Unternehmensfinanzierung (Teil 3) Beim Umlaufvermögen ist mehr nicht besser

Autor / Redakteur: Rainer Wieser / Wolfgang Leppert

Wer just-in-time produziert ist darauf angewiesen, dass Zulieferer jederzeit liefern können. Diese müssen deshalb oft umfangreiche Lagerbestände vorhalten. Genau an diesen Punkt knüpft die Finanzierung des Umlaufvermögens an.

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Umlaufvermögen sind Vermögenswerte, die nur kurzzeitig im Unternehmen bleiben und deren Bestand sich laufend ändert: flüssige Mittel, geleistete Anzahlungen, Vorräte, Lager oder ausstehende Forderungen. Mit dem Anlagevermögen bildet das Umlaufvermögen die Aktiv-Seite einer Bilanz. Umlaufvermögen muss nicht notwendigerweise durch langfristiges Kapital finanziert werden, vielmehr gibt es etliche andere attraktive, kurzfristigere Finanzierungsinstrumente — sowohl für Vorräte als auch für Erzeugnisse.

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Borrowing Base: Wer unter stark schwankenden Rohstoffpreisen leidet, dem hilft diese Finanzierungsform mit einem flexiblen Betriebsmittelkredit. Die mit einer Finanzierungsgesellschaft vereinbarte Kreditlinie wird angepasst an den aktuellen Wert der zu finanzierenden Waren, Forderungen oder Commodities genutzt. Der Mehrwert ist eine langfristige, stabile Liquiditätssicherung. Als angenehmer Nebeneffekt geben die häufig daran geknüpften Borrowing Base-Reports als externes Controllinginstrument Aufschluss über den Wert der Sicherheiten.

Streckengeschäfte: Hier werden die Rohstoffe gar nicht erst an den Großhändler geliefert, sondern direkt vom Hersteller an den Einzelhändler. Der Großhändler hat nur eine disponierende Funktion, indem Auftrags-, Rechnungs- und Zahlungsweg über ihn führen. Er spart Lager- und Transportkosten bei verkürzten Lieferfristen — was wiederum den Koordinationsaufwand erhöht.

Off-Balance-Finanzierung: Diese Form ist sowohl zur Vorrats- wie zur Absatzfinanzierung geeignet. Die Finanzierungsgesellschaft erwirbt vom Unternehmen oder Lieferanten Erzeugnisse oder Produktionsmittel und lagert diese in einem Konsignationslager, aus dem das Unternehmen nach Bedarf Waren entnimmt. Verwaltung, Administration und Lagerhaltung erfolgen im Regelfall durch das Unternehmen selbst. Erst mit der schrittweisen Entnahme sind die Rechnungen fällig. Die Vorteile liegen auf der Hand: Erhöhung der Liquidität, Erweiterung des Finanzierungsvolumens, positive Bilanzeffekte durch Bilanzverkürzung, Schonung bestehender Sicherheiten und Einsatzmöglichkeit parallel zur Bankenfinanzierung.

Factoring/Forfaitierung: Ein oft mühseliges Eintreiben ausstehender Forderungen wird durch Factoring umgangen, das sich bei stabiler Kundschaft und regelmäßigen Abrechnungen eignet. Die Factoring-Gesellschaft erwirbt gegen Bezahlung des Forderungskaufpreises — das ist der Betrag der tatsächlich bestehenden Forderungen abzüglich eines Diskonts — die Forderungen des Factoring-Kunden gegen seinen Abnehmer. Neben dem Ausfallrisiko übernimmt das Factoring-Unternehmen beim echten Factoring auch das Forderungsmanagement. Ein weiterer Vorteil ist die tägliche Barliquidität auf dem Konto des Factoring-Kunden. Dies verhindert eine mögliche Existenzgefährdung durch Forderungsausfälle, hebt die Eigenkapitalquote (sofern die freie Liquidität zum Tilgen von Verbindlichkeiten eingesetzt wird) und verbessert das Rating. Forfaitierung eignet sich dagegen für Einzelgeschäfte mit kurz- bis mittelfristigen Zahlungszielen und wird vor allem bei Exportgeschäften angewandt. Der Forfaiteur übernimmt neben dem Zahlungs- auch das politische Länderrisiko.

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