Augmented Reality Datenbrille ermöglicht Hubschraubereinsätze bei schlechter Sicht

Redakteur: Katharina Juschkat

Nebel, Schneesturm, Windböen – schlechtes Wetter macht die Einsätze von Rettungshubschraubern oft riskant oder unmöglich. Ein Helmsichtgerät, das Forscher der TU München entwickelt haben, kann Piloten helfen, auch bei extrem schlechter Sicht Hindernisse frühzeitig wahrzunehmen.

Augmented Reality im Cockpit: Sensoren an den Kufen des Hubschraubers erfassen zusätzliche Informationen und projizieren sie auf die Datenbrille des Piloten.
Augmented Reality im Cockpit: Sensoren an den Kufen des Hubschraubers erfassen zusätzliche Informationen und projizieren sie auf die Datenbrille des Piloten.
(Bild: TUM, Viertler)

Dicke Wolken hängen über dem Tegernsee. Die Sichtweite beträgt nur wenige hundert Meter. Normalerweise dürfte ein Hubschrauber bei diesem Wetter nicht starten – die Gefahr, dass der Pilot Gefahren wie einen Baukran, eine Stromleitung oder einen Berg zu spät erkennt, wäre zu groß. Doch Franz Viertler steigt trotzdem ins Cockpit. Mit seinem Head-Mounted Display, einer am Kopf befestigten Datenbrille, die digitale Zusatzinformationen einblendet, erkennt er auch im dichten Nebel rechtzeitig die Hindernisse und kann sie umfliegen.

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Noch ist die neue Technik im Forschungsstadium: Das Alpenvorland ist eine Projektion, Viertler ist nicht Pilot, sondern Mitarbeiter am Lehrstuhl für Hubschraubertechnologie der Technischen Universität München (TUM), und er sitzt auch nicht in einem echten Hubschrauber, sondern in einem Flugsimulator. Doch das genügt, um die Möglichkeiten der Augmented Reality, der durch digitale Zusatzinformationen erweiterten Realität, zu demonstrieren: Der Rotor brummt, das Cockpit vibriert, Wolken kommen näher und vernebeln die Sicht. Dennoch weiß Viertler genau, wo er sich befindet: Auf dem Display seiner Datenbrille sieht er in grünen Linien die Umrisse von Bergen und Häusern. Dazwischen, rot eingerahmt, Windräder, Baukräne und hohe Gebäude.

Geländeinformationen werden mit Sensormessungen kombiniert

„Unser Ziel ist es, die Sicherheit für Piloten durch Augmented Reality zu erhöhen“, erklärt Viertler. Zusammen mit seinen Kollegen hat er eine Software entwickelt, die Geländeinformationen mit Sensormessungen kombiniert, die während eines Fluges gemacht werden können. Besonders bewährt habe sich hier Light Detection and Ranging, kurz LIDAR, sagt Viertler: Die Messgeräte, die an den Kufen des Hubschraubers angebracht werden können, emittieren Strahlung im Mikrometer-Bereich und fangen die von Hindernissen reflektieren Wellen wieder auf.

Alle Daten werden an Bord verarbeitet und direkt in die transparente Datenbrille projiziert. Auf diese Weise sieht der Pilot nicht nur das, was er mit bloßem Auge erkennen kann, sondern auch die digital erzeugten Umrisse von Landschaft und Hindernissen. Zudem lassen sich die Flugdaten wie Geschwindigkeit, Höhe, Lage und Kurs einblenden. Ein Head-Tracking System sorgt außerdem dafür, dass sich die Projektionen an die jeweilige Blickrichtung des Piloten anpassen – abhängig davon, ob er nach vorne, nach unten oder seitlich aus dem Cockpit blickt.

Studie beweist Leistungssteigerung von Piloten

Sind all diese Informationen für den Piloten tatsächlich hilfreich? Um diese Frage zu beantworten, haben die TUM-Forscher eine Studie mit 16 professionellen Hubschrauberpiloten durchgeführt. Diese durften das neue Head-Mounted Display während verschiedener Simulator-Flüge testen. Die Ingenieure zeichneten auf, wie die Probanden flogen und befragten diese anschließend nach Stresssymptomen.

Die Ergebnisse präsentierte Viertler unlängst den Mitgliedern der American Helicopter Society in West Palm Beach, Florida: Bei Sichtweiten von unter 800 m profitierten die Piloten messbar von eingeblendeten Gelände- und Flugdaten. Sie flogen nicht nur schneller und sicherer als ohne Helmsichtgerät, sondern empfanden die Einsätze auch geistig und körperlich weniger anstrengend. Besonders deutlich kamen die Vorteile des Systems bei extrem schlechter Sicht von nur 100 m bis 400 m zum Tragen.

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Nächste Testphase in Forschungshubschraubern

„Die neue Technik kann das Risiko bei Hubschraubereinsätzen verringern“, sagt Viertler. „Das Hauptproblem ist schlechte Sicht durch Wolken oder Schnee beziehungsweise Staub, der bei Start und Landung aufgewirbelt wird. Gegen diesen Whiteout bzw. Brownout kann die Augmented Reality helfen.“

Bis die Piloten in der täglichen Praxis davon profitieren, wird allerdings noch einige Zeit vergehen: Die Erfassung, Auswertung und Projektion der Daten muss jetzt erst einmal in Forschungshubschraubern erprobt werden. „Das können wir mit unserem Simulator nicht leisten“, sagt Viertler. Man sei hier auf die Unterstützung der Industrie angewiesen. Diese habe aber bereits großes Interesse signalisiert.

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