Boom-Markt China

Deutsche Unternehmen lernen chinesischen Markt lieben

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Kooperation bringt entscheidenden Vorteil

ABB konzentriert sich auf die Weiterentwicklung der Steuerungstechnik für die Robotik sowie auf die Montage des Komplettsystems Roboter, sodass sich hier wiederum Ansätze für die Kooperation der internationalen Unternehmen bieten. Beispielsweise wurde aufgrund einer Anforderung von ABB Robotics in China von Festo Norwegen und ABB Bryne in Norwegen ein Wartungsmodul entwickelt, das hauptsächlich in Robotern für Lackieranlagen in Automobilfabriken der chinesischen Kunden eingesetzt wird.

Das gemeinsam entwickelte Purge Air Kit erzeugt einen Überdruck im Innern des Roboterarms und verhindert dadurch das Eindringen von Staubpartikeln und damit die Beeinträchtigung seiner Funktion. Eine kundenspezifische Lösung der Festo-Ingenieure dank ihrer Erfahrung bei pneumatischen Wartungsgeräten und ihrem Engineering-know-how.

Wie finden kleine Unternehmen den Weg nach China?

Weltumspannende Kooperationen sind jedoch längst nicht mehr nur den großen Unternehmen vorbehalten. So machte sich auch der mittelständische Sondermaschinenbauer Elme Automatika auf den Weg nach Fernost, um den chinesischen Markt zu erschließen. Die Ungarn besetzen mit ihren 60 Mitarbeitern und etwa sieben Millionen Euro Umsatz Nischen wie das Einbinden von Bildverarbeitungssystemen in Montage- und Prüfanlagen.

Inzwischen gelang es dem Geschäftsführer Dr. István Kovács aber auch, Maschinen und Montagelinien an chinesische Fabriken der internationalen Automobilzulieferer Bourns in Xiamen und Valeo in Shenzhen zu liefern. Dazu gehört eine Anlage zur Montage und Prüfung von Lenkradkomponenten. In der Anlage werden Kabel geschnitten und mit einem Laser gereinigt. Die Bauteile werden anschließend von einem integrierten Robotersystem weitertransportiert und mit Hilfe von Widerstands- sowie Laserschweißverfahren weiterverarbeitet und mit einem Kamerasystem geprüft. Auch hier Automatisierung in der Produktion wohin man schaut: Im Rahmen der Prüfung werden mechanische Messungen des Drehmoments, Hitzetests, elektrische Funktions- und Programmiertests sowie Kamera-Checks durchgeführt und schließlich Lasermarkierungen angebracht.

Die grundlegende Anforderung des chinesischen Marktes und seiner Partner, dieselben Komponenten und Module verfügbar zu haben wie auf dem Heimatmarkt bestätigt Kovács in diesem Zusammenhang: „Neben unserem preisattraktiven Angebot kamen wir bei der Ausschreibung deshalb zum Zug, weil wir in der Lage waren, dieselbe standardisierte Lösung zu bieten wie in Europa“.

Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr über regionales Engineering.

Regionale Produktentwicklung und Ausbildung

Um einen weltweiten einheitlichen Standard zu sichern und künftig mehr und mehr individuell zugeschnittene Lösungen und Anwendungen auch aus China heraus anbieten zu können, muss auch in Ausbildung, Forschung und Entwicklung investiert werden. Noch einmal zurück zum Beispiel Festo: Die Konzernleitung um Vorstand Veit gründete nicht nur ein „Greater China Solution Engineering Centre“, das als Sparringspartner mit chinesischen Kunden gedacht ist, sondern investiert auch in die Ausbildung.

Das erste vollständige Schulungszentrum, das Festo außerhalb Deutschlands eröffnet hat, nimmt das deutsche System der dualen Ausbildung als Vorbild. Mitarbeiter werden im etwa eine Million Euro teuren und 1300 m² großen Schulungszentrum in Technik und Managementlehre geschult. Für die Qualifizierung anderer Zielgruppen wie zum Beispiel Teamleiter oder Ausbilder in Management, Qualität und Technologie wird ebenfalls analog zur heimatlichen Vorgehensweise mit Hochschulen und Instituten kooperiert.

Gemeinsam mit der Tongji University, der Zhejiang University, der Shanghai Jiaotong University und anderen wird Ausbildungsprogramme, die Vergabe von Stipendien und die Entwicklung besonderer Fähigkeiten investiert.

Auch das „Chinesisch-Deutsche Hochschulprogramm“ der Chinesisch-Deutschen Hochschule für angewandte Wissenschaften, die mit der Tongji University (CDHAW) verbunden ist, fördert Ingenieure mit einem multikulturellen Hintergrund. Nach Abschluss des Studiums an der CDHAW arbeiten die Studenten in ihrem Abschlussjahr an der Partneruniversität in Deutschland.

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