Automation Valley Nordbayern Update Das 9. Kooperationsforum fand bei Wieland Electric GmbH in Bamberg statt

Redakteur: Reinhard Kluger

Bei Wieland Electric trafen sich am 13. März die Besucher des 9. Kooperationsforums Automation Valley Nordbayern. Rund 100 Unternehmen folgten den Einladungen der nordbayerischen Industrie- und Handelskammern und dem Cluster Mechatronik & Automation. Schwerpunkte waren Informationen zum Thema Mechatronik und Rückblicke auf beispielhafte Kooperationen, die Vorlagen für weitere Aktivitäten der Unternehmen hinsichtlich Wirtschaftsförderung sein sollten.

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Das 9. Kooperationsforum fand bei Wieland Electronic GmbH in Bamberg statt.
Das 9. Kooperationsforum fand bei Wieland Electronic GmbH in Bamberg statt.
( Archiv: Vogel Business Media )

„Mit rund 40.000 Beschäftigten in Oberfranken ist der Bereich Automatisierungstechnik eine wichtige Säule der regionalen Wirtschaft“, so der Vorsitzende des IHG-Bamberg und Vizepräsident der IHK Bayreuth, Heribert Trunk in seiner Eröffnung. Beispielhaft für diese Branche in der Region sei das Unternehmen Wieland Electric GmbH, das als Gastgeber selbst Arbeitgeber für 2.400 Beschäftigte ist. Mit 17 Standorten weltweit und seit dem Jahr der Gründung 1910 in Familienbesitz, produziert die Wieland Electric GmbH Steckverbindersysteme für Gebäudeinstallation, für die Automation, für Solartechnik und für den Maschinen- und Anlagenbau. „Die Schwerpunkte des Unternehmens Wieland liegen in den drei Bereichen Elektronik, Automation Technology und Building Installation“, so Norbert Bedau, Vertriebsleitung Deutschland in seiner Unternehmenspräsentation. Konkrete Eindrücke sammeln konnten die Teilnehmer in der interessanten Betriebsführung durch die Kunststoffteilefertigung, durch die Metallverarbeitung und die Galvanik.

Pradigma Mechatronik

Als Highlight des Tages angekündigt, referierte Prof. Dr. Gunther Reinhart in seiner Funktion als Clustersprecher Mechatronik & Automation und als Inhaber des Institutes für Werkzeugmaschinen und Betriebswissenschaften (iwb) der TU München über das Paradigma Mechatronik und seine technischen, organisatorischen und personellen Voraussetzungen. „Mechatronik findet in den Köpfen statt!“ war eine der Botschaften Reinharts, der sich vor allem ausführlich den personellen und organisatorischen Voraussetzungen widmete. „Der Mensch mit seinen Bedürfnissen und Ängsten steht im Mittelpunkt, nicht der Prozess oder das Produkt“, so Reinhart. Anhand einiger ausgewählter Beispiele aus seinem Institut zeigte er auf, wie sich die Mechatronik in den Köpfen der Maschinenbauer manifestiert und welchen Mehrwert der mechatronische Lösungsansatz den Unternehmen bringen kann, vorausgesetzt, „man geht durch die Quality-Gates hindurch, und lässt die Meilensteine nicht am Rande liegen“. Der Mensch im Unternehmen sei der Erfolgsfaktor und gemäß der 20-60-20 Regel, dass 20% der Beschäftigten den Überblick haben, 60% ihrer Arbeit nachgehen und die restlichen 20% die gefährlichen für das Unternehmen sind, weil sie dem Unternehmen aufgrund von Unwissendheit schaden können, sei es wichtige Voraussetzung, Schnittstellen mit Generalisten zu besetzen und auf das Fachwissen von Spezialisten zurückzugreifen.

MES in der Praxis: Erfolge und Realisationen

Als Spezialist auf dem Gebiet der Manufacturing Execution Systems (MES) zeigte Detlev Riedel, Vorstandsvorsitzender der Xavo AG, Bayreuth den Teilnehmern das gesamte Spektrum an Möglichkeiten auf, wie Produktionsprozesse so effektiv wie möglich gestaltet und organisiert werden können. Dabei betonte auch er wie sein Vorgänger Prof. Reinhart die „kulturellen Differenzen“ unterschiedlicher Abteilungen. „Im Unternehmen gibt es keine Fertigung ohne funktionierende Betriebswirtschaft – und umgekehrt.“ So sein Credo. Wichtig sei es, „die unterschiedlichen Unternehmensbereich sowohl vertikal, horizontal und diagonal zu integrieren. Dabei steht die Fertigung im Spannungsfeld von Business, Service, Lieferant, Kunde, Design und Produktion. Und genau diese Spannungen müssen bewältigt werden“, so Riedel weiter.

