Interview mit Renate Pilz „Automatisierung – die sollte sicher sein“

Autor Ines Stotz

Als „Botschafter der Sicherheit“ weltweit geschätzt, bietet Pilz Komplettlösungen für die sichere Automatisierung. Im Gespräch mit elektrotechnik-Redakteurin Ines Stotz erzählt Renate Pilz, Vorsitzende der Geschäftsführung, warum der Name als Synonym für Sicherheit von Mensch und Maschine steht, wie das Unternehmen bereits heute den Anforderungen der Industrie der Zukunft gerecht wird und was es im Messegepäck zur SPS IPC Drives dabei hat.

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(Bild: Pilz)

Frau Pilz, Ihr Unternehmen wird ganz stark am Markt mit einer besonderen Safety-Kompetenz in Verbindung gebracht. Sie adressieren aber auch schon immer das gesamte Automatisierungsspektrum?

Genauso so ist es. Innovation war von Anfang an der Schlüssel zum Erfolg. Wir kommen aus der Automatisierungstechnik und haben in den 60er Jahren elektronische Kontroll- und Überwachungsgeräte sowie speicherprogrammierbare Steuerungsgeräte entwickelt. Etwa die PC4K, die bereits technische Eigenschaften hatte, wie damals noch keine andere SPS. Zu den weiteren Innovationen ab den 90ern gehört das sichere und offene Bussystem Safety Bus p für die dezentrale Vernetzung von Maschinen und Anlagen. Auf dieses erste sichere Feldbussystem, das 1997 vorgestellt wurde, bin ich noch immer sehr stolz. Auch das resultierte aus der stets organischen Entwicklung bei uns im Unternehmen.

Unsere Betrachtungsweise der Automatisierung war immer ganzheitlich. So haben wir die Sicherheit, die als Kundenanforderung an uns herangetragen wurde, sehr ernst genommen und Sicherheit zu unserer Kernkompetenz gemacht. Und nicht nur das, wir haben die Sicherheit nicht nur einfach integriert, sondern wir verschmelzen Sicherheit und Automation. Das bedeutet, wir bieten eine andere Qualität an Automation.

Was gehört für Sie zur Sicherheit dazu?

Es bedeutet mehr als nur ein sicheres Produkt. Dazu gehören natürlich auch Service, Beratung und Engineering, Bereiche, die wir sehr stark aufgebaut haben. In dem Zusammenhang ist es in unserem Haus auch Tradition, eine langlebige Partnerschaft zu unseren Kunden zu pflegen. Diese Themen haben wir auch weltweit verankert. Die Sicherheit des Menschen überall auf der Welt zu gewährleisten, steht dabei an allererster Stelle. Doch auch die Wirtschaftlichkeit von Maschinen und Anlagen steigt, weil der Einsatz von Safety in einer höheren Verfügbarkeit, einer besseren Diagnose und Visualisierung resultiert.

Das Sicherheitsschaltgerät PNOZ hat seit seiner Entstehung Ende der 80er eine beeindruckende Erfolgsgeschichte geschrieben. Welchen Stellenwert nimmt die PNOZ-Familie heute innerhalb Ihres Portfolios und im Markt ein?

Diese Produktfamilie wächst weiter und nimmt nach wie vor einen hohen Stellenwert ein, bei uns im Haus und auch am Markt. Unser 1987 auf den Markt gebrachtes erstes Not-Aus-Schaltgerät PNOZ avancierte innerhalb kurzer Zeit zum weltweit am meisten eingesetzten Sicherheitsschaltgerät. Heute reicht das Spektrum vom klassischen PNOZ X, über das verschleißfreie Sicherheitsrelais PNOZ elog und das konfigurierbare Steuerungssystem PNOZ multi bis hin zu der neuen Gerätereihe der Sicherheitsschaltrelais PNOZ sigma. Mit PNOZ multi zum Beispiel war es 2002 erstmals möglich, Sicherheitsfunktionen einfach per Drag & Drop am PC zu konfigurieren.

Wie auch Industrie-4.0-fähige Produkte, die Sie bereits im Programm haben? Welche Herausforderungen gibt es jetzt in Sachen Sicherheit?

