Mobilität in Ballungsräumen Den Verkehr intelligent steuern und vernetzen
Mobilität ist ein Schlüsselfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit einer Stadt oder Region. Ihre optimale Gestaltung unter ökonomischen, ökologischen und demografischen Aspekten ist jedoch eine große technologische Herausforderung. Ein intelligentes Verkehrsmanagement weist hier den Weg.
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Weltweit kennzeichnen vier Megatrends unsere Zeit: Der demografische Wandel, die Urbanisierung, der Klimawandel und die Globalisierung stellen die Menschheit vor wirtschaftliche, soziale und ökologische Herausforderungen. Die Vereinten Nationen (UN) schätzen, dass die Weltbevölkerung von rund 6,5 Mrd. im Jahr 2005 auf etwa 8,3 Mrd. im Jahr 2030 wächst – und das ist noch eine vorsichtige Prognose. Das Jahr 2008 markiert den historischen Meilenstein: Erstmals leben mehr Menschen in Städten als auf dem Land, Tendenz steigend. Im Jahr 2030 werden laut UN-Schätzungen bereits über 60% der Menschen in Städten leben und arbeiten.
Die Metropolen brauchen einen erstklassigen Personen- und Güterverkehr
Die Metropolen stehen daher vor wichtigen Fragen: Wie versorgt man so viele Menschen sicher mit sauberem Trinkwasser? Wie erzeugt man die riesigen Mengen von Energie, welche die Menschen in Beruf und Alltag brauchen – und zwar so umwelt- und klimafreundlich wie möglich? Wie sichert man ihre Gesundheit und die medizinische Versorgung im Notfall? Und vor allem: Wie bewegt man die vielen Menschen, aber auch die Güter, die sie zum Leben und Arbeiten benötigen, sowohl in als auch zwischen den Städten? Dass diese letzte Frage die wichtigste ist, bestätigen Politiker und Entscheider aus vielen Megacitys: Der Schlüsselfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit einer Stadt oder Region ist eine erstklassige Mobilität, also ein gut funktionierender Personen- und Güterverkehr.
Es gilt hier, auf möglichst umwelt- und klimafreundliche Lösungen zu setzen. Denn wer dem Klimawandel begegnen will, muss in den Städten anfangen: Obwohl diese einen verschwindend geringen Teil der Erdoberfläche nutzen – nur 0,4% –, entstehen hier dennoch mehr als drei Viertel der klimaschädlichen Treibhausgase. Oder anders betrachtet: Bereits heute fallen 25 bis 30% des internationalen Energieverbrauchs auf den Transportsektor. In einer globalisierten Welt wächst das Verkehrsaufkommen weiter, da immer mehr Güter und Menschen transportiert werden. Zudem schreitet in den Entwicklungsländern die Motorisierung voran. Der weltweite Pkw-Bestand wird sich daher von 2000 bis 2030 nahezu verdoppeln, und zwar von 700 Mio, auf 1,3 Mrd.
Verkehr und Ökologie müssen harmonieren
Auch die Entwicklung des globalen Güterverkehrs schreitet voran: Er wird im selben Zeitraum von 15 Bill. auf 30 Bill. Tonnenkilometer jährlich wachsen. In Städten und Ballungsräumen sind die Auswirkungen des ständig steigenden Mobilitätsbedarfs schon jetzt spürbar: Die volkswirtschaftlichen Kosten für Staus im Straßenverkehr werden pro Jahr in Europa auf 100 Mrd.€ und in den USA auf 78 Mrd. US-$ geschätzt. Und ein Ende scheint noch lange nicht erreicht: Experten prognostizieren allein für Westeuropa eine 188-prozentige Zunahme von Staus im Zeitraum von 2007 bis 2010.
Gefragt sind daher effiziente Strategien und Techniken, die Energie sparen und weniger Kohlendioxid ausstoßen, um Ressourcen und die Umwelt zu schonen sowie die Lebensqualität der Menschen gerade in den Städten zu erhalten. Gefordert ist eine nachhaltige Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur. Das bedeutet, Verkehrsentwicklung und Ökologie in Einklang zu bringen, ohne die Mobilität der Verkehrsteilnehmer einzuschränken. Das sind große Herausforderungen.
Pendler wollen schnell und kostengünstig von Zuhause durch den Berufsverkehr an den Arbeitsplatz kommen und wieder zurück – und das nicht nur zur Rush Hour, sondern aufgrund flexibler Arbeitszeiten rund im die Uhr. Reisende wünschen sich zügige und direkte Anbindungen an Flughäfen und Hauptbahnhöfe. Und auch im Alltag, beim Einkaufen, für die Fahrt ins Zentrum benötigen wir eine gut funktionierende Verkehrsinfrastruktur. Dafür braucht man leistungsfähige Technologien, die gleichzeitig flexibel, bequem und umweltfreundlich sein sollen.
