Interview mit Rahman Jamal

Controller für das nächste große Ding

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In Zukunft wird wohl ein Teil der Daten im Feld – in den Edge Controllern – und ein Teil übergeordnet in der Cloud verarbeitet werden. Sehen Sie die Anwender für diese IT-technologische Herausforderung schon gewappnet? Inwiefern stehen Sie als Technologie-Lieferant den Anwendern diesbezüglich bei?

Wir unterstützen Anwender, solche Aufgaben umzusetzen. Durch aktive Mitarbeit an verschiedene Initiativen wie etwa dem Arbeitskreis „Sensorik in der Produktion im Kontext von Industrie 4.0“ des Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquiums sowie aktiven Mitgliedschaften in den unterschiedlichen Konsortien wie etwa der AvNU Alliance oder dem IIC sind wir Pionier in diesem Bereich.

Ein Hauptaugenmerk des IIC zum Beispiel liegt auf dem Generieren so genannter Testbeds. Mit solchen Prüfständen sollen die neuesten Innovationen und Möglichkeiten des Industrial Internet initiiert, durchdacht und auf ihre Markttauglichkeit getestet werden. Das erste von mittlerweile vier Testbeds unter unserer Mitwirkung namens Track and Trace Testbed, entstand zusammen mit Bosch, Cisco und Tech Mahindra und wurde anlässlich der Bosch Connected World im Februar 2015 vorgestellt.

Hintergrund ist die intelligente Fabrik. Die Fabrik von heute ist hochentwickelt und erfordert ein exaktes Arbeiten – bis hin zum exakten Drehmoment, um eine Schraube festzuziehen. So lässt sich mit intelligenten Tools und Prozessen die Position eines Funk-Akkuschraubers innerhalb einer Werkhalle genau ermitteln. Abhängig davon ist sodann automatisch das richtige Drehmoment für die jeweilige Aufgabe wählbar, was es wiederum ermöglicht, sicherheitsrelevante Schrauben stets mit exakt der vorgeschriebenen Kraft anzuziehen. Mögliche Anwendungsgebiete solch vernetzter handgehaltener Schraub-, Niet- oder Messwerkzeuge finden sich beim Bau und der Wartung von Motoren und Flugzeugen. Ich kann mir vorstellen, die Daten mit den Edge-Controllern direkt im Feld zu messen und dann in die Cloud zu schicken.

Apropos IIC-Testbed – Sie erwähnten, dass Sie gerade an einem neuen arbeiten, zum Thema TSN. Können Sie dazu etwas mehr erzählen?

Selbstverständlich! Es entsteht in Kooperation zwischen Bosch Rexroth, Cisco, Intel, Kuka, Schneider Electric und TTTech. Zusammen arbeiten wir an der Entwicklung des weltweit ersten industriellen TSN-Testbeds – mit dem Ziel, eine Netzwerkinfrastruktur für das IIoT und Industrie 4.0 bereitzustellen. Um neue digitale Technologien und vernetzte Produktionsprozesse nutzen zu können, ist ein zuverlässiger und sicherer Zugriff auf Smart-Edge-Geräte erforderlich. Außerdem ist es unabdingbar, Standard-Netzwerktechnologien weiterzuentwickeln, um den Anforderungen der nächsten Generation an industriellen Systemen gerecht zu werden. Nur so lässt sich die Art der Nutzung von Maschinen, Stromnetzen und Verkehrssystemen optimieren.

Dieses Testbed, für dessen physikalischen Aufbau NI als Host die Hauptverantwortung trägt, soll den Live-Einsatz von TSN in der Praxis in einem Fertigungskontext demonstrieren. Es soll den Weg für eine offene Standard-Netzwerkarchitektur ebnen, bei der sich Technologien verschiedener Hersteller integrieren und deren Interoperabilität gewährleisten lassen. Zusätzlich sorgt er für noch nie dagewesene Leistung und Zuverlässigkeit. Der neue IEEE-802-Ethernet-Standard TSN ermöglicht die Echtzeit-Steuerung und -Synchronisierung beispielsweise zwischen Motorsteuerungen und Industrierobotern – über ein einziges Ethernet-Netzwerk. Gleichzeitig unterstützt er aber weiteren Datenverkehr, wie er in Fabriken üblich ist, und sorgt somit für Konvergenz zwischen IT- und Betriebstechnologien.

Viele Echtzeit-Regel- und Steueranwendungen wurden bisher in nicht miteinander verbundenen Netzwerken oder in nicht standardisierten Netzwerkinfrastrukturen umgesetzt. Auf Geräte und Daten zuzugreifen, war schwierig, wenn überhaupt möglich. Der Mehrwert von TSN liegt genau in dieser gesteigerten Konvergenz und den erweiterten Anbindungsmöglichkeiten. So ist der Zugriff auf wichtige Daten gewährleistet, die der Anwender benötigt, um Big Data Analytics durchzuführen und somit Betriebsabläufe zu verbessern sowie neue Geschäftsmodelle auf Basis intelligenter, vernetzter Systeme und Maschinen zu schaffen.

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