Finanzierung Crowdfunding hat Grenzen

Redakteur: Carina Schipper

Cloud & Heat Technologies will sich vergrößern und seine Ideen vorantreiben. Über eine Online-Plattform suchte der Anbieter cloudbasierter Rechenleistungen, deren Abwärme zum Heizen oder Erwärmen von Wasser dient, nach Investoren.

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Als Energieträgermedium dienen Wasser und Luft.
Als Energieträgermedium dienen Wasser und Luft.
(Bild: Cloud & Heat)

Mithilfe von Seedmatch, einer Crowdfunding-Plattform, haben die Dresdner eine Million Euro von privaten und institutionellen Anlegern eingesammelt. Hinter Seedmatch verbirgt sich die erste und größte Crowdfunding-Plattform für Start-Ups in Deutschland. Über das Finanzierungsmodell für Risikokapital kann eine Vielzahl Interessierter innerhalb eines bestimmten Zeitfensters mit einem Betrag von mindestens 250 Euro in junge Unternehmen und deren Entwicklungen und Ideen investieren. Die teilnehmenden Betriebe stellen sich auf der Website der Plattform mit einer Videobotschaft vor. Mögliche Investoren können sich genau über das jeweilige Projekt und die Rahmenbedingungen informieren. Neben dem Förderziel und dessen aktuellen Zwischenstand bekommen sie beispielsweise die Anzahl der bisherigen Anleger und die Restlaufzeit des Fundings angezeigt. Nach der Registrierung im Online-Portal können die Anleger weitere Details, wie den Businessplan oder Vertragliches, einsehen und über eine Dialogfunktion mit dem Bewerber Kontakt aufnehmen. Seit der Einrichtung der Website im August 2011 führte Seematch bereits 71 Finanzierungsrunden durch. Dabei wurden knapp 21 Millionen Euro für Existenzgründer erwirtschaftet.

Zwei Initiativen brachten unterschiedliche Ergebnisse

Im ersten Anlauf kamen für Cloud & Heat vor gut anderthalb Jahren, Mitte 2013, durch diese Methode der Kapitalbeschaffungs von 883 Investoren eine Million Euro zusammen. Der Erlös aus der zweiten Finanzierungsrunde im Dezember vergangen Jahres sollte unter anderem die Entwicklung weiterer Cloud-Produkte, die geplante Übertragung des Geschäftsmodells auf den US-amerikanischen Markt und die Ausdehnung der Marketing- und Vertriebstätigkeiten der Energie-Pioniere fördern. Für die zweite Finanzierungsrunde setzen sie die Zielsumme bei fünf Millionen Euro an. Doch die Aktion scheiterte. Am Ende brachte das zweite Crowdfunding lediglich 86.250 Euro ein. Die Grenzen für ein erfolgreiches Funding lag aber bei 400.000 Euro. Deshalb erhielt Cloud & Heat aus der Aktion überhaupt kein Geld. Die Ursachen dafür liegen laut Geschäftsführer Nicolas Röhrs in drei verschiedenen Bereichen. „Das Wachstum beziehungsweise die Wachstumsraten eines mittlerweile etablierten Unternehmens wie Cloud&Heat schreitet natürlich langsamer voran, als bei einem kleinen jungen Start-Up.“, sagt Röhrs. Dann gab es das Thema der vermeintlich hohen Bewertung, das einigen in der Crowd aufgestoßen ist. „Wir haben es des Weiteren nicht geschafft, ein Momentum oder einen Anfangshype zu erzeugen. Der Zeitpunkt vor Weihnachten war wahrscheinlich auch nicht der richtige. Und wir hatten Pech mit Vibewrite, dem Start-Up, das kurz vor unserem Crowdfunding Insolvenz anmelden musste. Das kam natürlich zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt.“ Um die gesetzten Ziele trotzdem erreichen zu können, sprach Cloud & Heat mit seinen Altinvestoren. Sie unterstützten den Server-Spezialisten 3,3 Millionen Euro. „Mit dem Engagement unserer Investoren bleiben wir bei der Entwicklung des Unternehmens im straffen Zeitplan.“, äußert sich der Cloud&Heat-Gründer und -Geschäftsführer René Marcel Schretzmann.