Infrastrukturen können effizienter genutzt werden
Die Lösung ist ein intelligentes Verkehrsmanagement: Der Verkehr auf der Straße, der Schiene, dem Wasser und in der Luft muss so gesteuert und vernetzt werden, dass wir die vorhandene Infrastruktur effizienter nutzen können. Erfolgreiches Verkehrsmanagement bedeutet, den „Modal Split“ zu optimieren, also das Transportaufkommen so geschickt auf die verschiedenen Verkehrsträger zu verteilen, dass die Vorteile jedes einzelnen voll ausgeschöpft werden. Anders ausgedrückt: Wir brauchen jeweils das das richtige Verkehrsmittel zum richtigen Zeitpunkt, um Mobilitätsketten so effizient wie möglich zu schmieden, damit ihre Glieder optimal ineinandergreifen. Dann können wir mit effizienten Produkten, Systemen und Lösungen sowie mit einer integrierten Verkehrsplanung die Umwelt schonen.
Angesichts des wachsenden Verkehrsaufkommens wird das Ziel der kommenden Jahre sein, die Mobilität in den Städten und Ballungsräumen zu sichern und weiter zu verbessern. Es gilt, den Verkehr auf den Straßen in Fluss zu halten und Staus systematisch zu vermeiden. Gleichzeitig ist das Angebot auf der Schiene so attraktiv wie möglich zu gestalten, damit viele Menschen diesen besonders umweltfreundlichen Verkehrsträger nutzen. Das erreicht man zum Beispiel durch flexible Fahrplangestaltung, moderne Züge und Straßenbahnen sowie vollautomatische Metrosysteme, die mit kürzeren Taktzeiten die Kapazitäten erhöhen und die Wartezeit an der Haltestelle verkürzen.
Deutschlands erste vollautomatische Metro startet in Nürnberg
Im Juni 2008 nimmt übrigens in Deutschland die erste vollautomatische Metro ihren regulären Betrieb auf. Das Nürnberger Projekt stellt sogar eine Weltpremiere dar, da während der Einführungsphase automatische und konventionelle Züge gemeinsam gleiche Streckenteile befahren werden. In anderen europäischen Städten und in Asien sind vollautomatische Systeme schon seit vielen Jahren erfolgreich im Einsatz, beispielsweise in Paris, Taipeh und jüngst auch in Turin.
Für den Güterverkehr, der für die Versorgung von Ballungsgebieten eine große Bedeutung hat, sollten neue Lösungen gefunden werden, beispielsweise durch den Aufbau von Güterverteilzentren am Rande von Ballungsgebieten. Die Feinverteilung in die Zentren könnte unter Einsatz von intelligenten, Telematik-basierten Logistiklösungen erfolgen. Eine besondere Herausforderung ist dabei die Anbindung der großen Container-Häfen an das Hinterland.
Mit innovativen Technologioen die Verkehrsfolgen im Griff behalten
Der Einsatz innovativer, ressourcenschonender und umweltfreundlicher Antriebstechnologien im Individual- und im öffentlichen Verkehr sowie beim Gütertransport ist unabdingbar. Die Klimaschutzziele zur Reduktion des CO²-Ausstoßes sind ehrgeizig, aber mit innovativen Weiterentwicklungen von Schienenfahrzeugen und Verkehrsmanagement erreichbar. Auch den motorisierten Individualverkehr in Ballungsräumen gilt es im Sinne der Lebensqualität und des Umweltschutzes zu reduzieren. Die Mautsysteme in London, Stockholm, Oslo oder Singapur haben den Nachweis erbracht, dass Innenstädte somit wirksam entlastet werden können: Staus sind in London oder Stockholm um rund 30% zurückgegangen, Abgase und Verkehrsunfälle deutlich spürbar gesunken. Allein London reduzierte auf diese Weise den jährlichen Benzinverbrauch um etwa 66 Mio. Liter sowie den CO²-Ausstoß um 150.000 Tonnen.
Gewiss ist die Finanzierung einer leistungsfähigen Mobilität in Ballungsgebieten für die Verantwortlichen eine große Aufgabe. Sie lässt sich leichter bewältigen, indem das Management von Verkehrsdiensten zum Beispiel auch von privater Seite übernommen wird — wobei die Gesamtkontrolle und Verantwortung in der öffentlichen Hand bleibt. In Zusammenarbeit mit innovativen Lösungsanbietern lassen sich die Herausforderungen rund um die Mobilität in Ballungsräumen auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten meistern.
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