Reihenklemme Die elektrische Ausstattung für die Qinghai-Tibet-Railway

Autor / Redakteur: Rongyun Lu / Karl-Ullrich Höltkemeier

Das autonome Region Tibet, das „Dach der Welt“, befindet sich auf der Qinghai-Tibet-Hochebene im südwestlichen Grenzgebiet Chinas. Die landschaftlich reizvolle Region verfügte bis vor kurzem als einzige Provinz in China nicht über eine Eisenbahnlinie. Das hat die wirtschaftliche Entwicklung des Gebietes, das zu den ärmsten Regionen Chinas gehört, erheblich beeinträchtigt. Jetzt verkehrt die Qinghai-Tibet-Railway - ausgestattet mit Produkten von Phoenix Contact.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Die Eisenbahnstrecke Qinghai-Tibet mit einer Gesamtlänge von 1.956 Kilometern verläuft von Xining, Qinghai nach Lhasa, Tibet (Bild 1). Das 814 Kilometer lange Teilstück von Xining nach Germu wurde 1984 für den Verkehr freigegeben. Die neue Strecke verläuft von Germu in der Provinz Qinghai nach Lhasa, der Hauptstadt von Tibet. Sie führt entlang der Qinghai-Tibet-Straße, überwindet das Nyainqentanglha-Gebirge und endet schließlich in Lhasa. Der neu errichtete Streckenabschnitt hat eine Länge von 1.110 Kilometern. Die gesamte Eisenbahnstrecke verfügt über 34 Bahnhöfe – neun davon haben eine Aussichtsplattform.

Drei große Herausforderungen mussten beim Bau der Eisenbahnstrecke gemeistert werden: Boden mit Dauerfrost, Kälte und Sauerstoffmangel sowie ein sensibles Ökosystem. Der höchste Punkt der Strecke liegt 5.072 Meter über dem Meeresspiegel, 960 Kilometer verlaufen mehr als 4.000 Meter über dem Meeresspiegel. 550 Kilometer der Eisenbahnstrecke werden durch Gebiete mit Dauerfrostboden geführt. Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt hier unter 0° C, wobei der relative Sauerstoffgehalt der Luft nur 50 Prozent beträgt.

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Das chinesische Eisenbahnministerium konnte diese Herausforderungen erfolgreich meistern: durch die Zusammenarbeit mit Umweltschutzexperten und Forschungsinstituten sowie dank der Erfahrungen beim Eisenbahnbau auf Hochebenen und in Kälteregionen.

Verpflegung, Unterhaltung und medizinische Versorgung

Die Ausstattung der 441 Personenzüge der Qinghai-Tibet-Eisenbahnstrecke ist mit dem Komfort eines Passagierflugzeugs vergleichbar. Die autarken Züge verfügen nicht nur über Systeme zum Druckausgleich und zur Sauerstoffversorgung. Den Passagieren werden gepflegte Mahlzeiten, ein Unterhaltungsprogramm sowie medizinische Versorgung geboten.

Jeder Zug ist mit zwei Systemen zur Sauerstoffversorgung ausgestattet. Ein System dient der Zufuhr von Sauerstoff über die Klimaanlage. Sollten sich Passagiere dennoch unwohl fühlen, befinden sich Sauerstoffmasken unter den Sitzen.

Außerdem werden die Fahrgäste von medizinischem Personal begleitet, das im Notfall erste Hilfe leistet. Entlang der Strecke Qinghai-Tibet wurde eine Notfall-Station eingerichtet, außerdem bestehen Kontakte zu zwei Krankenhäusern in Städten an der Bahnlinie.

Die Isolierung der elektrischen Ausstattung wurde dahingehend verstärkt, dass ein störungsfreier Betrieb des Zuges auch bei dem geringen Luftdruck auf der Hochebene möglich ist. Zum Schutz des Fahrgestells wurden weitere Maßnahmen ergriffen. Ein Vakuum-Toilettensystem sowie Behälter für die zentrale Sammlung und Entsorgung von Abfall und Abwasser leisten einen wesentlichen Beitrag zum Schutz des sensiblen Ökosystems der Hochebene.

Das Luftansaugsystem ist so ausgelegt, dass Schnee oder Sand von außen nicht in den Innenbereich des Zuges gelangen können. Der Zug verfügt auch über ein modernes System zur Störungssuche, ein Prüfsystem, GPS-Kartenführung, ein System für Videoaufnahmen und -wiedergabe sowie ein Spurerkennungssystem.

