VDMA Deutsche Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie kämpft mit starkem Wellengang

Redakteur: Sariana Kunze

„2010 finden wir weltweit neue Kunden in Nischen, an die in der Boomphase nicht zu denken war. Das ist jetzt überlebenswichtig, da sich die Branche derzeit in schwerem Fahrwasser befindet“, berichtet Dr. Alexander Nürnberg, Vorstandsvorsitzender der VDMA Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie.

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„2009 hatten wir noch genug Arbeit trotz des eingebrochenen Auftragseingangs. Deshalb war es uns möglich, den Personalstand auf hohem Niveau zu halten. Wir hoffen auf eine langsame Erholung der Auftragslage im Weltschiffbau. Durch flexible Umstrukturierung werde der F+E Bereich, der Service und der Vertrieb intensiv unterstützt. Der globale Wettbewerb wird stärker - wir müssen neue Marktsegmente erschließen und schnell und flexibel mit Neuentwicklungen bedienen“, sagte Nürnberg. „Die teilweise anziehenden Märkte wollen schnell bedient werden. Das führt in den Betrieben zu neuen Herausforderungen - dafür müssen wir gerüstet sein.“

7,7 Prozent Umsatzminus

Die deutschen Schiffbau- und Offshore-Zulieferer erwirtschaften 2009 mit ihren 72.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 11,9 Mrd. Euro. Das bedeutet ein Minus von 7,7 Prozent zum Vorjahr. Die Exportquote lag bei 75 Prozent. Die Auslastung in der Produktion ist jetzt deutlich zurück gegangen. Die Durchlaufzeiten bei den Schiffbau- und Offshore-Zulieferern liegen im Schnitt bei einem Jahr. Daher wird es auch bei einem Wiederanziehen der Auftragseingänge einige Zeit dauern, bis die Produktion ihre optimale Auslastung wieder erreicht. Das Offshore-Zuliefergeschäft war von dem Umsatz-Rückgang nicht betroffen, hier setzte sich das Wachstum der letzten Jahre fast unvermindert fort.

Auftragseingängen gehen zurück

Nach dem dramatischen Rückgang der Schiffbauaufträge ab Oktober 2008 brachen im Jahr 2009 für die Zulieferindustrie die Auftragseingänge um 29 Prozent ein. Auch in 2010 bleibt die Auftragslage für die Zulieferindustrie noch schwach, auch wenn auf Seiten der Reeder schon eine steigende Tendenz bei Neuprojekten und Retrofit-Investitionen sichtbar wird.

Neue Exportmärkte erschließen

Aufgrund der weiterhin geringen Auftragsneigung in den angestammten Märkten haben die Unternehmen der Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie einen Schwerpunkt auf die Erschließung neuer Exportmärkte gesetzt. Die im Jahr 2009 durchgeführten VDMA-Delegationsreisen haben erste Früchte getragen und werden in 2010 und 2011 gezielt weiter geführt.

Neben den dominierenden drei asiatischen Schiffbaunationen China, Korea und Japan rücken neue Schffbauländer, wie Indien und Brasilien, in den Vordergrund: 2009 wurden weltweit 1.599 Seeschiffe bestellt (Vorjahr: 2.928), davon 605 (951) in China, 281 (510) in Japan, 140 (557) in Südkorea und 89 (209) Schiffe in der EU-27, davon nur sieben (34) in Deutschland. Der Auftragsbestand an Schiffen weltweit war im vergangenen Jahr erstmals deutlich von 11.341 Schiffen auf 9.226 zurückgegangen.

Größter Auslandsmarkt China

Die Auslandsgeschäfte der deutschen Zulieferer verteilen sich 2009 dementsprechend zu 36 Prozent auf Asien und nur noch 32 Prozent auf das europäische Ausland. China ist größter Auslandsmarkt mit gut 20 Prozent der Exporte gefolgt von Korea mit 12 Prozent.

Sehr genau beobachten die Branche die Bestrebungen in Asien, ihre eigene Zulieferindustrie auszubauen. Ziel deutscher Zulieferer muss es deshalb sein, den vorhandenen Vorsprung im technischen und logistischen Bereich zu halten und weiter auszubauen.

Zukunft von Offshore

Das seit mehreren Jahren zunehmende Engagement der deutschen Zulieferer im Bereich der Offshore-Öl- und Gas-Industrie wird auch nach der Katastrophe im Golf von Mexiko weiter wachsen. Da ist sich Christoph Daum, Menck GmbH, sehr sicher. „Der Bedarf an hochwertigem und zuverlässigem Equipment ist groß. Verfügbarkeit und hohe Umwelt- und Sicherheitsstandards sind hier entscheidende Wettbewerbsvorteile deutscher Unternehmen.“

Die Unternehmen der Offshore-Zulieferindustrie sind sowohl im Öl- und Gas-Bereich wie auch im Offshore-Windbereich aktiv. Hier gibt es Synergien, die ein „voneinander Lernen“ begünstigen und damit für den Standort Deutschland sprechen. Der VDMA fördert daher aktiv die Vernetzung auch zwischen diesen beiden maritimen Industrien.

Energieeffiziente deutsche Technik

Ein weiterer Schwerpunkt der deutschen Zulieferindustrie ist der energie- und kostensparende und gelichzeitig umweltschonende Betrieb von Schiffen und Offshore-Anlagen. Hier hat die deutsche Hightech-Industrie einen hervorragenden Ruf durch ihren technologischen Vorsprung zu verteidigen. „Die Entwicklungen am Antriebsstrang sind hier ein gutes Beispiel“, kommentiert Klaus Deleroi, MAN Diesel & Turbo SE. „Denn nur Systemführer werden das Gesamtoptimum unter Berücksichtigung der Produktion, der Lebenserwartung und der Servicefreundlichkeit erreichen können. Dieses Optimum verschafft dem Kunden den entscheidenden Vorteil in Hinblick auf Wirtschaftlichkeit und Umwelt.“ Hier wächst ein interessantes Geschäftsfeld auch für die Nachrüstung von älteren Schiffen, um deren Effizienz und Umwelttauglichkeit sofort zu steigern.

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Jetzt ist Flexibilität gefragt

Die derzeitig Mitarbeiterzahl wird voraussichtlich in 2010 nicht zu halten sein. Die Brache wird versuchen, überfluktuationsbedingte Abgänge die notwendige Anpassung zu realisieren. „Die Jahre 2011 und 2012 werden zur Bewährungsprobe für unsere Branche“, prophezeit Dr. Bernd Sitte, Sitte GmbH. Das im vergangen Jahr vorherrschende Dilemma war einerseits die termingerechte Auslieferung von bestellten Produkten und andererseits das Wissen der nachfolgenden Auftragsflaute. Nun kommen die Aufträge sehr spät und müssen sehr kurzfristig ausgeliefert werden. „Das verlangt viel Flexibilität bei Personalbestand und Beschäftigungsmöglichkeiten“, betont Bernd Sitte. Gerade für die mittelständischen Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie ist das „atmende“ Unternehmen die Voraussetzung, um am Weltmarkt zu bestehen.

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