So spart Gebäudeautomatisierung Energie

Um Spannungen ging es auch im Vortrag von Thomas Schlicher, Leiter der Business Unit Electronic bei Wieland in seinem Vortrag zur Energieverteilung in der Industrie- und Gebäudeautomation. Wurden bei herkömmlichen Konzepten zumeist zentrale Versorgungslösungen ins Auge gefasst, so zeigte Schlicher explizit und mit Zahlen hinterlegt den Vorteil dezentraler Energieversorgungslösungen mit Wieland Steckverbindungen auf. Diese „sparen Zeit, Material und somit Geld“, so Schlicher. „Durch Gebäudeautomatisierung sind Energieeinsparungen bis zu 40% realisierbar“.

Förderprojekte und ihre Umsetzung in der Praxis

Über den Stand der Dinge beim Automation Valley Nordbayern und der Zusammenarbeit mit dem Cluster Mechatronik und Automation informierte Dr. Ronald Künneth, IHK Nürnberg für Mittelfranken. Er wies auf das Sonderheft Automation Valley hin, das auch in 2008 in Zusammenarbeit mit den Vogel Industrie Medien wieder erscheinen wird.

Stellvertretend für Prof. Dr. Hans Rauch berichtete Daniel Heinrich von der iSyst GmbH, Nürnberg, einer Unternehmensausgründung aus der FH Nürnberg über Nordbayerische Vorhaben in der Mechatronik. Sein Appell an die Unternehmen vor Ort lautete: „Profitieren Sie von der Unterstützung durch die IHKs und den Cluster! Sie finden in Bayern eine ausgezeichnete Förderkulisse und über die regionalen Institutionen optimalen Zugang und Unterstützung zur Beantragung von Förderprojekten!“ Beispielhaft erläuterte er dabei die Vorgehensweise in den Projekten RedunSys und ParaObsol, in denen jeweils iSyst als Antragsteller die Projekte federführend betreut und in Zusammenarbeit mit dem Cluster Mechatronik & Automation bei den notifizierten Projektträgern einreicht. Inhalt der Projekte ist jeweils die Weiterentwicklung der Testautomatisierung, zum einen speziell im Medizintechnikbereich und zum anderen für abgekündigte Bauelemente, der Kernkompetenz der iSyst GmbH. Ebenfalls wichtig war Heinrich der Verweis auf die Stiftungsprofessur Automatisierung / Mechatronik, durch die in der Region weiteres wissenschaftliches Potential geschaffen wurde, das den Unternehmen für Entwicklungen und Forschung zur Verfügung steht.

Kooperationen als Vorbild

Einige Beispiel für erfolgreiche Kooperationen in Nordbayern konnte das Unternehmen Wieland Electric geben. Der Spezialist für elektrische Verbindungstechnik arbeitet auf dem Gebiet der Photovoltaik-Anwendungen eng mit der Firma Prysmian Kabel und System GmbH zusammen. Der Kontakt zwischen den Unternehmen entstand eher zufällig auf einer regionalen Veranstaltung im Kloster Banz. Nach vielen Gesprächen und gegenseitigem kennenlernen produzieren die Unternehmen nun zusammen Anschlussstecker für Solarmodule. Wolf-Dietrich Schröber, Vertriebsleiter Deutschland der Prysmian bringt die Grundlage jeder erfolgreichen Kooperation auf den Punkt: „Das Wichtigste ist, Menschen zu finden, die zu einem passen. Dann die Fachleute zu finden, die sich aus ihrem Erfahrungsschatz ergänzen und ein gemeinsames Potential suchen.“

Das gemeinsame Potential entdeckt hat auch das Unternehmen Aufzugswerke M. Schmitt + Sohn aus Nürnberg mit der Wieland GmbH. So fertigt Wieland schwere Steckverbindungen für Aufzüge von Schmitt + Sohn. Das Familienunternehmen, das 1861 gegründet wurde und bereits in der 5 Generation familiengeführt ist, fertigt pro Jahr ca. 1600 Aufzüge, wobei knapp 80% mit getriebelosen Antrieben ausgestattet sind.

Im anschließenden Get-together wurden ausgiebig Visitenkarten ausgetauscht und Kontakte geknüpft. Überrascht über diese Art der Offenheit und Kooperationsbereitschaft zeigte sich ein Teilnehmer aus Jena, der sein Kommen bereits für das 10. Kooperationsforum am voraussichtlich 13. November bei der Linde AG in Aschaffenburg angekündigt hat.

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