Smart Grid

Bedingt abwehrbereit - Smart Grids in Deutschland

| Redakteur: Robert Weber

Energiewende nur mit Smart Grids

Das Risiko, Opfer eines Angriffs zu werden, lauere voll beim Endkunden, so Pohl. „Der Kunde sendet Verbrauchsdaten ins Netz und in Zukunft sollen sogar Maschinen durch die Intelligenz im Stromnetz gesteuert werden. Dadurch öffnet der Kunde seine Produktion und ermöglicht ein Eindringen in seine Systeme“, legt der Bonner nach. International gibt es eine ganze Reihe schwerer Angriffe auf die nicht so hoch abgesicherten Smart Meter und die Stromnetze, wie vom BSI gefordert, behauptet der Rheinländer.

„Doch ohne Smart Grids keine Energiewende“, mahnt Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energieagentur (Dena) auf einem Energieeffizienz-Kongress in Stuttgart. Die prominenten Firmenlenker lauschten den Ausführungen des Dena-Chefs, sprachen sich für Energieeffizienz in der Produktion aus, wollen Industrie 4.0-Ansätze implementieren und sind in der Mehrheit wohl unwissend, welche Risiken in den intelligenten Netzen lauern, die auch den Traum von der „smart factory“ bedrohen könnten. Doch Pohl beruhigt: „Es existieren Lösungen am Markt, die Schutz bieten. Fünf Anbieter arbeiten an Smart Meter Gateways auf der Basis der BSI-Richtlinie. Zertifizierte Smart Meter Gateways könnten eine starke, verbesserte Firewall sein, die das Netz schützen.“

Ergänzendes zum Thema
 
Eine Netzaffäre?

Aber es hapert noch an der Zertifizierung der Lösungen. Zwei Firmen befinden sich laut BSI zurzeit in dem Prüfungsprozess des Amts. Die Antragssteller sind die Landis + Gyr AG sowie die Openlimit Sign Cubes AG mit der Power Plus Communications AG. Der Behörde BSI den schwarzen Peter zuzuschieben ist allerdings nicht zielführend, denn im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) findet sich schon heute die Aufforderung, wenn Smart Meter Gateways verfügbar seien, diese dann auch einzusetzen. Das Problem, so Experten: Die Bundesregierung habe die Sicherheitsrichtlinie TR-03109 nicht zügig freigegeben und deshalb arbeite man erst seit kurzem an der Prüfrichtlinie. Bei der Power Plus Communications AG planen die Entwickler 2015 erste Proberollouts. Ein Jahr später fällt dann der Startschuss für den flächendeckenden Einbau.

Die Anforderungen an die Systeme: Der Gateway der Geräte muss drei Netzwerk-Domänen sicher miteinander verbinden können. Dafür muss am Gateway ein zusätzliches Sicherheitsmodul installiert sein, das sämtliche Messwerte signiert und kryptografisch verschlüsselt.

„Wir befinden uns in der Erprobungsphase. Gegenwärtig testen wir mit Energieversorgern den Einsatz der Smart Meter Gateways. Ziel ist es, anstehende Prozessveränderungen durch den Einsatz der neuen Technik früh zu erkennen“, erklärt Thomas Wolski, Produktmanager bei Power Plus Communications AG. Denn auf die Versorger kommen mit den Gateways neue Rollen, Prozesse und Systemlandschaften und Kosten zu. „Der Preis pro Stück liegt wohl bei unter 100 Euro“, meint Pohl. Annegret-Cl. Agricola, Bereichsleiterin Energiesysteme und Energiedienstleistungen bei der Dena rechnet bei einer Ausstattung von einer Million Messpunkten mit Investitionssummen zwischen 467 bis 837 Mio. Euro. „Die Kosten umfassen neben der Anschaffung der Endgeräte auch den Aufbau der notwendigen Infrastruktur, also auch die Anschaffung von Gateway-Technik. Inwieweit diese Kosten auf die Verbraucher umgelegt werden, ist aktuell noch in der Diskussion und hängt unter anderem auch davon ab, ob sich günstige Marktlösungen durchsetzen und den Verbrauchern durch den Einsatz von intelligenter Steuerung zukünftig auch ein Nutzen erwächst“, erklärt die Expertin. Große Energieunternehmen werden die Systeme zügig installieren, kleinere Stadtwerke wohl kaum. Die warten ab, lassen sich verklagen und handeln dann erst, vermutet ein Fachexperte, der ungenannt bleiben will.

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