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Supertrends der Industrie „Das Beste in Sachen industrielle Automation liegt noch vor uns“

| Redakteur: Dipl. -Ing. Ines Stotz

Der dritte Montag im Januar, der in englischsprachigen Ländern auch als Blue Monday bezeichnet wird, gilt als bedrückendster Tag des Jahres. Auch wenn dabei viel Marketing und Pseudowissenschaft dahinterstecken, liegt darin auch ein Fünkchen Wahrheit, was das Wetter, die Verschuldung und die Zeit vom Winterurlaub bis zu den nächsten freien Tagen betrifft. Falls auch Sie an Winterdepression leiden, sollten Sie nicht verzagen. Lehnen Sie sich entspannt zurück und erfahren Sie alles über einige industrielle Technologien, auf die Sie sich dieses Jahr freuen können.

In allen Branchen zeichnet sich unter anderen die Umstellung auf vernetzte Technologien deutlich ab.
In allen Branchen zeichnet sich unter anderen die Umstellung auf vernetzte Technologien deutlich ab.
(Bild: EU Automation)

Im Folgenden erörtert Leroy Spence, Sales and Business Manager bei EU Automation, dem Zulieferer für Industriebauteile, die Supertrends der Industrie, die 2017 die Fertigungsindustrie verändern werden.

Vernetzung

Ob man es nun Industrie 4.0 oder das industrielle Internet der Dinge nennt, zeichnet sich in allen Branchen die Umstellung auf vernetzte Technologien deutlich ab. Laufende Entwicklungen reduzieren die Kosten intelligenter Technologien für industrielle Automationssysteme und sorgen so dafür, dass diese neuen Technologien industrieweit verfügbar werden. Intelligente Sensoren, Bildverarbeitungssysteme, Datenanalysesoftware und Cloud-Computing sind die Grundbausteine der vernetzten Fertigungsstätte und der intelligenten Lieferkette.

Kabellose Industriesysteme

Die meisten Industriebetriebe nutzen zur Unterstützung ihrer Netzwerkinfrastruktur derzeit kabelgebundene Systeme wie beispielsweise Glasfaser. Obwohl bei kabelgebundenen Netzwerken hohe Übertragungsgeschwindigkeiten und hohe Traffic-Volumen möglich sind, nutzen Kabel mit der Zeit ab, was zu einer schlechten Übertragungsqualität und hohen Wartungskosten führt. Ganz zu schweigen davon, dass Kabel sehr schnell ein Problem darstellen, wenn die Produktionsstätten weit voneinander entfernt sind.

Früher gab es zwei Faktoren, die eine weite Verbreitung kabelloser Systeme in der Industrie verhindert haben: Kosten und Sicherheit. Ersteres wird sich schon bald von selbst erledigen, da kabellose Sensoren und IoT-Geräte immer erschwinglicher werden. Ebenso sorgen Fortschritte in Sachen Cybersicherheit und eine stärkere Sensibilisierung im Hinblick auf Best Practices dafür, dass kabellose Systeme in der Industrie zunehmend zu einer realistischen Option werden.

Die steigende Nachfrage nach IoT-Technologien begünstigt die Implementierung kabelloser Industriesysteme. ON World geht in einem neuen Bericht davon aus, dass der Umsatz von kabellosen Chipsets zum Einsatz mit Erkennungs- und Steuerungsanwendungen in diesem Jahr die Marke von einer halben Milliarde übersteigen wird.

Integration

Die Annäherung von Betriebs- und Informationstechnologie zeichnet sich heute deutlicher ab als je zuvor. Die Vorteile einer engen Vernetzung von Fertigungsstätten und Enterprise-Business-Systemen führen zu einer verbesserten Fertigungseffizienz und höheren Flexibilität und ebnen somit den Weg hin zu einer intelligenten Fertigungsstätte. Verschiedene kompatible Software-Suiten unterstützen Hersteller bei der Erstellung von Berichten anhand von Design-, Produktions- und Geschäftsdaten, die Unternehmen zur Vermögensverwaltung, zur Prozessoptimierung, für Lieferkettensysteme und für den Kundendienst nutzen können.

