Fachkräfte Rentenwelle bringt Unternehmen ins Schwimmen

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

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Was die Kunstfigur Erwin Pelzig vor rund 30 Jahren als Rentnerschwemme auf die Schippe nahm, heißt heute Rentenwelle. Und die muss von Unternehmen kompensiert werden.

In rund zehn Jahren könnten die Babyboomer vom Arbeitsmarkt verschwunden sein und mit ihnen wertvolles Fachwissen. Unternehmen wie Continental, Mercedes-Benz und die Lufthansa versuchen nun mit neuen Ideen, die Mitarbeiter zu halten.(Bild:  Mercedes-Benz)
In rund zehn Jahren könnten die Babyboomer vom Arbeitsmarkt verschwunden sein und mit ihnen wertvolles Fachwissen. Unternehmen wie Continental, Mercedes-Benz und die Lufthansa versuchen nun mit neuen Ideen, die Mitarbeiter zu halten.
(Bild: Mercedes-Benz)

Auf den deutschen Arbeitsmarkt rollt eine Rentenwelle zu. Die sogenannten Babyboomer gehen demnächst in den Ruhestand. Aber in Zeiten des Fachkräftemangels laufe den deutschen Unternehmen buchstäblich die Zeit davon. Bis Mitte des kommenden Jahrzehnts werden nämlich rund vier Millionen Erwerbstätige der starken Geburtsjahrgänge 1954 bis 1968 vom Arbeitsmarkt verschwinden, heißt es. Allein der Berliner Wirtschaft werden nach Berechnungen der örtlichen Industrie- und Handelskammer (IHK) in rund zehn Jahren über 400.000 Fachkräfte fehlen. Schon heute fehlten allerdings rund 90.000 Qualifizierten Beschäftigte.

Viele wollen vorzeitig in den Ruhestand

Erschwerend kommt hinzu, dass viele Ältere sogar vorzeitig in Rente gehen wollen. Demnach möchte sich laut einer Umfrage des Instituts für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG) im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) fast jede und jeder dritte Erwerbstätige ab 50 Jahren (31,3 Prozent) früher aus dem Job verabschieden. Das sind beunruhigende Zahlen, die auch von der Deutschen Rentenversicherung (DRV) bestätigt werden. Denn von den rund 953.000 Menschen, die 2023 erstmalig eine Altersrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung erhielten, haben demnach über 555.000 das reguläre Rentenalter noch nicht erreicht.

Die Folgen könnten vor allem für kleine Unternehmen dramatische Auswirkungen haben, denn mit den erfahrenen Fachkräften verlierten die Unternehmen auch für sie wertvolles Wissen. Und während immer mehr vorzeitig Tschüss sagen, rücken nicht genügend jüngere Beschäftigte nach, wie man weiß. Nach IHK-Angaben dauert die Suche nach einer Nachbesetzung in der Bundeshauptstadt im Schnitt über sechs Monate. Für eine ordentliche Übergabe bleibe dann oft nur wenig Zeit, oder Mitarbeiter gehen in den Ruhestand, ohne dass für eine Nachfolge gesorgt werden konnte, wie die dpa erfahren hat. Die Bindung von älteren Beschäftigten liege also im Interesse der Unternehmen und könnte zur Überlebensfrage werden. Manche Unternehmen haben das Problem auch schon erkannt und spezielle Programme zum Wissenserhalt oder zur Bindung ihrer älteren Beschäftigten eingeführt. Das zumindest offenbare eine Umfrage der dpa unter ausgewählten großen Unternehmen.

Lufthansa, Continental und Mercedes steuern dagegen

Es ist höchste Zeit, die Rente neu zu denken, fordert etwa die Continental-Personalvorstand, Ariane Reinhart. Denn genau wie bei der Arbeitszeitgestaltung brauchen Unternehmen auch bei diesem Thema den notwendigen Gestaltungsspielraum. Um Mitarbeiter kurz vor oder sogar im Ruhestand dennoch zu halten, habe Continental ein spezielles Programm aufgelegt, in dem ältere Fachkräfte einen Kompetenzpool bilden, auf den das Unternehmen bei Engpässen oder Projekten zugreifen könne. Auch die Lufthansa setzt, wie man erfährt, auf die Wieder- und Weiterbeschäftigung von erfahrenen Fach- und Führungskräften. Das Ziel sei es, dem Fachkräftemangel durch erfahrene Experten zu begegnen, um den Wissenstransfer zwischen den Generationen zu sichern. Ähnliches teilt auch Mercedes-Benz auf Anfrage mit. So könnten etwa altersbedingt ausgetretene Profis ihr Wissen zeitlich befristet in Projekteinsätzen einbringen.

Während Unternehmen verstärkt auf den generationsübergreifenden Wissensaustausch setzten, würden ältere Menschen aber nach Arbeitsmodellen suchen, die ihren persönlichen Interessen entsprächen. Das sagt zumindest der Wirtschaftswissenschaftler und Vizepräsident des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Ulrich Walwei. „Die Herausforderung besteht darin, die Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass sie sowohl den Bedürfnissen der älteren Mitarbeitern als auch den strategischen Zielen des Unternehmens entsprechen“, wie Walwei empfiehlt.

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