Zwei Märkte miteinander verbinden

Die Geschäftsidee des 2011 unter dem Namen Ao-Terra gegründeten Betriebs kombiniert den klassischen Heizungsmarkt mit dem stark zunehmenden Cloud-Markt. Die Sachsen stellen für ihre Kunden cloudbasierte Rechenleistungen bereit und verwenden die Abwärme der Server zum Heizen von Gebäuden oder Erwärmen von Wasser. Als Energieträger dienen Wasser und Luft. Die dezentralen Rechenzentren besitzen eine direkte Wasserkühlung mit einer Ausgangstemperatur von 55° C. Ein Wärmetauscher gibt die Energie an einen Pufferspeicher weiter. Damit lässt sich beispielsweise Trinkwasser aufbereiten oder Heizen. Bei Gebäuden mit zentralen Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung nutzt das System die luftseitige Abwärme der Server. Mitgründer Dr. Jens Struckmeier beschreibt die Technologie anhand des Beispiels eines Mehrfamilienhauses der Wohnungsgenossenschaft Aufbau in Dresden: „Im Keller stehen 20 Server. Die Wärmeenergie übernimmt die Trinkwasseraufbereitung, einen Teil der Gebäudeheizung und wird ergänzt durch das Fernwärmenetz der Drewag in Dresden. Unsere Schränke liefern 110.000 kWh Wärme im Jahr und sparen 240 t CO2.“ Die Serveranlagen gehören Cloud & Heat und die Firma übernimmt auch die Instandhaltung der Geräte. Ein- bis zweimal im Jahr prüfen die Service-Mitarbeiter die Rechenzentren und tauschen Filter aus. „Viele Komponenten arbeiten redundant.“, berichtet Struckmeier, „So müssen wir nicht bei jedem Pumpenausfall sofort einen Serviceeinsatz machen.“ Das System läuft auch bei kleineren Störungen oder Ausfällen weiter.

Kurze Wege gewährleisten Energieeffizienz

Die Rechenzentren beruhen auf einer Cloud-Lösung, was zwei Vorteile nach sich zieht. Der erste Aspekt ist Flexibilität hinsichtlich des Standorts. Die Serverschränke lassen sich direkt am Ort der benötigten Wärme aufstellen. Die Energie muss bis ihrem Verwendungsort keine langen Wege zurücklegen. Nur wenig geht oder nichts geht verloren. Zusätzlich sparen die Kunden durch den Wegfall der Gebäudekosten und der Klimatisierung der Cloud-Server Energie und Geld, heißt es aus Dresden. „Durch die Abwärmenutzung betreiben wir die effizientesten Rechenzentren, die es auf dem Markt gibt.“, behauptet Struckmeier. Der zweite Nutzen bezieht sich ebenfalls auf die räumliche Unabhängigkeit der Serverschränke.„Dezentrales Rechenzentrum bedeutet, dass Ihre Daten über mehrere Standorte hinweg gespeichert werden. Dies ermöglicht eine höhere Verfügbarkeit der Daten und führt zu einer kürzeren Latenzzeit bei lokalen Diensten.“, betont Cloud & Heat auf seiner Homepage. Die Sicherheit spielt dabei eine wichtige Rolle. „Gleichzeitig achten wir auf höchste Sicherheitsstandards: Die genauen Standorte werden nicht bekannt gegeben. Zu den Serverschränken in den Gebäuden haben die Gebäude-Eigentümer keinen Zugang. Zugang zu den Serverschränken haben ausschließlich Mitarbeiter von Cloud & Heat. Darüber hinaus sind die Serverschränke mit verschiedenen Mechanismen und Algorithmen geschützt. Die Ablage der Daten erfolgt komplett verschlüsselt.“

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