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Reindustrialisierung

Das Comeback der US-Industrie

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Für viele sind die USA inzwischen nicht nur als Exportland attraktiv, sondern als Standort. Aus „Made in Germany“ wird dort zunehmend „Made with Germany“, bringen es Marktforscher auf den Punkt. Turck etwa setzt mit seiner US-Landesgesellschaft rund 230 Millionen US-Dollar um. „Heute ist Turck in den USA in einigen Bereichen wie etwa der Anschlusstechnik und der induktiven Sensorik Marktführer“, erklärt Turck-Geschäftsführer Christian Wolf. Festo kann das vermutlich für sich auf dem Markt der technischen Aus- und Weiterbildung in Anspruch nehmen. Der spürbare Fachkräfte- und Ingenieurmangel in den USA sorgt auch bei Festo-Didactic für „enorme Wachstumschancen“, so Kriwet. Neben Ausrüstung für Ausbau und Modernisierung ihrer Produktionsstätten brauchten die US-Unternehmen vor allem eins: Qualifizierung. Oder die KUKA Gruppe, in den USA mit mehr als 2000 Mitarbeitern aktiv, plant automatisierte Produktionslinien für die Luftfahrtindus­trie und implementiert Technologien aus dem Automobilbau für Kunden wir Boeing oder Bell Helicopter. „Gerade in den USA boomt Robotik seit ein paar Jahren wieder richtig stark, unter anderem getrieben durch einen wieder erstarkten Automobil-Sektor“, sagt Wilfried Eberhardt, Chief Marketing Officer der KUKA AG. Und nicht nur dort: „Bei Robotern und Automatisierung haben die Vereinigten Staaten außerdem einen zunehmenden Einfluss auf Mittel- und Südamerika. Wir nutzen den US-Markt daher auch als eine Art Hub.“

Eingebettet in Freihandelszonen in alle Himmelsrichtungen misst sich der US-Markt in Superlativen. Dabei gilt er für sich schon, je nach Abgrenzung, als größter Maschinenmarkt der Welt. Die USA importieren für 119 Milliarden Euro Maschinen und Anlagen, der US-Maschinenbau selbst setzte 2014 laut VDMA 324 Milliarden Euro um. Und zugleich wurzelt hier die Informationstechnologie, aus der sich so viele Zukunftsthemen speisen.

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Die Amis hängen Europa einfach ab

„Gerade bei den Themen Cloud, Internet of Things und Software nehmen die USA eine sehr wichtige Rolle ein – nicht umsonst sitzen die führenden Software-Unternehmen dieser Welt im Silicon Valley“, bestätigt Eberhardt. Die USA stehen zudem für große Serverfarmen und leistungsfähige Cloud-Lösungen zur Bereitstellung der Informationsnetze, Rechner und Datenspeicher für Industrial 4.0., weiß Prof. Holger Hanselka, Präsident des Karlsruher Institut für Technologie (KIT). „Bei diesen Cloud-Lösungen für das IoT und Industrie 4.0 sind die großen US-Unternehmen nur noch schwer von den Europäern einzuholen.“ Nach Untersuchungen von Tata Consultancy Services investieren nordamerikanische Unternehmen mehr als andere. Demnach flossen 2015 bereits rund 100 Millionen US-Dollar in IoT-Projekte. Platzhirsch Rockwell Automation aus Milwaukee, Winsconsin, etwa baut seine Werke derzeit zum „Connected Enterprise“ um. Auch bei Bosch Rexroth laufen in Übersee zahlreiche Pilotprojekte. So stellt die Drive & Control Company die Fertigung in Bethlehem nach Industrie-4.0-Prinzipien um. „Auch in den USA herrscht ein starker Trend zur Verschmelzung der Automatisierung mit der virtuellen Welt der Informations- und Internet-Technologien“, sagt Dr. Steffen Haack, Mitglied des Vorstands der Bosch Rexroth AG.

„Die Amerikaner sprechen schon seit mehr als 20 Jahren vom Internet of Things und von der Machine to Machine Communication“, erklärt Hanselka vom KIT, das mit keinem anderen Land so viele Kooperationen unterhält wie mit den USA. „Die Geräte, die im IoT eingebunden sind, sollen den Menschen bei seiner Arbeit unterstützen – diese Vision stammt aus den USA.“

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 Karin Pfeiffer

Karin Pfeiffer

Journalistin