ABB Anwendernutzen steht im Mittelpunkt

Nicht jedem Mittelständler ist klar, welchen Nutzen ihm Industrie 4.0 bringen soll. Große Unternehmen, beispielsweise ABB, sind deshalb in der Pflicht, kleineren Unternehmen zur Seite zu stehen. ABB bietet deshalb nicht nur die entsprechenden Produkte an, sondern hilft Anwendern mit Whitepapern, Videos und Webinaren dabei, die Digitalisierung sinnvoll einzusetzen.

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Pekka Tiitinen, Leiter der ABB-Division Industrieautomation und Antriebe: „ABB nimmt das Thema Sicherheit sehr ernst.“
Pekka Tiitinen, Leiter der ABB-Division Industrieautomation und Antriebe: „ABB nimmt das Thema Sicherheit sehr ernst.“
(Bild: Luca Siermann)

Das Thema Datensicherheit spielt innerhalb der Automatisierung eine wichtige Rolle, gerade wenn es darum geht, das Unternehmen zu digitalisieren, also es fit zu machen für Industrie 4.0. Denn gerade kleine Unternehmen haben hier Bedenken, dass sie so leichter ausgespäht werden können. Wir sprachen mit Pekka Tiitinen, der bei ABB die Division Industrieautomation und Antriebe leitet, was sein Unternehmen dazu anbietet und wie es als Big Player kleinere Unternehmen bei der Einführung von Industrie 4.0 unterstützen kann.

Herr Tiitinen, wie ernst nehmen Sie bei ABB das Thema Security, das gerade kleine und mittelständische Unternehmen vor Industrie 4.0 zurückschrecken lässt?

ABB nimmt das Thema Sicherheit sehr ernst. Wir haben seit mehr als zehn Jahren Technologien vorangetrieben, die wir als das Internet der Dinge, Dienste und Menschen wie Internet of Things, Services and People sowie IoTSP bezeichnen. Für uns ist der Schutz von IP-Systemen und Produktionseinrichtungen ein zentraler Punkt unserer Next-Level-Strategie.

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Wie hoch ist denn bei Ihren Produkten der Softwareanteil und wie wichtig ist für Sie dort die Datensicherheit?

Mehr als die Hälfte unserer Produkte ist softwarebezogen. Außerdem beschäftigen wir Tausende von Softwareentwicklern, Inbetriebnahmeingenieuren und Servicetechnikern. Die Bedeutung eines integrierten Cyberschutzes über die gesamte Nutzungsdauer unserer Produkte ist uns daher bewusst. Keine Einzellösung kann die zunehmend vernetzten Systeme sichern. Deshalb arbeiten wir zusammen mit unseren Kunden an einer tiefengestaffelten Sicherheitsarchitektur, bei der mehrere Sicherheitsschichten Bedrohungen erkennen und abwehren, unabhängig davon, unter welchen Bedingungen, wo und wann sie auftreten.

Wie engagiert sich ABB bei der Entwicklung von Sicherheitsstandards?

Zusätzlich zu unserem eigenen Group Cyber Security Council beteiligen wir uns aktiv an zahlreichen externen Initiativen zur Erarbeitung von Cyber-Sicherheitsstandards. Wir beteiligen uns sowohl an der Plattform Industrie 4.0 als auch am Industrial Internet Consortium. Bei Letzterem arbeiten wir mit weltweit tätigen Unternehmen, Gruppen und Universitäten zusammen, um die sichere Umsetzung des Internets der Dinge, Dienste und Menschen zu beschleunigen.

Was bietet ABB dazu an?

Ein Beispiel ist der ABB-Service-Port. Das ist eine remote-fähige Bereitstellungsplattform, auf der die Nutzer die Kennzahlen, also sogenannte KPIs, anzeigen, überprüfen und verfolgen können, um eine maximale Leistung der Anlagen und Prozesse sicherzustellen. Das führt wiederum zu einer höheren Betriebseffizienz bei einer Vielzahl von Industrieapplikationen.

Unser dezentrales Prozessleitsystem 800xA verfügt über die richtigen Schutzmechanismen. Die Cyber Security spielt in allen Phasen des Systemlebenszyklus (Produkt-, Projekt- und Anlagen-Lifecycle) eine wichtige Rolle und ist ein bereits integrierter Bestandteil des Systems 800xA. Das bedeutet, dass die Cyber Security in jeder Stufe des Systemlebenszyklus – von Design und Entwicklung bis zur Wartung – beachtet wird. Bedrohungsszenarien und Überprüfung des Sicherheitsdesigns, Sicherheitsschulung der Software-Entwickler sowie interne und externe Sicherheitstests sind nur einige Beispiele der Maßnahmen, die ABB unternimmt, um die Lösungen sicher und zuverlässig zu machen.

