Druckluft

Die Millimeter-Frage

| Redakteur: Robert Weber

Oft sind es die kleinen Stellschrauben, die einen großen Effekt auf die Energiebilanz haben.
Oft sind es die kleinen Stellschrauben, die einen großen Effekt auf die Energiebilanz haben. (Bild: VBM)

Keine Lust auf Rohre, Kompressoren und Schläuche: Unternehmen scheuen Investitionen in die Rohrleitungssysteme. Dabei kann die effiziente Nutzung der Druckluft Geld und Energie sparen und neue Aufgaben im Betrieb übernehmen.

Die Rohrleitung schlängelt sich durch die Werkshallen, verschwindet kurz in der Wand und taucht dann wieder auf der anderen Seite auf. Immer wieder angebaut, immer wieder neue Bauabschnitte und die Rohrleitung passte sich immer wieder flexibel an – gewachsene Strukturen im Betrieb. „Schraub' bloß nicht an der Druckluft rum“, mahnen die Meister den Energiemanager. Unwissenheit über Verläufe, Angst vor der Komplexität der Aufgabe und mögliche Ausfälle hemmen viele Entscheider, wenn es um die Effizienzsteigerung von Druckluftsystemen geht (Tipps zur Druckluft entnehmen Sie der Infografik).

Dazu kommt: Der Stromverbrauch in der Druckluft ist für die Betriebsleiter quasi unsichtbar, da er nur einen kleinen Anteil an den Gesamtkosten ausmacht und für die direkten Kosten fühlt sich meist kein Angestellter verantwortlich. Darüber hinaus reden bei der Druckluft die Instandhalter, Produktionsleiter, der Einkauf und das Management mit und die Betriebskosten werden bei der Beschaffung immer noch gerne ausgeblendet. Zu diesem Urteil kommt das Landesamt für Umwelt des Freistaats Bayern, das eine Initiative für mehr Drucklufteffizienz ins Leben gerufen hat Das freut die Techniker von Mader Druckluft aus Leinfelden-Echterdingen, denn ein Einsparpotenzial bei der Technik ist oft auch schon mit kleinen Stellschrauben zu erreichen. In der Praxis sind es vor allem eine ineffiziente Verdichtertechnik, unwirtschaftliche Steuerungen der Druckluftstationen, suboptimale Betriebsdrücke, viele Leckagen und ein vernachlässigtes Rohrleitungssystem, die Druckluft unnötig verteuern, berichtet der Außendienst immer öfter.

Die Schere ist tabu

Besonders undichte Stellen in den Rohrleitungen sind Kostentreiber. Zwei Millimeter große Löcher belasten die Kostenstelle in der Buchhaltung mit bis zu 1700 Euro (Angesetzt: Betriebsdruck von sieben bar, Strompreis von 10 Cent/kWh).

Leckagen können schnell ins Geld gehen.
Leckagen können schnell ins Geld gehen. (Bild: VBM)

Mit jeder einzelnen Leckage produziert der Kompressor mehr Druckluft, die verloren geht. Für umfangreichere Anlagen rentiert sich ein auf Ultraschall basierendes Leckageortungsgerät, raten die Experten von Mader. Aber auch die Auswahl der Systemkomponenten beeinflusst das Auftreten von durchlässigen Stellen im Druckluftsystem, heißt es in einer Mitteilung. Flexible Schläuche zum Beispiel aus Polyurethan senken das Leckagerisiko, empfehlen die Schwaben. Die Erfahrung rät: Oft liegt der Fehler aber an den Schlauchenden. Jochen Zwicker von Mader warnt deshalb: „Schneidet ein Mitarbeiter einen Schlauch mit einem herkömmlichen Messer oder gar einer Schere ab, ist der Schnitt ungleichmäßig und nicht rechtwinklig.“ Nur mit glatten Kanten ist der angeschlossene Schlauch luftdicht. Doch nicht nur Schnitte können Folgen haben. Zylinder-Kolbenstangen, auf die Querkräfte wirken, sind ebenfalls eine undichte Stelle. Beim Landesamt für Umwelt haben die Experten noch einen weiteren Grund für zu hohe Verbräuche ausgemacht: Zu viel Druck in der Leitung. Gleichzeitig kann der Kompressor auch als Heizung dienen, denn 94 Prozent der eingesetzten Energie können zurückgeführt werden, heißt es in einem Strategiepapier des Amts (die Zusammenfassung können Sie hier herunterladen und ausdrucken). Die Druckluft kann viel mehr leisten, als viele Unternehmer und Energiemanager bisher vermuteten. Es muss sich nur jemand an die Rohre trauen.

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