China Fünf Gründe, warum die chinesische Wirtschaft unter Druck steht

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Verwerfungen am Immobilienmarkt, fehlendes Vertrauen bei Konsumenten und vielleicht auch noch eine Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus: Obwohl Chinas Wirtschaft sich zuletzt stabilisiert hat, bleiben die Herausforderungen im neuen Jahr groß.

Für China wird 2024 kein einfaches Jahr. (Bild:  Destina - stock.adobe.com)
Für China wird 2024 kein einfaches Jahr.
(Bild: Destina - stock.adobe.com)

Die chinesische Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf. Wie das Pekinger Statistikamt am Mittwoch mitteilte, beschleunigte sich das Wachstum im vierten Quartal auf ein Jahresplus von 5,2 Prozent. Damit wurde das offizielle Wachstumsziel der Regierung sogar leicht übertroffen. Allerdings bleibt die Erholung nach der Corona-Pandemie fragil. Auch deutsche Unternehmen hoffen, dass Peking der Wirtschaft unter die Arme greift - und sich um die größten Baustellen der zweitgrößten Volkswirtschaft kümmert:

Krise auf dem Immobilienmarkt

Die Immobilienkrise in China zeigt weiterhin ihre Wirkung. Große Immobilienentwickler stehen vor massiven Schuldenproblemen, die Risiken für das Bankensystem und die breitere Wirtschaft bergen. Allein der chinesische Immobilienriese Evergrande hat Schulden in Höhe von mehr als 300 Milliarden US-Dollar (rund 276 Milliarden Euro) angehäuft. Im Januar 2022 kündigte das Unternehmen einen Restrukturierungsplan an, konnte sich aber bisher nicht mit seinen Gläubigern einigen. Der nächste Gerichtstermin steht Ende Januar an. Peking versucht zwar, den Markt zu stabilisieren, doch die Aussichten bleiben ungewiss.

Zurückhaltung beim Konsum

Auch weil ihre Wohnungen plötzlich weniger wert sind, halten sich viele Chinesen beim Geldausgeben zurück. Das zeigt sich sowohl an der Ladenkasse als auch bei größeren Anschaffungen, die wegen der bestehenden Unsicherheiten aufgeschoben werden. Der Konsum erholt sich nach der Corona-Pandemie langsamer, als es die chinesischen Wirtschaftsplaner gehofft hatten. Auch deutsche Unternehmen sehen in der Vertrauenskrise der Konsumenten ein Problem, so Jens Hildebrandt, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer (AHK) in Peking. Man stellt sich auf eine Fortsetzung der Hängepartie ein.

Die Preise fallen

Vor dem Hintergrund der geringen Nachfrage sind die Verbraucherpreise in China im Dezember im Jahresvergleich um 0,3 Prozent gesunken. Es war bereits der dritte Monat in Folge mit einem Minus. Ökonomen sehen in dem Trend ein Warnzeichen, dass China in eine längerfristige Deflation rutschen könnte. Deflation ist das Gegenteil von Inflation und bezeichnet den Rückgang des allgemeinen Preisniveaus. Ein Preisverfall auf breiter Ebene entsteht, wenn sich Verbraucher in Erwartung immer weiter sinkender Preise mit Käufen zurückhalten, was wiederum Umsatz, Gewinn und Investitionen von Unternehmen drückt.

Die Bevölkerung schrumpft

China leidet seit langem unter einem starken Geburtenrückgang und einer Überalterung der Bevölkerung. Die Auswirkungen der jahrzehntelangen „Ein-Kind-Politik“ werden jedoch immer deutlicher. Bereits das zweite Jahr in Folge ging die Bevölkerung im vergangenen Jahr zurück, wie das Pekinger Statistikbüro am Montag berichtete.

9,02 Millionen Babys kamen in China noch zur Welt. Gleichzeitig stieg die Zahl der Todesfälle auf 11,1 Millionen. Die Lockerung der umstrittenen Geburtenkontrolle hat seit 2016 nur kurzfristig zu einem leichten Anstieg der Geburtenzahlen geführt. Experten sehen in den hohen Kosten für Wohnen, Bildung und Gesundheitsversorgung in China sowie in der sinkenden Heiratsbereitschaft die eigentlichen Gründe für die besorgniserregende Entwicklung.

Wahlen in den USA sorgen für Unsicherheit

Unsicherheiten ergeben sich für die chinesische Wirtschaft auch durch die geopolitische Lage. Die chinesische Industrie leidet unter der Blockbildung zwischen Ost und West. So hat Washington etwa im Wettlauf um die Entwicklung künstlicher Intelligenz verschärfte Restriktionen für Chiplieferungen nach China beschlossen. Hinzu kommt, dass in den USA in diesem Jahr Wahlen anstehen. Sowohl Republikaner als auch Demokraten schlagen dann für gewöhnlich besonders harte Töne gegen China an. Besonders bitter dürfte es für Peking werden, sollte Donald Trump erneut ins Weiße Haus einziehen. Er war in seiner Amtszeit der Auslöser für die deutlich härtere Gangart gegenüber China.

(ID:49876555)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung