doch für den Erfolg der deutschen Energiewende wäre eine jährliche Verbesserungsrate von 2 % im Jahr notwendig, statt den bisherigem durchschnittlichen 1 %“, erklären die Fraunhofer-Forscher. Deutschland bewegt sich hier unter dem EU-Durchschnitt von 1,3 % und erreicht Platz 18. Bei der Charakterisierung der bisherigen Energieeffizienzpolitik erzielt Deutschland gute Ergebnisse ab und holt Platz 3 hinter Bulgarien und Kroatien (siehe Tabelle 3).

„Dow Jones“ der Energieeffizienz

(Bild: Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF))
Die Untersuchungen des Fraunhofer ISI im europäischen Rahmen mit dem Energieeffizienzindex ODEX beleuchten deutliche Unterschiede in den Energieeffizienzfortschritten der einzelnen Sektoren zwischen 2000 und 2012. Dr. Wolfgang Eichhammer vom Fraunhofer ISI: „Deutschland steht im Haushaltsektor auf Platz 14, beim verarbeitenden Gewerbe auf Platz 24 und im Transportsektor auf Platz 5.“ Der ODEX lässt sich als eine Art „Dow Jones“ der Energieeffizienz beschreiben. Er bündelt die Effizienzfortschritte in den verschiedenen Sektoren in einem Gesamtindikator. Vor allem im Industriesektor, erläutert Eichhammer, war die Entwicklung in Deutschland in den letzten 15 Jahren eher durch Strukturverschiebungen zu weniger energieintensiven Industrien gekennzeichnet, denn durch Effizienzfortschritte im eigentlichen Sinne, wie beispielsweise die energetische Optimierung von Industrieanlagen und Querschnittstechnologien wie Elektromotoren und deren Anwendung.

Potentiale sind noch nicht ausgeschöpft

Ökonomische Potenziale für weitere Verbesserungen der Energieeffizienz sieht Eichhammer durchaus: „Bis 2030 könnte die Energienachfrage im Vergleich zu heute noch um 25 % vermindert werden. Dies ist auch nötig, wenn bis Mitte des Jahrhunderts, wie im Energiekonzept gefordert, der Primärenergiebedarf halbiert werden soll. Hierzu bedarf es weiterer substantieller Anstrengungen der Politik.“ Auch Steven Nadel, Direktor des American Council for an Energy Efficient Economy (ACEEE), das letzten Sommer mit seiner Internationalen „Score Card“ den Spitzenplatz unter den 16 größten Wirtschaftsräumen der Welt an Deutschland vergab, räumt ein: „Deutschland und die Europäische Union sind sozusagen einäugige Energieeffizienzkönige unter den Blinden. Von möglichen 100 Punkten für Energieeffizienz wurden in Deutschland nur 65 erreicht. Das zeigt, dass noch Luft nach oben ist, Energieeffizienz wirtschaftlich voranzutreiben.“ Die mit dem Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) Ende Dezember 2014 beschlossenen Politikvorhaben müssen schnell umgesetzt werden – sowohl aus Sicht der Wissenschaftler als auch deutscher Unternehmen, die als Anbieter von Energieeffizienzdienstleistungen und -produkten gut aufgestellt sind. Christian Noll, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF): „Die globale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands profitiert enorm von einer konsequenten Umsetzung der beschlossenen Energieeffizienzvorhaben – sowohl als Energieverbraucher als auch Anbieter von Energieeffizienzlösungen. Damit wir wieder Energieeffizienzweltmeister werden und es langfristig bleiben, braucht es aber eindeutig mehr Planungssicherheit und höchste politische Priorität für Energieeffizien.“

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