Welche Maßnahmen sind das?

Wir bieten ein entsprechendes Serviceangebot mit nichtinvasiven Tools wie den Cyber-Security-Benchmark, den Cyber-Security-Fingerprint und den Cyber-Security-Monitoring-Service. Dies soll potenzielle Cyber-Security-Risiken erkennen und reduzieren, um so das Leitsystem zu schützen.

Wie kann ABB als Big Player mittelständischen Anwendern gezielt helfen, beim Thema Industrie 4.0 voranzukommen?

Wir können ihnen auf vielfache Weise helfen, auch mit unsren Produkten. Frequenzumrichter sind nur ein Beispiel für Geräte, die Rohdaten liefern, diese verarbeiten und die Ergebnisse in ein Netzwerk eingeben können. Sie können beispielsweise Überwachungsaufgaben übernehmen und erkennen, wann ein Prozess anfängt, mehr Energie zu verbrauchen, um dann eine Warnung auszugeben.

Ein weiteres Beispiel ist ein von uns entwickelter Sensor, der sowohl an neue als auch bereits installierte Motoren angebaut werden kann. Der Sensor sendet die Motorleistungsdaten an einen cloudbasierten Dienst. Ein Anlageningenieur kann über ein Mobilgerät sofort die Zustandsdaten des Motors und Empfehlungen für eine vorausschauende Wartung abrufen. Mit den Daten können Wartungsmaßnahmen effizienter budgetiert und geplant werden und Motoren können rechtzeitig ausgetauscht werden, um außerplanmäßige Stillstandszeiten zu vermeiden.

Gerade wenn es um Wartungsmaßnahmen geht, lässt sich heute ja vieles über das Internet lösen zum Beispiel die Überwachung ...

Ja, Fernserviceoptionen wie die Motorüberwachung sind ein Beispiel dafür, wie wir mittelständischen Maschinenbauern dabei helfen können, die Vorteile des Internets der Dinge, Dienste und Menschen zu nutzen. Wir bieten eine Reihe verschiedener Fernüberwachungsdienste an. Die Roboterzustandsüberwachung liefert beispielsweise zuverlässig Informationen über Roboter, die über einen Internet-Browser angezeigt werden können. Darüber hinaus helfen mobile Anwendungen wie unsere Apps Drivetune und Drivebase bei der Überwachung, der Planung der Wartung und dem effizienteren Betrieb von Antrieben.

Mit dem Konzept Industrie 4.0 sollen die Unternehmen ja auch flexibler agieren können ...

Flexibilität ist ein wesentlicher Aspekt bei den Lösungen im Rahmen des Internets der Dinge, Dienste und Menschen. Unser neuer Roboter Yumi eröffnet neue Möglichkeiten bei der Zusammenarbeit von Mensch und Roboter. Yumi ist ein zweiarmiger Roboter mit flexiblen Händen, Teilezuführsystemen, kamerabasierter Teilelokalisierung und modernster Robotersteuerung, der bei der Montage von Kleinteilen behilflich ist. Er kann in einer normalen Fertigungsumgebung mit den Menschen zusammenarbeiten, sodass Unternehmen sowohl von den besonderen Fähigkeiten der Mitarbeiter als auch der Roboter profitieren können. Eines der besonderen Merkmale von Yumi ist seine eigensichere Konstruktion, durch die er neben Menschen arbeiten kann und gleichzeitig die Gefahren auf ein akzeptables Maß reduziert.

Sie haben Yumi auf der Hannover-Messe 2015 vorgestellt. Wie viele Anwendungen gibt es bis jetzt und wie sieht die weitere Entwicklung aus?

Die Vorstellung von Yumi wurde sehr gut aufgenommen und war ein enormer Erfolg. Wir haben bereits dort unsere ersten Yumi-Einheiten verkauft. Seither wird Yumi von verschiedenen Kunden bei der Kleinteilemontage eingesetzt. Nach dem Interesse zu urteilen, sind die Aussichten sehr gut. Das gilt nicht nur für das Interesse auf der Hannover-Messe, sondern auch überall dort, wo wir Yumi vorgestellt haben, wie zum Beispiel in China, Indien, Brasilien und den USA. Der Auftragseingang ist stetig. Was die weitere Entwicklung anbelangt, sprechen wir mit den Kunden, um zu erfahren, für welche Anwendungen Yumi am besten geeignet ist.

