Unternehmensfinanzierung (Teil 5) Beteiligungskapital bietet vielfältige Chancen abseits der Börse

Autor / Redakteur: Rainer Wieser / Wolfgang Leppert

Außerbörsliche Beteiligungen haben jetzt auch in Deutschland eine beachtliche Dimension erreicht. Mehr als eine Mio. Beschäftigte arbeiten in über 6.000 Private Equity-finanzierten Unternehmen, die häufig auch ein überdurchschnittliches Umsatzwachstum erzielen.

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Nicht selten jedoch stößt der Begriff bei Kapital suchenden Unternehmern auf Ablehnung – und zwar völlig unbegründet: Es existieren zahlreiche interessante Lösungen, bei denen Unternehmer weder ihre Entscheidungsbefugnis noch ihre Mehrheitsbeteiligung aufgeben müssen. Zudem bietet Beteiligungskapital weit mehr als lediglich einen Ersatz zum momentan schwieriger erhältlichen Bankkredit.

Beim Beteiligungskapital geht es um Finanzierungen, mit denen sich Investoren am Wert und Erfolg eines anderen Unternehmens beteiligen und einen bestimmten Anteil des Eigenkapitals stellen. Im Gegensatz zum Fremdkapital muss Beteiligungskapital nicht zurückgezahlt werden, sondern der Investor steigt in der Regel nach einem mittelfristigen Zeitraum wieder aus — indem er seinen Anteil an einen anderen Käufer veräußert, beispielsweise einen anderen Gesellschafter oder eine andere Beteiligungsgesellschaft. Der Einstieg einer Beteiligungsgesellschaft eröffnet finanziellen Spielraum für Investitionen und erweist sich in den meisten Fällen als ein regelrechter Wachstumsmotor. Bei den allermeisten Gesellschaften beträgt der zeitliche Horizont des Engagements etwa fünf Jahre. Je nach Höhe der Beteiligung wird generell unterschieden in Mehrheits- oder Minderheitsbeteiligungen. Anlässe sind Start-up-Finanzierungen, Buy-Outs oder Wachstumsfinanzierungen.

Management-Buy-Out/Buy-In als vielversprechende Option gerade für den Mittelstand

Beim Management-Buy-Out übernehmen das vorhandene Management (oder Teile davon) das Unternehmen, meist mit Kapital von Private Equity-Firmen. Beim Management-Buy-In dagegen sind es entweder externe Manager, von denen die Initiative zum Kauf ausgeht, oder Eigenkapitalinvestoren, die ein externes Management einsetzen. Spektakuläre Großtransaktionen sind hier nicht die Regel, es handelt sich vielmehr meist um kleinvolumige Käufe von mittelständischen Unternehmen oder abgespaltenen Konzernteilen. Beim Buy-Out profitiert der Verkäufer sowohl von einer starken Verkürzung des Due Diligence-Prozesses als auch von einer hohen Transaktions-Wahrscheinlichkeit. Immer öfter erwächst eine solche Idee auch im Zuge eines Nachfolgeproblems: Steht im familiengeführten Betrieb kein geeigneter Nachfolger bereit, ist die Übergabe der Geschäfte an ein internes oder externes Management eine Erfolg versprechende Option. Interessant für solche Transaktionen sind vor allem Unternehmen mit stabilem Cash-Flow und einem etabliertem Geschäftsgegenstand.

Beim Owner-Buy-Out, einer Sonderform des Buy-Out, erwerben die oder der Eigentümer über eine Erwerbergesellschaft das eigene Unternehmen. Hierbei nimmt die Erwerbergesellschaft ein Darlehen auf, um den Kaufpreis oder Teile davon bezahlen zu können. Bei einer Variante verkauft der Eigentümer seine Geschäftsanteile – eventuell gestaffelt – an die Erwerbergesellschaft, die von einer Private Equity Gesellschaft beherrscht wird, und beteiligt sich nur mit einer Minderheit an der Erwerbergesellschaft. Dadurch partizipiert er weiter am Unternehmenserfolg und kann sich schrittweise aus dem Management verabschieden bzw. gewinnt Zeit bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger.

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