HMI-Bedienpanel in der Abwassertechnik Der Huchen findet wieder eine Heimat

Autor Ines Stotz

Eine zuverlässige und effektive Abwasserlösung ist heute eine unverzichtbare Grundlage unserer Gesellschaft. Doch durch die Einleitung chemischer und biologischer Stoffe in das Abwasser wird die Reinigung immer aufwendiger und komplizierter. Wie es dennoch gut gelingen kann – der Abwasserverband Kempten hat seinen Weg gefunden.

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Der Abwasserverband Kempten arbeitet an der Verbesserung der Gewässergüte der Iller. Seltene Fische sollen hier wieder eine Heimat finden – wie der fast ausgestorbene Huchen.
Der Abwasserverband Kempten arbeitet an der Verbesserung der Gewässergüte der Iller. Seltene Fische sollen hier wieder eine Heimat finden – wie der fast ausgestorbene Huchen.
(Bild: Bong Grit, flickr.com (CC BY-ND 2.0))

Schau mal! Begeistert hüpft das kleine Mädchen von einem Bein auf das andere und zeigt mit dem Finger ins glitzernde Wasser. Ein kleiner Fischschwarm zieht vorbei. Sie steht mit ihren Eltern und einer Gruppe Besuchern an der Fischbeobachtungsstation und verfolgt durch ein beleuchtetes Sichtfenster heimische Fischarten. Die Station an der neu errichteten Fischwanderhilfe gehört zum Projekt „Flussraum Iller“, das sich für Umweltbildung und Tourismus einsetzt und kürzlich feierlich eröffnet wurde. Auch die Fischer freuen sich über die Renaturierung des Gebirgsflusses. Soll doch die Iller wieder Heimat für seltene Fische werden, wie den Huchen. Der „Fisch des Jahres 2015“ hat einen legendären Ruf und eine beeindruckende Statur: Er kann mehr als 1,40 m lang und 25 kg schwer werden und steht bislang auf der Roten Liste.

Damit dies nachhaltig gelingen kann, spielt auch die Wasserqualität eine entscheidende Rolle. Diese wurde in den vergangenen Jahren durch den 1972 gegründeten Abwasserverband Kempten erheblich verbessert. Er vereint 12 Gemeinden und meistert die Herausforderung gemeinsam mit den anderen Verbänden und Kommunen im Bereich der oberen Iller bis heute. Um eine solche Leistung dauerhaft zu erzielen, benötigt man Know-how und zuverlässige Partner wie die Firma Tronik D Sign sowie deren Lieferant, Automatisierungsexperte Beijer Electronics.

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Neue Kläranlage: zukunftsfähig und nachhaltig

Die in die Jahre gekommene Kläranlage der Gemeinden Muthmannshofen und Frauenzell, die zum Markt Altusried gehören, hätte aufwändig saniert und erweitert werden müssen. Zudem war eine wasserrechtliche Genehmigung abgelaufen. Aufgrund dieser Situation wurde ein unabhängiges Ingenieurbüro mit einer Wirtschaftlichkeitsstudie beauftragt, um unter anderem die Möglichkeiten des Einsatzes moderner Technologien zu evaluieren und eine zukunftsfähige, nachhaltige Lösung für die Gemeinden zu finden. Auf Basis der Ergebnisse beantragte der Markt Altusried den Anschluss der beiden Gemeinden an den Abwasserverband Kempten. Die Gesamtkosten der Maßnahmen dieses Pilotprojekts lagen für den Abwasserverband Kempten als Bauträger bei etwa 1,4 Mio. Euro, die Leistungen wurden öffentlich ausgeschrieben.

Tronik D Sign: erfahrener Partner für die Wasserwirtschaft

Für alle elektrotechnischen Arbeiten ging Tronik D Sign aus Lauben/Heising als kompetenter Partner aus der Ausschreibung hervor. Im Jahr 2006 gegründet, ist das Unternehmen heute auf Projekte rund um die Elektrotechnik spezialisiert und bietet seinen Kunden ganzheitliche, maßgeschneiderte Lösungen. Die 16 Mitarbeiter sind bereits als Partner der Wasserwirtschaft bekannt. „Durch unsere langjährige Erfahrung wollen wir nicht nur für, sondern in erster Linie mit dem Kunden arbeiten. Bei uns hat die fachmännische Beratung und Betreuung, unter Berücksichtigung aller individuellen Vorstellungen, einen hohen Stellenwert“, erklärt Stefan Simon, einer der drei Geschäftsführer bei Tronik D Sign:

