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Lohnfortzahlungsbetrug Auf Krankenschein im Karneval

| Autor / Redakteur: Robert Horn / Stefanie Kunze

Während der „fünften Jahreszeit“ laden Karnevalsumzüge und Faschingsbälle zum Feiern ein – zum Leidwesen der Arbeitgeber wird jetzt auch wieder vermehrt „krank gefeiert“. Bei jährlich schätzungsweise 34 Mio. solcher bezahlten „Krankheitstage“ ist der wirtschaftliche Schaden immens. Wie man sich wirksam vor Lohnfortzahlungsbetrug schützt, erklärt Wirtschaftsdetektiv Marcus Lentz.

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Wer in der 5. Jahreszeit mutwillig krank feiert, begeht einen Straftatbestand.
Wer in der 5. Jahreszeit mutwillig krank feiert, begeht einen Straftatbestand.
(Bild: Photo: Andreas Praefcke / Wikimedia Commons/Andreas Praefcke / BY 3.0)

Ob Karneval in Köln oder Fasching in Süddeutschland: In der Woche vor Aschermittwoch herrscht in vielen Landesteilen eine Art Ausnahmezustand. Mitarbeiter kommen schon mal maskiert ins Büro, Krawatten fallen der Schere zum Opfer – und wer gerne feiert, nimmt sich nach Möglichkeit ein paar Tage frei, um möglichst viele Umzüge, Partys und Bälle in der Karnevals-Saison mitnehmen zu können.

Allerdings ist es am Jahresanfang auch in vielen Betrieben turbulent, und wo die Auftragsbücher gut gefüllt sind, muss der Chef den einen oder anderen Urlaubsantrag aus betrieblichen Gründen ablehnen. „Nicht selten geben sich die Betroffenen dann selbst frei – indem sie einfach einen Krankenschein vorlegen und sich arbeitsunfähig melden“, weiß Marcus Lentz, Geschäftsführer der bundesweit operierenden Detektei Lentz, aus jahrelanger Ermittlungserfahrung.

Kein karnevaleskes Kavaliersdelikt

Doch was viele für ein verzeihliches Kavaliersdelikt halten, kann für den betroffenen Arbeitnehmer böse enden, warnt Lentz: „Wer auf Krankenschein feiert, begeht Betrug am Arbeitgeber und seinen Kollegen – und erfüllt einen ernstzunehmenden Straftatbestand.“

Warum der Gesetzgeber hier auch im Karneval keinen Spaß versteht: Fingierte Krankmeldungen sind für die Wirtschaft ein erhebliches Problem, zumal das Phänomen nicht gerade selten auftritt: Schätzungsweise 34 Mio. bezahlter Arbeitstage gehen Jahr für Jahr auf das Konto von „Blaumachern“ – zum Schaden des Arbeitgebers wie auch der Kollegen, die die Mehrbelastung auffangen müssen. Platzen Liefertermine oder sinkt die Servicequalität, kann das Fehlverhalten Einzelner für den ganzen Betrieb erhebliche wirtschaftliche Folgen haben.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser?

Unternehmer, die den Verdacht hegen, ein plötzlich erkrankter Mitarbeiter würde in Wahrheit ausgelassen feiern anstatt das Bett zu hüten, werden deshalb nicht tatenlos zusehen: Das negative Beispiel der „Blaumacher“ demotiviert die ehrlichen Mitarbeiter, schädigt den gesamten Betrieb – und sorgt womöglich im nächsten Jahr für Nachahmer.

Mitarbeiter, die auf Krankenschein feiern gehen, sollten sich daher besser nicht zu sicher fühlen und haben bei Entdeckung viel zu verlieren. Allerdings rät Chef-Ermittler Marcus Lentz betroffenen Arbeitgebern entschieden davon ab, auf eigene Faust zu ermitteln: „Die Sicherung gerichtsfester Beweise und eine professionelle Observation sind nichts für Laien. Bemerkt der Verdächtige, dass er beschattet wird, gelingt es nie, ihn zu überführen.“

Detektive überführen Narren, Jecken und Co.

Wer einen Detektiv einschaltet, hat hingegen gute Aussichten auf durchschlagenden Erfolg. „In den vergangenen zwei Jahren konnten wir bei rund 100 Einsätzen, die mit dem bunten Treiben der „fünften Jahreszeit“ in Verbindung zu bringen waren, in 94 % den Lohnfortzahlungsbetrug zweifelsfrei und gerichtsverwertbar nachweisen“, erzählt Lentz. Das spart den Unternehmen nicht nur weitere Ausfälle und Unkosten, sondern verringert auch das Risiko eines langwierigen und kostspieligen Prozesses vor dem Arbeitsgericht. Der Mitarbeiter hätte in einem eindeutig belegten Fall von Lohnfortzahlungsbetrug vor dem Kadi keine Milde zu erwarten.

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