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Energieversorgung Das kleinere Übel Atomstrom?

| Redakteur: Carina Schipper

Der Energieversorger Maxenergy verspricht 100 % reinen Atomstrom und fordert aus Klimaschutzgründen eine Renaissance der Atomkraft in Deutschland. Bekannte Umweltschützer unterstützen den Appell der Schwaben.

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Greenpeace selbst bleibt bei seiner Forderung nach dem Atomausstieg.
Greenpeace selbst bleibt bei seiner Forderung nach dem Atomausstieg.
(Bild: GuenterHH unter CC BY-ND 2.0-Lizenz, flickr.com)

Der neue Tarif Maxatomstrom des Augsburger Energieversorgers besteht ausschließlich aus Kernkraft und schont die Umwelt mehr als Solarstrom, behauptet Maxenergy Pressesprecher Jan Pflug. Er sieht in Maxatomstrom zudem eine Zeichen gegen den Stillstand in der Klimapolitik:

„Allen UN-Klimakonferenzen zum Trotz steigen die weltweiten CO2-Emissionen rapide. Und der angebliche Musterschüler Deutschland geht mit schlechtem Vorbild voran: Derzeit sind in Deutschland acht Kohlekraftwerke im Bau oder in Planung. Allein der Anteil der Braunkohle an der Stromerzeugung ist auf dem höchsten Stand seit der Wiedervereinigung.“

Die Schuld an dieser Entwicklung schiebt der Schwabe dem Atomausstieg zu. Die Kohle gewinne dadurch an Bedeutung, da ein gleichzeitiger Ausstieg aus beiden Energien nicht funktionieren könne. Um den erneuten Siegeszug der Kohle zu verhindern und den CO2-Ausstoß zu bremsen, müssen umweltfreundliche Energiequellen her, da sind sich alle einig. Selbst Atomkraft-Gegner können die Klimafreundlichkeit der Kernenergie nicht leugnen. Nach Angaben des Öko-Instituts entsteht durch eine KWh Atomstrom eine Umweltbelastung von 31 Gramm CO2. Der Wert für Sonnenenergie liegt dreimal so hoch, die Zahlen für Steinkohle erreichen sogar das 30-fache. Greenpeace Gründungsmitglied Patrick Moore teilt die Meinung von Maxenergy und zweifelt nicht an Kernenergie als „effektivsten und effizientesten Weg [...], den Einsatz fossiler Energieträger zu verringern“. Seinen Meinungsumschwung erklärt er damit, dass Kernenergie „möglicherweise genau die Energiequelle ist, die unseren Planeten vor einem anderen potentiellen Desaster bewahren kann: einem katastrophalen Klimawandel“. Daneben machen sich auch andere Umweltschützer und Klimaforscher für die Forderung der Energieunternehmens stark. Stephen Tindale, der ehemaliger Leiter von Greenpeace UK, der Physik-Nobelpreisträger Burton Richter, Stewart Brand, der Verfasser des Whole Earth Catalogs und Baron Smith of Finsbury, der ehemalige Leiter der britischen Umweltschutzbehörde Environment Agency beispielsweise springen auf den selben Zug auf. Greenpeace dagegen verfolgt andere Ziele und distanziert sich von Moore und Tindale. Insgesamt hätten die Herren früher sicherlich enger mit Greenpeace zu tun gehabt, hätten sich aber mittlerweile von den Inhalten wegbewegt, heißt es von Sprecherin Susanne Neubronner. Im Gegenteil, die Umweltaktivisten halten den Atomausstieg eher für ein Hilfsmittel, um der dreckigen Kohle zu entkommen. Pflug dreht den Spieß um. Auf die Frage der Redaktion, was mit dem Atommüll geschehen solle, erklärt der Pressesprecher, dass sowohl CO2 als auch Atommüll eine „Hypothek für die Zukunft“ seien, die die kommenden Generationen bezahlen müssen. Er ist also der Meinung, dass der zukünftige Atommüll natürlich beseitigt werden muss, aber auch Treibhausgase in der Atmosphäre ein Problem darstellen werden. Allerdings sei das eine „Abwägungssache“ und Pflug ist sich sicher, dass seine Kinder und Kindeskinder sich in der Zukunft lieber mit radioaktivem Abfall als mit den Folgen des Klimawandels auseinandersetzen werden.

Bildquelle: GuenterHH unter CC BY-ND 2.0-Lizenz, flickr.com

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