Seit wann befasst sich denn ABB intensiv mit der Digitalisierung?

Seit mehr als zehn Jahren integrieren wir Automation, Daten und sichere Verbindungen, um die Prozessleistung zu verbessern. Unsere Ingenieure verfügen über ein enormes Wissen. Dieses können wir Unternehmen anbieten, die sich überlegen, das Internet der Dinge, Dienste und Menschen zu nutzen, oder dabei sind, es zu implementieren.

Sind hier Weiterbildungsmaßnahmen vonseiten ABB geplant und welche sind das?

Ja, wir erstellen kontinuierlich Whitepaper, Videos, Webinare und dergleichen. Darüber hinaus bieten wir unter dem Motto „Automation and Power World“ in den USA, in Brasilien, Indien, China, Mexiko und anderen Ländern Schulungen für Teilnehmer aus verschiedenen Bereichen an. Über new.abb.com/apw können sich die Anwender im Internet darüber informieren.

Bieten Sie so etwas auch für Deutschland an?

Für Personen, die wissen wollen, welche Chancen das Internet der Dinge, Dienste und Menschen für den Maschinenbau bietet, hat ABB Deutschland eine umfangreiche Webseite eingerichtet. Suchen Sie unter maschinenbau-industrie-4-0 und Sie werden dort Antworten finden.

Auch in unserem Kundenmagazin haben wir umfangreich über die „Produktion der vierten Art“ informiert.

Was will ABB mit der Produktivitätssoftware Decathlon erreichen? Eignet sich diese auch für den Mittelstand und kleine Unternehmen?

Jeden Tag müssen unsere Kunden auf der Basis optimaler Informationen viele Entscheidungen treffen. Ein erheblicher Teil dieser Informationen befindet sich in modernen Automatisierungssystemen. Bei der Decathlon-Software geht es darum, die Anlagenbetriebsdaten mit anderen Datenquellen zu kombinieren, um daraus nützliche Informationen zu generieren – Informationen, die den Entscheidern bei der Planung, Optimierung und der kontinuierlichen Verbesserung des Anlagenbetriebs die richtigen Einblicke liefern. Mit Decathlon hilft ABB, der führende Anbieter von Automatisierungstechnik, den Kunden bei der Nutzung dieser Daten, die sich in den umfangreichen Leitsystemen von ABB befinden. Darüber hinaus muss auch betont werden, dass die Decathlon-Software eine spezielle Leitsystemsoftware ist, die zusammen mit jedem beliebigen Leitsystem auf den Markt einen Mehrwert bietet.

Decathlon ist skalierbar und lässt sich an die Anforderungen der Kunden anpassen. Unabhängig von der Unternehmensgröße besteht die gleiche Notwendigkeit für präzise Daten, auf denen die Entscheidungen basieren. Genau hier setzt Decathlon mit seiner skalierbaren Integrationsplattform, dem Decathlon-Service, an. Die Basis-Apps decken allgemeine Aufgaben bei der Datenanalyse ab, beispielsweise die Erstellung intelligenter, interaktiver Dashboards für die KPI-Darstellung. Mit den Apps für die Industrieproduktivität kann die Anlage erweitert werden, um neue Normen und Vorschriften zu erfüllen. Die Energy Monitor App unterstützt die Energiemanagementinitiative gemäß ISO 50001. Mit dem App-Konzept kann der Kunde seine Decathlon-Software individuell gestalten, damit sie heute und in erweiterter Form auch in Zukunft die Anforderungen erfüllt.

Was werden wir von ABB auf der Hannover-Messe zu sehen bekommen?

Bislang ist es aufwendig und teuer, Niederspannungsmotoren zu überwachen und vorausschauend zu warten. Neue innovative Sensoren von ABB machen jetzt aus „dummen“ Motoren intelligente Geräte, die ihren Wartungsbedarf selbst melden. Millionen von Motoren erhalten damit Zugang zum Internet der Dinge. Dienstleistungen und Menschen werden Teil von Industrie-4.0-Projekten.

Pekka Tiitinen ist seit 2013 Leiter der Division Industrieautomation und Antriebe sowie Mitglied des Führungsboards von ABB. Der finnische Staatsbürger leitete von 2003 bis 2013 den Geschäftsbereich Niederspannungsantriebe. Seit 1993 hat er zahlreiche Führungsaufgaben im Unternehmen übernommen. Tiitinen kam 1990 in Finnland als Konstrukteur im Bereich Antriebstechnik zu ABB. Er hat einen Abschluss in Elektrotechnik mit Schwerpunkt Antriebe und Roboterautomation.

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