Suchen

Smart Factory

Der Mensch am Arbeitsplatz der Zukunft

| Redakteur: Bernhard Richter

In der Smart Factory kommunizieren Maschinen miteinander, treffen selbstständig Entscheidungen und steuern autonom die Produktion – und das alles in menschenleeren Fabriken. Muss ein industrieller Arbeitsplatz künftig die Bedürfnisse des Mitarbeiters berücksichtigen? Wie verändert sich der Arbeitsplatz?

Firma zum Thema

Ein moderner Arbeitsplatz muss auch in Zukunft ergonomische Aspekte erfüllen, um die Gesunderhaltung der Mitarbeiter zu fördern und die Produktivität zu steigern.
Ein moderner Arbeitsplatz muss auch in Zukunft ergonomische Aspekte erfüllen, um die Gesunderhaltung der Mitarbeiter zu fördern und die Produktivität zu steigern.
( Bild: ronald biallas )

Die Produktion ist im Wandel: Traditionelle Massenproduktion ist ein Auslaufmodell, stattdessen werden zunehmend kundenindividuelle Einzelstücke in Serie nachgefragt. Was sich zunächst nach einem Widerspruch anhört, wird durch Automation, intelligente Vernetzung und Digitalisierung der Produktionsprozesse möglich.

Die Voraussetzung für eine flexible und kundenindividuelle Fertigung in Losgröße 1 ist die Vernetzung innerhalb der Wertschöpfungskette: Der Produktion vor- und nachgelagerte Prozesse wie die Eingangs- und Ausgangslogistik müssen nicht nur miteinander, sondern auch mit sämtlichen Stufen des Produktionsprozesses in einem kontinuierlichen Datenaustausch stehen. Steht etwa das benötigte Material aus dem Lager nicht rechtzeitig am Arbeitsplatz zur Verfügung, kann die Produktion aufgrund dieses Abstimmungsfehlers ins Stocken geraten. Vor allem die Informationsbereitstellung und -übermittlung sowie die stärkere Verknüpfung mit übergeordneten Systemen werden daher in der Zukunft eine immer größere Rolle spielen.

Bildergalerie

Bildergalerie mit 6 Bildern

Alles dreht sich um Ergonomie

Dem manuellen Arbeitsplatz kommt als Ort mit dem höchsten Wertschöpfungsanteil eine besondere Bedeutung zu. Im Fokus stehen vor allem ergonomische Gesichtspunkte, welche die Produktivität des Arbeitnehmers steigern sollen. Eng mit der Ergonomie verknüpft ist zudem die Individualisierbarkeit des Arbeitsplatzes. Ein Beispiel sind an persönliche Bedürfnisse anpassbare Arbeitsstühle und stufenlos höhenverstellbare Tische. Um einseitige Bewegungen zu vermeiden, gestatten moderne Arbeitsplatzsysteme eine individuelle Positionierung von Werkzeugen und Materialien. LED- oder Tageslichtleuchten sorgen für eine verbesserte Konzentrationsfähigkeit des Mitarbeiters und reduzieren das Fehlerrisiko. Auch der Technisierung des Arbeitsplatzes tragen Hersteller Rechnung: Monitore werden ergonomisch angebracht, Kabel und Leitungen in Kabelwannen oder -kanälen verstaut. Frequentiert der Mitarbeiter beispielsweise regelmäßig einen Monitor, muss das Gerät direkt im Blickfeld und nicht seitlich platziert sein. Moderne industrielle Arbeitsplätze sind modular aufgebaut und beliebig erweiterbar.

Bei der Arbeitsplatzgestaltung müssen zudem die Anforderungen von ergonomischen Arbeitsplätzen und einer effizienten Intralogistik gleichermaßen Berücksichtigung finden. Eine einfache und schnelle Materialversorgung, kurze Greifwege, eine sichere Handhabung der Bauteile sowie eine eindeutige Beschriftung und Zuteilung der Materialbehälter optimieren die Abläufe und steigern die Produktivität.

Maschinen entlasten den Mitarbeiter

Trotz eines steigenden Automatisierungsgrades müssen künftig einige Montagearbeiten weiterhin manuell durchgeführt werden. In diesen Zusammenhang sind kollaborierende Roboter einzuordnen, die in den Fabriken der Zukunft häufiger Verwendung finden könnten. Sie arbeiten in direktem Kontakt mit dem Menschen und haben die Aufgabe, körperlich belastende und unergonomische Arbeiten abzunehmen, beispielsweise Heben und Positionieren von Werkstücken. Bei der Gestaltung von Arbeitsplätzen mit kollaborierenden Robotern sind allerdings spezielle Sicherheitskriterien zu berücksichtigen, um die Gefahr von Verletzungen bei einer möglichen Mensch-Maschine-Kollision zu minimieren und den Mitarbeiter nicht in seiner Bewegungsfreiheit einzuschränken.

Der Unterstützung dienen auch sogenannte cyberphysische Objekte (CPO): Das verwendete Werkzeug ist als CPO selbst Informationsträger und gibt Anweisungen, welcher Montageschritt als Nächstes erfolgen soll. Oder es entscheidet unter Berücksichtigung der körperlichen Konstitution der Beschäftigten eigenständig, wer es bedienen soll. Alles nur Science-Fiction oder schon bald Realität?

Mitarbeiter ins Boot holen

Welche Handlungsempfehlungen ergeben sich also für Unternehmen? Bleibt der Mensch im Gefüge von Industrie 4.0 präsent, stehen seine Bedürfnisse bei der Gestaltung des Arbeitsplatzes weiterhin im Vordergrund. Dabei sollten Unternehmen ihr Augenmerk vor allem auf Aspekte der Ergonomie, Individualisierbarkeit und Modularität legen, um auch für kommende Generationen ein attraktiver Arbeitgeber und für künftige Herausforderungen gerüstet zu sein. Bei der richtigen Vorgehensweise unterstützen Schulungen, die den Verantwortlichen wertvolle Tipps für die Arbeitsplatzgestaltung an die Hand geben. Darüber hinaus ist es ratsam, die Mitarbeiter frühzeitig auf neue Technologien vorzubereiten und bei allen Entscheidungen, die ihr direktes Arbeitsumfeld betreffen, einzubinden.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45120988)