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Big Data in der Produktion

Big Steel

| Redakteur: Robert Weber

Wie sich aus den Big Data einer glühenden Stahlproduktion Erkenntnisse herauskochen lassen, will ein Team aus 4.0-Experten herausfinden. Das Projekt iProdict zielt auf Echtzeit-Hebel für Qualität und Prozesse.

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Was bringen Daten, wenn Unternehmen sie nicht nutzen können? Wissenschaftler hauchen den Daten Leben ein.
Was bringen Daten, wenn Unternehmen sie nicht nutzen können? Wissenschaftler hauchen den Daten Leben ein.
(Bild: Jim Sher unter CC BY-ND 2.0, Flickr.com )

„Jeder Hersteller fürchtet ein Wort wie der Teufel das Weihwasser, und das heißt Rückrufaktion.“ Mit diesem Bild skizziert Dr. Karlheinz Blessing plakativ, was er sich von dem kürzlich in Völklingen initiierten Big-Data-Projekt iProdict auf lange Sicht erhofft. „Eventuell können wir auch auf einzelne Prozessschritte verzichten“, ergänzt der Vorstandsvorsitzende der Saarstahl AG, „weil die Prozesse sicherer werden.“ iProdict steht für Intelligent Process Prediction based on Big Data Analytics, ein neues Forschungsvorhaben im Stahlwerk – also mitten im Herzstück einer traditionsreichen Prozessindustrie.

Gemeinsam mit Partnern wie dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken, der Software AG, dem Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme( IAIS), Prognose-Spezialist Blue Yonder GmbH und Erkennungs-Experten Pattern Recognition Company GmbH soll bei Saarstahl eine Anwendung entstehen, die mögliche Qualitätsschwankungen schon erkennt, bevor sie überhaupt auftreten. „Es geht darum, immer früher Anomalien zu erkennen und darauf zu reagieren“, erklärt Dr. Wolfram Jost, Technologievorstand bei der Software AG in Darmstadt.

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Rund 70 Prozent der Produktion liefert der Stahlkonzern an die Automobilindustrie. Qualität ist da ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. „Die Stahlproduktion ist heute ohne IT nicht mehr vorstellbar. Weil die Prozesse so komplex sind, ist 4.0 die logische Fortsetzung dessen, was wir machen“, erklärt Blessing. „Wir brauchen das auch. Wir bewegen uns in einer Branche, die mit Überkapazitäten besetzt ist. Da muss man einfach besser sein.“

Saarstahl erzeugt jedes Jahr rund 2,5 Millionen Tonnen Stahl. Dabei fallen im Laufe eines Jahres mehr als 100 Terabyte Prozessdaten über ein komplexes Netzwerk aus Sensoren an. Big Data. Ein geeignetes Szenario also für das mit drei Millionen Euro vom Bundesforschungsministerium geförderte iPRrodict. „Wir erhoffen uns hier in einer klassischen Produktion ein Leuchtturmprojekt zu schaffen. Prozessketten, wie wir sie hier finden mit den Sensordaten und Zwischenmessungen, haben erstaunliche Ähnlichkeit mit denen anderer Industrien“, erklärt Dr. Frank Kienle, Elektrotechniker Data Scientist bei Blue Yonder in Karlsruhe. „Viele Daten an sich bieten jedoch noch keinen Mehrwert. Die Grundfrage ist, wie filtern wir aus den 4.0.-Anwendungen die für den Mehrwert relevanten Informationen heraus?“

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