Moderne Pumpstation ersetzt Kläranlage

Im Jahr 2014 wurde die bestehende Kläranlage durch eine moderne Pumpstation ersetzt, die das Schmutzwasser der Gemeinden Muthmannshofen und Frauenzell nun mittels einer knapp 6 km langen Druckleitung nach Kimratshofen fördert und anschließend der Kläranlage des Abwasserverbands Kempten zuführt. Diese Druckleitung war nötig, um die bestehenden Höhenunterschiede zu überwinden. Die Besonderheit dieses Abwasserpumpwerks ist unter anderem das Feststoff-Trennsystem, mit dem die Pumpen des Herstellers KSB ausgestattet sind: Diese kommen nur mit dem vorgereinigten Abwasser in Berührung, da in der Zulaufphase grobe Feststoffe und Abwasser getrennt werden.

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Beijer Electronics: vertraut mit Abwassertechnik

Im Rahmen des Pilotprojekts sollte unter anderem das in der Kemptener Zentrale bestehende Prozessleitsystem auch im 15 km entfernten Muthmannshofen mit einer ähnlichen Performance bedient werden können. Bei der Umsetzung der Elektrotechnik wurde dabei auf bewährte „State of the Art“-Lösungen zurückgegriffen. Als Steuerung ist eine Siemens S7/300 sowie ein Prozessleitsystem eines namhaften Herstellers im Einsatz. Die Verbindung zum zentralen System wird mittels GPRS aufgebaut.

Im Zuge eines Nachtragsangebots schlug Tronik D Sign die technische Verbesserung des Projektes durch Einsatz eines Bedienpanels zur Visualisierung der Abläufe im Pumpwerk vor. Nach Evaluierung dieses Vorschlags als wertvolle Zukunftsinvestition entschied man sich für das iX-HMI-Bedienpanel von Beijer Electronics. Das Unternehmen aus Nürtingen hat bereits Erfahrung mit dem Einsatz ihrer Produkte in der kommunalen Abwassertechnik und ist somit mit den Herausforderungen auf diesem Gebiet vertraut.

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Industrie-PC: Visualisierung in HD

Die Visualisierung wird nun auf einem 21“-Panel-PC dargestellt, der nicht zuletzt durch seine Größe hervorragende Visualisierungsmöglichkeiten bietet. Das Modell T21C ist ein vollwertiger Industrie-PC, der einen Intel Core i7 2715QE mit 4 x 2.1 GHz verwendet. Grafiken sind mit 1920 x 1080 Pixeln darstellbar und erreichen damit HD-Standard. „Wir setzen seit vielen Jahren Beijer-Produkte ein und sind damit sehr zufrieden. Der kostenlose Support und schnelle Reaktionszeiten helfen uns über manche Hürde hinweg“, begründet Ulrich Karg, Kommunikationselektroniker bei Tronik D Sign.

Die von Beijer Electronics entwickelten Geräte sind robust und langlebig und lassen sich dank resistiver Touch-Oberfläche selbst mit Arbeitshandschuhen problemlos bedienen. Die TxC-Produktfamilie umfasst leistungsfähige Panel-PCs für große und komplexe Anwendungen. Alle Modelle verfügen über hochauflösende Displays in 12, 15 oder 21 Zoll im Widescreen-Format und sind in verschiedenen Leistungsklassen erhältlich. Sie erfüllen unterschiedliche Anforderungen an komplexe Visualisierungsprojekte und sind meist mit bestehenden Projekten von Drittanbietern kompatibel.

Mehr als ein einfaches Bedienterminal

Franz Beer, Geschäftsführer des Abwasserverbands Kempten, ergänzt, dass ein solcher Komfort in der Bedienung und Überwachung der Anlage vor Ort bisher nicht denkbar war. Die aktuelle Lösung bietet vielfältigere Möglichkeiten als ein einfaches Bedienterminal. „Durch den Einsatz modernster Hardware in Kombination mit dem vorhandenen Prozessleitsystem können wir viel Zeit und Geld sparen, denn eine Einarbeitung der Mitarbeiter ist damit nicht nötig. Alle wichtigen Parameter lassen sich visualisieren und bei Bedarf anpassen.“

Immer besseres Wasser

Durch die Weiterleitung des Abwassers in eine leistungsstarke Kläranlage wurde die Belastung des örtlichen Baches erheblich reduziert. Aufgrund des Erfolgs ist eine Ausweitung des Konzepts in der Diskussion, weil viele der 40 angeschlossenen Außenstationen nicht mehr zeitgemäß sind. Eine weitere Verbesserung der Gewässergüte der oberen Iller kann dann dazu führen, was sie einst war – ein Paradies für den Huchen.

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