Industrial Usability Auf los geht's auch los -Verpackungsanlagen führen den Bediener durch den Prozess

Autor / Redakteur: Reinhard Kluger / Reinhard Kluger

Komplexität: eine große Herausforderung für die Bediener moderner Verpackungsanlagen. Verarbeiten diese doch die verschiedensten Produkte, dazu noch in unterschiedlichen Gebinden, mit verschiedenen Materialien, in großen oder kleinen Chargen.

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Jörg Riekenbrauck, Uhlmann Pac-Systeme: „Verschiedene Perspektiven der Benutzeroberfläche reduzieren die Komplexität für den einzelnen Benutzer und steigern so die Usability.“
Jörg Riekenbrauck, Uhlmann Pac-Systeme: „Verschiedene Perspektiven der Benutzeroberfläche reduzieren die Komplexität für den einzelnen Benutzer und steigern so die Usability.“
(Uhlmann)

Häufiges Umrüsten und Einrichten ist die Folge. Doch nicht nur Bediener und Einrichter sorgen für einen reibungslosen Betrieb, weitere Tätigkeiten fallen an: Der Instandhalter nimmt Wartungsarbeiten und Reparaturen vor, der Produktionsverantwortliche startet Aufträge, stoppt und dokumentiert sie. Das Controlling überwacht die Wirtschaftlichkeit der Anlagen, der Validierer sorgt mittels entsprechender Validierungstests für Compliance, und Administratoren warten die IT-Systeme inklusive Backup und Archivierung.

Wer Verpackungsanlagen konstruiert, hat immer ein Ziel vor Augen: eine möglichst geringe Komplexität für den jeweiligen Nutzer. Denn um ihn in jeder Bediensituation optimal zur unterstützen, sollten stets nur die für die jeweilige Aufgabe absolut notwendigen Bedienelemente sichtbar und bedienbar sein.

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Maschinengrafiken unterstützen den Bediener

Drei unterschiedliche Perspektiven, so das Konzept der Uhlmann Pac-Systeme GmbH & Co. KG aus Laupheim , halten Bediensituationen in der neuen Maschinenvisualisierung „SmartControl“ stets beherrschbar:

Der technisch versierte Nutzer findet in der klassischen „Maschinen“-Perspektive eine nach Maschinenfunktionen organisierte Sicht der vorhandenen Einstellparameter und Funktionen. Aus dem 3D-Modell der Maschine generierte Maschinengrafiken unterstützen bei der Lokalisierung der Bedienparameter.

Neu ist die zweite Perspektive, der sogenannte Assistent. Sie entstand aus der Fragestellung, wie man insbesondere Bediener mit einer begrenzten Ausbildungszeit an der Maschine bestmöglich unterstützen kann. „Eine noch so exzellent aufbereitete Darstellung der einzustellenden Maschinenparameter reicht hier nicht“, so Jörg Riekenbrauck, Bereichsleiter Elektrotechnik bei Uhlmann, „der Benutzer muss in der jeweiligen Bediensituation abgeholt und geführt werden, indem ihm die jeweils nächsten Handlungsschritte angeboten werden - immer als Leitfaden oder Angebot, nie als Vorschrift. Eben mit Checklistencharakter“.

Bediener folgt den Vorschlägen

Um die Vielzahl an unterschiedlichen Handlungssequenzen überschaubar zu halten, sind diese in eine ganzheitliche übergeordnete Handlungssequenz eingebettet: „Folgt der Nutzer den vorgeschlagenen Bedienschritten, führt es ihn zwangsläufig zu einer produktionsbereiten Maschine.“, so Riekenbrauck.

Alle notwendigen Bedienelemente für Parameteränderungen oder -einstellungen sind dabei in den jeweiligen Handlungsschritten enthalten.

Bereits seit über 10 Jahren arbeitet Uhlmann bei der Gestaltung der Benutzeroberflächen mit dem Designbüro Cadera aus Würzburg zusammen. „Alle wichtigen Aufgaben“, sagt Tom Cadera, Geschäftsführer und Gründer von Cadera Design,, „befinden sich im Assistenten. Die Aufgaben sind prozessorientiert strukturiert “. Cadera definiert vier Hauptphasen: Die Phase des Entstehungsprozesses der Maschine mit Schritten zur Konfiguration und Inbetriebnahme von Maschinenfunktionen und die drei Phasen für den Betrieb: „Vorbereitung der Produktion“, „Produktion“ und „Nachbereitung der Produktion“.

Die Aufgaben untergliedern

Der Assistent gliedert die Aufgaben in wichtige, immer wieder vorkommende, geführte Bedienfolgen. Der Fortschritt ist in jedem Step sichtbar. Und: Je nach Know-how-Level kann der User bis zu jeder Unteraufgabe navigieren und bekommt so detaillierte Informationen zum jeweiligen Bedienschritt. Tom Cadera: "Bei Bedarf kann er auch zur nächsten übergreifenden Aufgabengruppe springen."

In der dritten Perspektive, in Analogie zum Smartphone „Apps“ genannt, werden unterstützende Funktionalitäten wie Betriebsdatenerfassung, Maschinendokumentation, Fernwartung oder auch die Konfiguration des Bediensystems aufgerufen.

Gute Aufgabenorientierung, gutes User Interface

Bei der direkten Parametereingabe erschließt sich die Bedeutung der Maschinenparameter intuitiv. Leistungsfähige Widgets, d.h. einfach zu bedienende funktionsrelevante Bedienelemente, bewirken durch ihre grafische touchoptimierte Gestaltung, dass sich die Funktionen weitestgehend selbst erklären.

Der dunkel gewählte Hintergrund der Bedienoberfläche erlaubt es, mit Signalfarben die Aufmerksamkeit des Benutzers auf aktuelle Anzeigen oder Bedienelemente zu lenken. Bildliche Darstellungen erleichtern die Wiedererkennung, beispielsweise die Darstellung eines Thermometers bei Temperatureingaben.

Mit gewohnter Navigation

Die vom Smartphone her gewohnte Navigation mittels Wischbewegungen erleichtert die schnelle Anwahl des gewünschten Bedienmenüs. Tom Cadera bilanziert: „Die Verpackungsmaschinen von Uhlmann stehen exemplarisch dafür, dass man mit guter Aufgabenorientierung eine leistungsfähige Usability und letztendlich ein gutes User Interface gestalten kann.“

Die ersten Verpackungslinien mit dem neuen Bedienkonzept hat Uhlmann bereits ausgeliefert. Jörg Riekenbrauck hat folgende Reaktionen ausgemacht hat:„Überwiegend große Begeisterung für die neuen Features, aber der eine oder andere hält auch weiter an liebgewonnen Bediengewohnheiten fest.“

Und die Entwicklung geht weiter. Scada, Track+Trace, Energiemanagement und neue Service-Tools stehen zur Entwicklung oder Überarbeitung auf der Agenda des Verpackungsspezialisten. Dabei gilt immer dieselbe Philosophie: Alle Maschinen und Funktionen sollen sofort intuitiv und einfach bedienbar sein, und das überall auf der Welt.

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