Auf der SPS Drives 2016 kamen über zehn führende Automationszulieferer zusammen, um die OPC Unified Architecture (OPC UA) zu unterstützen, das beliebteste M2M-Kommunikationsprotokoll für Interfunktionsfähigkeit, das von der OPC Foundation entwickelt wurde. ABB, Bosch Rexroth, Cisco, General Electric, Kuka – um nur einige zu nennen – planen für ihre zukünftigen Produkte eine Unterstützung von OPC UA.

Dies ist für die Industrie ein besonderer Augenblick, der das Ende einer Ära bedeuten könnte, in der industrielle Automationssysteme von inkompatiblen Kommunikationsstandards abhängen. Dies könnte wiederum bedeuten, dass Hersteller sich nie wieder mit proprietären Systemen herumschlagen müssen und sich von verschiedenen Erstausrüstern (Original Equipment Manufacturers, OEM) die besten Technologien aussuchen können.

Analytik

Da in Fertigungsanlagen riesige Datenmengen verfügbar werden, steht einer Umstellung auf Zustandsüberwachung und prädiktiver Analytik endlich nichts mehr im Wege. Cloudbasierte Software-Tools werden immer erschwinglicher und benutzerfreundlicher, wodurch Hersteller eine fortschrittliche Prozesssteuerung und -optimierung erzielen können. Mit Plattformen wie Microsoft Azure erhalten Hersteller in Echtzeit einen genauen Überblick über ihre Fertigungsanlagen und nutzen diese Erkenntnisse, um bessere Entscheidungen zu treffen und Fertigungsverfahren zu verfeinern.

Was die Wartung betrifft, können Hersteller durch eine solche kontinuierliche Überwachung der Ausrüstung und Produktion ihre Wartungs- und Reparaturkosten drastisch senken. Des Weiteren birgt diese Technologie für die Industrie das Potenzial, sich eines seiner Schreckgespenster zu entledigen, nämlich außerplanmäßiger Ausfallzeiten.

Kobots

Falls Sie 2016 an Industrieveranstaltungen teilgenommen haben, werden Sie sicher etwas von der Aufregung um die neueste Generation industrieller Roboter mitbekommen haben: Die kollaborativen Roboter. Die leichten, erschwinglichen Kobots machen Käfige überflüssig und können auf der Produktionsstraße neben Menschen eingesetzt werden. Die integrierten Bildverarbeitungssysteme und die fortschrittliche Software statten die Kobots mit einem ausgezeichneten Situationsbewusstsein aus.

Das wohl Aufregendste an der Kobot-Geschichte ist jedoch die Tatsache, dass uns das alles sehr bekannt vorkommt. Wie bereits die PC-Revolution durch eine Reduzierung der Technologiekosten und die breitere Verfügbarkeit der Produkte angestoßen wurde, werden nun auch industrielle Kobots immer erschwinglicher und verfügbarer. Die Preise einiger Kobots liegen derzeit bereits unter 40.000 USD.

Eine weitere Besonderheit des Robotikmarktes ist sein rasantes internationales Wachstum. China ist heute der zweitgrößte Robotikmarkt der Welt. Sektoren wie die Automobil- oder die Elektronikindustrie sind in Sachen Robotikabsatz nach wie vor führend, wobei die Technologie auch in der Metall-, Chemie- und Lebensmittelproduktion immer häufiger zum Einsatz kommt. Zu weiteren Wachstumssektoren gehören Logistik, Verteidigung, Bauwesen sowie Dienstleistungsroboter zu Reinigungs- oder Kundendienstzwecken.

Es besteht kein Zweifel daran, dass all diese Supertrends die Industrie im kommenden Jahr beeinflussen werden. Ob Hersteller sich nun dazu entschließen, diese Technologien auch zu nutzen, sei dahingestellt. Eines steht jedoch fest: Unternehmen können den Wandel, den intelligente Technologien derzeit in der Industrie herbeiführen, nicht mehr länger ignorieren.

Es gibt also keinen Grund, an diesem Blue Monday Trübsal zu blasen. Es sieht vielmehr ganz danach aus, als würde 2017 ein gutes Jahr für die Industrie. Es könnte sogar das Jahr der ersten intelligenten Fertigungsstätten und Warenlagern werden.

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