Buchtipp Das Spiel mit der Angst

Autor / Redakteur: Prof. Kurt Völkl, Dr. Heinz Peter Wallner * / Dipl. -Ing. Ines Stotz

Wir lieben es, das Spiel mit der Angst. Es treibt das Adrenalin in die Venen und es macht die Menschen dumm. Dann ist es leichter, einen Vorteil herauszuschlagen. Oder besser: war es leichter, denn das ist ein altes Spiel. Lassen wir uns auf ein neues Spiel ein, das uns der Lebendigkeit wieder näher bringt, ein Spiel ohne Angst.

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Widersprüche im Schattenreich
Widersprüche im Schattenreich
(BusinessVillage)

Wenn die Zeiten härter werden, legen wir in unseren Spielen einen Zahn zu und verschärfen die Gangart. Das Spiel mit der Macht erlebt eine Renaissance, besonders in Organisationen und Unternehmen. Die Menschen kommen unter Druck, strengen sich mehr an, als es gut und drängeln mehr als es erträglich wäre.

Oben lebt sie, unten lähmt sie

Die Angst in Organisationen ist eine Folge des Spiels mit der Macht. Wer Macht über Menschen hat, kann Druck ausüben, kann seinen Willen durchsetzen und am Ende das Spiel gewinnen. Immer aber wenn wir gewinnen, müssen andere verlieren. Dabei ist das wenig hilfreich. Nie müssen wir das Licht des anderen ausblasen, um selbst zu leuchten, meinte der Finanzier Bernard Baruch. Aber wenn der Druck zu hoch wird, bläst auch der „Kelomat“ und lässt Dampf ab. Und wenn einmal die Großen zu blasen beginnen, bekommen die kleinen Lichter Angst.

Bekanntlich weht aber der Wind oben besonders stark. Keineswegs ist Angst in der Hierarchie alleine eine Sache auf unteren Etagen. Angst verteilt sich über alle Ebenen, sie hat nur andere Auswirkungen. Wir können sagen, ganz oben lebt die Angst und bestimmt das Handeln. Hier ist die Verantwortung am größten und somit auch die Angst vor Fehlern am stärksten spürbar. Mutige Strategien des Wandels lässt die Angst erst gar nicht aufkommen. Und wenn die wenigen wirklich Mächtigen Angst haben, sind sie besonders gefährlich und wenig wirksam.

Weiter unten verteilt sich die Angst auf vielen Schultern und wirkt anders. Hier lähmt die Angst die Menschen und vertreibt jede Neugier, vernichtet jede gute Idee, verengt die Geister und führt zu Dienst nach Vorschrift. Ohne Checklisten tut niemand einen Handgriff. Das ist das Dilemma, das jede Krise mit sich bringt. Statt mutigen Menschen in oberen und engagierten in den unteren Etagen, füllen die angsterfüllten alle Ränge.

Angst aber bietet uns keinen Ausweg aus Krisen. Den finden wir nur, wenn wir das Spiel verändern. Das Spiel mit der Macht wird zum Spiel mit der Kraft. Statt Macht über Menschen auszuüben, geht es darum, gemeinsam mit den Menschen mächtige Strategien des Wandels zu entwickeln.

Der Angst auf der Spur

Für den Ausbruch aus den Teufelskreisen der Angst müssen wir zu ihren Wurzeln vordringen. Wirtschaftliches Handeln bringt die Menschen immer in einen Widerspruch. Es geht einerseits um die Freude am Tun und andererseits um das Bejahen des Notwendigen. Weder die Freude noch das Notwendige alleine bringen uns den Erfolg, den wir uns wünschen.

Wir müssen die Widersprüche vereinen und aus beiden Seiten Kraft schöpfen. Wer mit Freude das Notwendige bejahen kann, ist am Königsweg. Oftmals aber setzen sich heute jene Menschen in Szene, die im Notwendigen die Rettung sehen und die Freude als Störquelle aus allen Etagen verbannen. Die Folge ist dann meist die negative Überhöhung der isolierten Position und der tiefe Fall in den eigenen Schatten, wie Herbert Pietschmann das nennt.

Statt das Notwendige zu bejahen, wird die Position radikaler. Sie führt zum freudlosen Tun unter Druck. Hier sind wir an der Quelle der Angst. Druck bringt Menschen unter Stress und führt zu Angst. Auch die Gegenposition zeigt keinen Ausweg. Wer die Freude am Tun dem Notwendigen vorzieht, fällt ebenso in den Schatten. Wer des Notwendigen aber verlustig wird, kann dem Erfolg nur hinterher winken.

Das neue Spiel ohne Angst verlangt nach neuen Regeln. Eine der Regeln lautet so: „Entscheide nicht gleich, initiiere einen Prozess“. Statt sich für die Freude oder für das Notwendige zu entscheiden, können wir einen Dialog initiieren und nach einer gangbaren Lösung suchen. Die Kunst liegt nicht mehr in der richtigen Entscheidung, weil es eine solche gar nicht gibt. Sie liegt im Prozess, der Menschen in einen fruchtbaren und furchtlosen Dialog über die Zukunft bringt.

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