Negativpreis Das sind die dreistesten Produktfälschungen 2026

Quelle: Aktion Plagiarius e.V. 3 min Lesedauer

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Zum 50. Mal hat die Aktion Plagiarius den schwarzen Zwerg mit der goldenen Nase an die dreistesten Produktfälscher verliehen – das sind die Gewinner des gefürchteten Negativpreises „Plagiarius“. 

Die Trophäe des Schmähpreises ist ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase. Er soll die immensen Profite, die ideenlose Nachahmer auf Kosten von Kreativwirtschaft und Industrie erzielen, symbolisieren.(Bild:  Aktion Plagiarius e.V.)
Die Trophäe des Schmähpreises ist ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase. Er soll die immensen Profite, die ideenlose Nachahmer auf Kosten von Kreativwirtschaft und Industrie erzielen, symbolisieren.
(Bild: Aktion Plagiarius e.V.)

1977 entdeckte der Industrie-Designer Rido Busse auf der Frühjahrsmesse in Frankfurt auf dem Stand eines Herstellers aus Hong Kong ein offensichtlich exaktes Plagiat der Brief- und Diätwaage Nr. 8600 der Firma Soehnle-Waagen aus Murrhardt. Das Original war von der busse design ulm gmbh (heute: Busse Design + Engineering GmbH) komplett entwickelt und 1965 von Soehnle auf den Markt gebracht worden. Verkaufspreis im Laden: DM 26,00. Der chinesische Hersteller aus Hong Kong bot das Plagiat im halben Dutzend billiger an: Sechs Stück für DM 24,00, d.h. Ladenpreis unter DM 10,00. Die Ähnlichkeit der Produkte war allerdings nur äußerlich: Statt hochwertigem ABS-Kunststoff verwendete der Plagiator Polypropylen, was die Wiegegenauigkeit beträchtlich beeinflusste.
Soehnle erwirkte eine einstweilige Verfügung, der Plagiator musste die Waage von seinem Messestand entfernen und verpflichtete sich, den Vertrieb zu unterlassen. Allerdings waren von ihm schon über 100.000 Stück verkauft worden. Nach zwei Monaten bot ein anderer Hong Kong-Exporteur dasselbe Modell wieder auf dem deutschen Markt an. Ein Teufelskreis – Nachdem sich Rido Busse über die Möglichkeit von Schutzrechten informiert und dann erkannt hatte, dass die Situation äußerst günstig für Plagiatoren ist, entschloss er sich, durch die Vergabe eines Negativpreises und dessen Bekanntmachung über Presse, Funk und Fernsehen, die Öffentlichkeit und vor allen Dingen den Gesetzgeber auf diesen Missstand aufmerksam zu machen. Die Geburtsstunde des Negativpreises „Plagiarius“.

Museum Plagiarius in Solingen 

(Bild: Aktion Plagiarius)

Das Museum Plagiarius zeigt in seiner einzigartigen Ausstellung mehr als 350 Plagiarius-Preisträger, jeweils Original und Plagiat im direkten Vergleich. In Führungen werden Fakten und Hintergründe vermittelt, mit Klischees aufgeräumt und Besuchern zum Nach- und Umdenken angeregt: Nicht kritiklos (Dupe) Influencern und unseriösen Anbietern glauben. Kein Ramsch, sondern ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Zu den Plagiaten von 1977 bis heute gehören neben klassischen Konsum- und Haushaltsartikeln, auch Möbel, Werkzeuge, Sanitärprodukte, Spielzeug bis hin zu gefährlichen, nicht funktionierenden, Druckmessgeräten, Autofelgen, Motorsägen, und Notfall-Beatmungsgeräten. 

Mit Weitsicht und Nachdruck hat Busse Designer, Erfinder und Unternehmer stets ermutigt, ihr geistiges Eigentum mittels Eintragung gewerblicher Schutzrechte (Marke, Patent, Design) abzusichern und Nachahmer zur Rechenschaft zu ziehen. Erfreulicher Rekord: 2025 gingen beim Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) 327.735 neue Anmeldungen für EU-Marken und EU-Designs ein - die höchste jährliche Anzahl an Anmeldungen seit Beginn im Jahr 1996. Großen Zuwachs haben Anmeldungen aus der Volksrepublik China.
 

Die Preisträger 2026 des Negativpreises „Plagiarius“

Nun hat die Aktion Plagiarius am 06. Februar 2026 zum 50. Mal ihren gefürchteten Negativpreis „Plagiarius“ an Hersteller und Händler besonders dreister Plagiate und Fälschungen verliehen. Die Preisverleihung fand im Rahmen einer Pressekonferenz auf der Frankfurter Konsumgütermesse „Ambiente“ statt. Bevor die jährlich wechselnde Jury die Preisträger auswählt, erhalten alle Nominierten die Gelegenheit zur Stellungnahme. Die Jury hat drei Hauptpreise, zwei neu ins Leben gerufene Sonderpreise und fünf gleichrangige Auszeichnungen vergeben. 

Die „Gewinner“ des Plagiarius 2026

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Dringender Handlungsbedarf: Den Versprechen müssen Taten folgen

Die Gesetze sind da. Ohne konsequente Um- und Durchsetzung entfalten sie aber keinerlei abschreckende Wirkung oder Verbesserung. Die deutlich spürbaren Konsequenzen der Wettbewerbsverzerrungen tragen aktuell europäische Hersteller, Händler und Verbraucher. Europäische Wirtschafts- und Handelsverbände fordern mit Nachdruck von der Politik die unverzügliche und konsequente Durchsetzung des Digital Services Act (DSA) sowie europäischer Standards hinsichtlich Produktsicherheit, Umwelt- und Verbraucherschutz gegenüber Plattformen und Händlern aus Drittstaaten.
Die Politik sendet zwei erste kleine positive Signale: Ab Juli 2026 wird als Interimslösung in der EU ein pauschaler Zollsatz von 3 Euro pro E-Commerce-Paket mit einem Wert von weniger als 150 Euro eingeführt, um den Wettbewerbsvorteil der bisherigen Zollfreigrenze für Händler aus Drittstaaten kurzfristig zu beseitigen. Ab 2028, mit Einrichtung der EU-Zolldatenplattform, fallen auch hier reguläre Zollgebühren an. Parallel laufen Verhandlungen über eine EU-Bearbeitungsgebühr für E-Commerce-Pakete. Diese soll die hohen Kosten für die Überwachung des stark gestiegenen Paketverkehrs ausgleichen.

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