Das ist ein sehr, sehr spannendes Thema. Zunächst einmal ist Industrie 4.0 ohne Sicherheit überhaupt nicht denkbar, sie wird einen noch höheren Stellenwert bekommen. Das schon 2009 auf den Markt gebrachte Automatisierungssystem PSS 4000 für alle Aufgaben der Automatisierung setzte und setzt diese Ausrichtung konkret um. Das Industrie-4.0-fähige System unterstützt Anwender im Engineeringprozess von Anfang bis Ende. Zu den weiteren, Industrie-4.0-fähigen Innovationen gehört das weltweit erste sichere Kamerasystem Safety EYE zur dreidimensionalen Raumüberwachung. Hinzu kommt in gleich wichtiger Weise die Security. Mein Credo: Safety und Security müssen heute als Zwillingspaar gemeinsam in der Automatisierung wirken.

Unser Ziel ist es, praktikable Lösungen und Standards für Industrie 4.0 zu entwickeln. Dabei steht bei Pilz das Thema Safety-Security – wie lassen sich Sicherheits-Standards aus der Industrie auf die IT übertragen – im Mittelpunkt. Wichtig ist für uns auch die Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen und anderen Automatisierungsanbietern. Pilz ist deshalb Mitglied in herstellerunabhängigen Plattformen zu Industrie 4.0, zum Beispiel in der Smart Factory KL und in der Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg.

Industrie 4.0 hat auch Konsequenzen für die Arbeitswelt. Begleiten Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter heute schon auf diesem Weg?

Ein klares Ja. Die Umstellung erfordert eine weit vorausschauende Personalpolitik und Offenheit. Und das machen wir. Denn der Wandel, der sich längst abzeichnet und schon im Begriff ist, den müssen wir frühzeitig aktiv gestalten. Wir schulen und entwickeln die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die erforderlichen Positionen. Das gelingt umso besser, weil wir Industrie-4.0-Produktion bereits selbst praktizieren.

Noch einmal zu Safety EYE, wie hat es sich am Markt etabliert?

Es ist für die Mensch-Roboter-Kollaboration, kurz MRK, absolut prädestiniert und kommt überall dort, wo Mensch und Maschine ohne trennende Schutzeinrichtungen besonders eng zusammenarbeiten sollen, zum Einsatz. Wir haben es in den vergangenen Jahren beständig weiter entwickelt und mit jeder neuen Generation weiter optimiert. Insbesondere die Vielfalt an unterschiedlichen Applikationen, die mit Safety EYE realisiert werden, überrascht uns immer wieder.

Wir können also feststellen, dass sich die Automatisierungstechnik stark weiter entwickelt. Was erwarten denn die Besucher der SPS IPC Drives 2016 auf Ihrem Messestand?

Natürlich ‚sichere‘ Antworten für die Automatisierung. So machen wir beispielsweise mit dem komplett mit Pilz-Lösungen automatisierten Demonstrator die Idee der Smart Factory erlebbar. Die modular aufgebaute Produktionsstraße veranschaulicht die Kommunikation verteilter Automatisierungssysteme. PSS 4000 koordiniert hier den Ablauf aller vernetzten Komponenten.

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Zudem zeigen wir eine Roboter-Applikation, die nach dem Prinzip der Leistungs- und Kraftbegrenzung mit unseren Produkten abgesichert wird und durch Pilz CE-zertifiziert wurde. Eine zentrale Rolle spielt dabei unser neues Kollisionsmessgerät PROB mdf, das Bestandteil des kompletten Dienstleistungsangebots für die Validierung gemäß der neuen Mensch-Roboter-Kollaboration-Norm ISO/TS 15066 ist. Unser Ansatz hier: Es gibt keinen sicheren Roboter. Es kann nur eine sichere Roboterapplikation geben.

Auch beim Thema Sensorik gibt es neue Produkte: Zum Beispiel die Lichtgitter PSEN opt slim, die mit ihrer schmalen Bauform in platzkritischen Anwendungen einsetzbar sind. Und unser ‚altes‘ PNOZ multi ist auch wieder in Nürnberg zu sehen: Das PNOZ multi 2 hat neue sichere Erweiterungsmodule für sein Basisgerät PNOZ m B1 bekommen.

Schließlich, um noch eine Neuheit unter vielen auf unserem Messestand zu nennen, werden wir mit der neuen Generation PSS Universal 2 unsere Erfolgsgeschichte der Universal- Remote I/O Systeme und Steuerungen fortschreiben.

Was wünschen Sie sich persönlich für die Zukunft?

Ich wünsche mir Frieden. Und für unser Unternehmen, dass es sich ‚sicher‘ organisch weiterentwickelt und weiterwächst.

SPS IPC Drives: Halle 9, Stand 370

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