Der Personenzug auf der Qinghai-Tibet-Strecke

Der Personenzug erreicht auf Streckenabschnitten mit gefrorenem Boden 100 km/h und in den übrigen Gebieten eine Geschwindigkeit von 120 km/h. Die Fahrtzeit von Germu nach Lhasa beträgt ca. zwölf Stunden, von Xining nach Lhasa ca. 20 Stunden und von Lhasa nach Peking 48 Stunden. Schätzungen zufolge werden im Jahr 2010 1,13 Mio. Touristen nach Tibet reisen, über doppelt so viele wie im Jahr 2000.

Für die elektrische Steuerung des Personenzuges werden zentrale intelligente vernetzte Steuerungstechniken genutzt. Untergebracht ist die Steuerungstechnik in integrierten Schaltschränken sowie in Schaltkästen für die Steuerung von Schiebetüren, Abwasser-, Warmwasser- und Fäkaliensammelanlagen.

Schaltschrank als Mittelpunkt der Steuerung

Der integrierte Schaltschrank ist der Mittelpunkt der Steuerung des Personenzuges. Er steuert Klima- und Beleuchtungsanlage, Strom- und Sauerstoffversorgung sowie das Notfallsystem. Der integrierte Schaltschrank überwacht außerdem mittels LonWorks-Technologie alle elektrischen Informationen sowie die Sicherheitsinformationen eines Waggons. Dazu gehören Klimaanlage und Beleuchtung, Rauchmelder, Bremssystem, Schiebetüren sowie Achstemperatur. Die Steuerbefehle können auch von einem Host-Rechner kommen.

Da die Anlagen auch unter extremen Bedingungen einwandfrei funktionieren müssen, werden Reihenklemmen von Phoenix Contact in den integrierten Schaltschränken verwendet (Bild 2). Eingesetzt wurden unter anderem Zugfederklemmen ST und Schraubklemmen UK 35. Für die Proxy-Anschlüsse und –Gateways im LonWorks-Netzwerk werden Printklemmen eingesetzt. Jeder Waggon nutzt durchschnittlich sechs Sets dieser Gateways.

Schutz vor Blitzeinschlägen und Überspannung auf der Hochebene

Um den integrierten Schaltschrank vor Blitzeinschlägen zu schützen, wurden zum ersten Mal in einem Personenzug Blitzschutz- und Überspannschutzprodukte integriert. Dazu gehört der Überspannungsableiter Valvetrab VAL-MS 320 für die Stromversorgung (Bild 3) sowie der Blitzstromableiter CN-UB-280DC-SB zum Schutz der Kommunikationseinrichtungen (Bild 4). Alle 441 Züge sind mit Blitzstrom- und Überspannungsableitern von Phoenix Contact ausgestattet.

Der Warmwasser-Schaltkasten wird zur Steuerung der Warmwasserzufuhr für die sanitären Anlagen verwendet. Damit ist eine hohe Verfügbarkeit von Warmwasser im kalten Klima der Hochebene gegeben. Auch bei diesem Schaltkasten verrichten Zugfederklemmen von Phoenix Contact ihren verlässlich Dienst.

Beim Projekt Qinghai-Tibet-Eisenbahn wurde auch der Umweltschutz groß geschrieben. Neben Maßnahmen beim Bau der Bahnstrecke werden Abfälle und Abwässer zentral in entsprechenden Vorrichtungen der Personenzüge gesammelt und entsorgt. Der Schaltkasten für Abwasser (Bild 5) dient der Steuerung der Abwasserentsorgung. In diesem Gerät wurden ebenfalls Zugfederklemmen von Phoenix Contact installiert.

Darüber hinaus werden in Kabel- oder Anschlusskästen für die Signalsysteme der Qinghai-Tibet-Eisenbahn Mini-Zugfederklemmen vom Typ MZB von Phoenix Contact eingesetzt. Insgesamt werden circa 1.500 Schaltkästen mit insgesamt 120.000 Reihenklemmen genutzt.

Rongyun Lu, Produktmanager Industrielle Verbindungstechnik, Nanjing Phoenix Contact Co. Ltd, Nanjing, China

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